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Bienensterben nimmt kein Ende

 In der Frühlingssonne werden die Bienen aktiv, sammeln Pollen und sogar schon Nektar ein. Foto: Norbert Wagner
In der Frühlingssonne werden die Bienen aktiv, sammeln Pollen und sogar schon Nektar ein. Foto: Norbert Wagner
Merzig. Mit großer Sorge beobachten die Imker zurzeit ihre Bienen. Nach der vergangenen Herbst/Winter-Saison ist deutschlandweit ein hoher Verlust an Bienenvölkern zu beklagen. Hauptursache: Die aus Indien eingeschleppte Varroamilbe, die in die Brutzelle eindringt, sich dort vermehrt und dabei die Bienenmaden in ihrer Weiterentwicklung schädigt Von SZ-Mitarbeiter Norbert Wagner

Merzig. Mit großer Sorge beobachten die Imker zurzeit ihre Bienen. Nach der vergangenen Herbst/Winter-Saison ist deutschlandweit ein hoher Verlust an Bienenvölkern zu beklagen. Hauptursache: Die aus Indien eingeschleppte Varroamilbe, die in die Brutzelle eindringt, sich dort vermehrt und dabei die Bienenmaden in ihrer Weiterentwicklung schädigt. In Europa gibt es keine resistenten Bienensorten. Die Bieneninstitute forschen unermüdlich. Aber weil von Jahresanfang bis Mitte Juli, dem Ende der Honigernte, in den Bienenvölkern keine Bekämpfungsmittel eingesetzt werden dürfen, vermehrt sich die Varroamilbe fast ungehemmt.Grund genug, in der jüngsten Mitgliederversammlung des Kreisverbandes der Imker das Thema der Bienengesundheit in den Mittelpunkt der Tagung zu stellen. Über die gesamte Problematik und den Abwehrkampf der Imker gegen den Schädling unterhielt sich die SZ mit Franz Kasper, dem Vorsitzenden des Imker-Kreisverbandes Merzig-Wadern.


Herr Kasper, wie ist es momentan um die Gesundheit der Bienen im Kreis Merzig-Wadern bestellt?

Franz Kasper: Wir befinden uns jetzt in der Zeit, in der man die Bienen auswintert. Bei schönem Wetter und warmer Mittagssonne werden sie aktiv, fliegen aus und sammeln Pollen, ja sogar schon Nektar von den Weiden ein. Es ist die Zeit, in der die Imker ihre Bienenvölker durchschauen. Leider gibt es oft ein böses Erwachen, weil in manchen Beuten keine Bienen mehr sind.



Gibt es Erhebungen, die über die landesweiten Völkerverluste Auskunft geben?

Kasper: Direkte Erhebungen mit prozentualen Auswertungen gibt es leider nicht. Man hört nur die Klagen der Imker, wenn ihre Völker wieder einmal stark geschädigt wurden oder den Winter gar nicht überlebt haben. Feststellen kann man jedoch, dass das Bienensterben in diesem Winter wieder einen traurigen Höhepunkt erreicht hat.

Wie lässt sich diese aus Sicht der Imker negative Entwicklung des Schädlings erklären?

Kasper: Das vergangene Frühjahr war extrem warm und hatte zudem sehr früh begonnen. Es ist anzunehmen, dass die Bienenvölker deshalb im vergangenen Jahr mit der Volksentwicklung früher als sonst beginnen konnten und bis zum Abschleudern mehr Brutperioden als in anderen Jahren durchmachen konnten. Somit konnten die Milben sich auch entsprechend vermehren.

Ließ sich diese Entwicklung nicht rechtzeitig eindämmen?

Kasper: Nein, auch wenn diese Entwicklung abzusehen war, so ließ sich zunächst nicht viel dagegen tun. Vom Frühjahr bis zum Ende der Honigernte dürfen keine Behandlungsmittel gegen die Varroa eingesetzt werden. Der Honig darf nicht durch den Einsatz von Fremdstoffen verunreinigt werden. Man muss es als selbstverständlich betrachten, dass man in dieser Zeit nicht irgendwelche Mittel einsetzt.

Welchen zeitlichen Spielraum haben die Imker, um der Milbe zu Leibe zu rücken?

Kasper: Mit dem letzten Honigschleudern beginnt die Wintereinfütterung und die Behandlung gegen die Varroamilbe. Zu diesem Zeitpunkt sind oftmals schon Schädigungen der Völker feststellbar. Die Imker geben bei der Bekämpfung ihr Bestes. Es ist allerdings nicht immer mit dem erhofften Erfolg gekrönt. Viele Faktoren, wie Luftfeuchtigkeit, Außentemperatur oder Wahl und Menge der entsprechenden Mittel, nehmen Einfluss auf den Behandlungserfolg. Wenn sich der Behandlungserfolg nicht einstellt, ist das Bienenvolk in den meisten Fällen geschädigt oder sogar verloren.

Was bedeuten die zahlreichen Verluste zum einen für die Imker und zum anderen für die Umwelt?

Kasper: Man muss die Dinge im direkten Zusammenhang sehen. Etwa 75 Prozent der Pflanzen sind auf die Bestäubung durch die Insekten, wie Wild- und Honigbienen, angewiesen. Unter Umständen wirkt sich ein Unterbestand an Bienenvölkern durchaus auf die Blütenbestäubung und folglich auf die kommende Obsternte aus. Aber es wird auch Ausfälle bei der Honigproduktion geben. Jetzt, zu Beginn der Saison fehlen die Bienen. Ein Imker ist schon in der Lage, im Laufe des Sommers Bienenvölker nachzuziehen. Aber bis diese Völker die entsprechende Stärke erreicht haben, ist die Zeit der massenhaft vorhandenen Blüten längst vorbei.Foto: owa