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Bilder in Gold getaucht

Eines der Bilder von Heike Puderbach, die derzeit im Kunstforum in St. Ingbert zu sehen sind. Foto: SZ/Ver
Eines der Bilder von Heike Puderbach, die derzeit im Kunstforum in St. Ingbert zu sehen sind. Foto: SZ/Ver
St. Ingbert/Homburg. Der Goldgrund in Heike Puderbachs Werken leuchtet dem Betrachter entgegen. Mal wirkt er vordergründig und wölbt sich fast räumlich nach vorne - mal scheint er flächig und nimmt sich zurück Von SZ-Mitarbeiterin Brigitte Quack

St. Ingbert/Homburg. Der Goldgrund in Heike Puderbachs Werken leuchtet dem Betrachter entgegen. Mal wirkt er vordergründig und wölbt sich fast räumlich nach vorne - mal scheint er flächig und nimmt sich zurück. "Das hängt vom Lichteinfall ab", erzählt die 1966 in Saarlouis geborene Produktdesignerin, die 62 ihrer Werke aus dem Bereich "Freie Kunst" im Baden-Badener Kunstforum präsentiert. Das Gold habe es ihr angetan, so Puderbach, die vor die Goldfolie am liebsten Personen platziert. "Gerne Kinder, die aber nicht allzu lieb und brav sein dürfen, sondern viel eher ein wenig spitzbübisch und frech" - so wie der Junge, der den Betrachter mit einem herausfordernden Blick aus seinen riesigen Augen direkt ansieht. Seine Haut ist hell, in zarten Lasuren auf die Leinwand gebracht, und steht im starken Kontrast zu den intensiven Farben seiner Kleidung: ein orangefarbenes kleinkariertes Hemd und eine bunt gepunktete kurze Hose. Während sich nun der Körper mit seinem feinen Teint stark zurücknimmt, drängt sich die Kleidung provokativ in den Vordergrund. So, als wolle sie die Haltung des kleinen Frechlings zum Ausdruck bringen. Die Kleidung wird in vielen der Puderbachschen Gemälde teilweise mit realem Stoff veranschaulicht; mit dünnen, auf die Personen zugeschnittenen Stoffteilen, die sowohl ihre Materialität spürbar machen, als auch den Gegensatz zur gemalten Person nochmals unterstreichen. An ihrer Flächigkeit gibt es keinen Zweifel. Sie sind direkt auf die Leinwand gebracht und zum Teil noch mit Ausschnitten aus Fotografien beklebt, etwa mit ausgeschnittenen Blumen. Ein wenig sonderbar, doch immer auch humorvoll und experimentierfreudig präsentieren sich diese Werke, die doch nur einen Teil dieser umfassenden Ausstellung ausmachen. Denn da gibt es noch abstrakte Werke, unter anderem auch solche, die mit naiv anmutenden Pinselzeichnungen übermalt sind. Hinzu kommen skurrile Objekte und Skulpturen, die mit allerlei Überraschungen aufwarten. "Ich zeige Arbeiten aus den letzten sieben Jahren in dieser kleinen Retrospektive", erklärt die dunkelhaarige Frau, die im vorigen Jahr den Kulturpreis der Stadt Saarlouis erhalten hat. Ein Überblick also über sieben Jahre freies Kunstschaffen, das die Absolventin der HBK (Hochschule der Bildenden Künste) Saar mit großem Einfallsreichtum betreibt. Unter den gezeigten Objekten finden sich mit Leinwand überzogene und an die Wand gepinnte Kissen, die mit einem farbenfrohen Mix aus Wörtern und Bildsprache aufwarten und dabei auf Alltagssprüche oder Kinderlieder anspielen. Blick hinter die DingeWir sehen gepolsterte Figuren an der Wand, die trotz Titeln wie etwa "Teufel" in hellen Farben und mit viel schillerndem Schnickschnack humorvoll daherkommen. Oder Tierschädel, die zum Bestandteil witziger Installationen wie dem "Ikarus" werden können. Mitunter werden sie auch mit Brokat und Glitzerperlen verziert und in der Art von Jagdtrophäen an die Wand gebracht. Hier regiert ein humorvoller Blick hinter die Dinge, der vieles überzeichnet, verdreht und ins Lächerliche verkehrt. So, als wäre auch hier ein kleiner Schalk am Werk. redHeike Puderbach - "Feinkost in Öl". Bis zum 7. Juni. Kunstforum Baden-Badener Versicherung AG, Schlackenbergstraße 20, Montag bis Freitag, acht bis 16 Uhr.