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Bienensterben im vergangenen Winter überdurchschnittlich hoch

 Überwinterungsverluste von zehn Prozent der Bienen sind nach Angaben des Deutschen Imkerbunds vergleichsweise normal. Foto: dpa
Überwinterungsverluste von zehn Prozent der Bienen sind nach Angaben des Deutschen Imkerbunds vergleichsweise normal. Foto: dpa
Saarbrücken. Die Bienen fliegen zwar, allerdings können sie die Blütenpracht nicht völlig ausnutzen. 20 Prozent, das sind mehr als üblich, haben nach Angaben des Fachzentrums Bienen und Imkerei in Mayen den vergangenen Winter wegen der Varroa-Milbe nicht überlebt Von SZ-Redaktionsmitglied Sophia Schülke

Saarbrücken. Die Bienen fliegen zwar, allerdings können sie die Blütenpracht nicht völlig ausnutzen. 20 Prozent, das sind mehr als üblich, haben nach Angaben des Fachzentrums Bienen und Imkerei in Mayen den vergangenen Winter wegen der Varroa-Milbe nicht überlebt. Imkerklagen über Totalverluste ihrer Bienenvölker hat Herbert Hassel, Erster Vorsitzender des Landesverbandes der Saarländischen Imker, dieses Frühjahr mehrfach gehört.


Sorgen macht er sich, weil die Bienen wegen der Varroa-Milbe weniger vital sind: "Die Obstblüten-Ernte, der Hauptertrag der Honigernte", erklärt er auf SZ-Anfrage, "wird dieses Jahr schwach ausfallen". Die Honigbienen spielen in der deutschen Volkswirtschaft eine wichtige Rolle: sie erwirtschaften jährlich zwei Milliarden Euro, weil sie 80 Prozent der Kultur- und Nutzpflanzen bestäuben. Damit ist die Biene nach Rind und Schwein das drittwichtigste Nutztier der deutschen Landwirtschaft.

Schuld am Bienensterben ist aber offenbar nicht allein die Milbe. Teile der Bienen-Population seien schon vor dem vergangenen Winter geschwächt gewesen. Eine Ursache war nach Petra Friedrich, Pressesprecherin des Deutschen Imkerbundes, der klimatische Verlauf des Jahres 2009. Den Bienen sei im Frühjahr ein überdurchschnittliches Futterüberangebot beschert worden - in der Folgezeit allerdings mit regionalen Unterschieden waren kaum noch Trachten für die Bienen vorhanden. Das zeitige Frühjahr 2009 hatte aber nicht nur Folgen für das Nahrungsangebot der Bienen. Laut Christoph Otten aus Mayen, Leiter des Fachzentrums Bienen und Imkerei in Rheinland-Pfalz, förderte es auch eine frühe und zahlreiche Vermehrung der parasitären Varroa-Milbe. Diese Mitte der 70er Jahre aus Asien eingeschleppte Milbenart kann Bienenvölker - indem sie ihre Brut befällt - so sehr schwächen, dass sie absterben. Das Fachzentrum in Mayen hat seine Bestandsaufnahme des Wintersterbens noch nicht abgeschlossen, aber Otten bilanziert nach 1500 Rückmeldungen von Imkern aus ganz Deutschland, zumeist aber aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland, dass die Verluste mit 20 Prozent zwar überdurchschnittlich, aber nicht dramatisch seien.



Der Biologe mahnt vielmehr an, den Bezug zu den normalen Schwankungen nicht zu verlieren. "Auch von Imkerseite wird viel hoch gekocht", meint er und sieht als Grund für die erhöhte Bienensterblichkeit auch eine Nachlässigkeit der Imker: "Angesichts der klimatischen Bedingungen wurden die Milben-Behandlungen zu spät oder lückenhaft durchgeführt." Otten spricht sich dafür aus, die Imker in der Varroa-Behandlung intensiver zu schulen und wünscht sich eine stärkere Beteiligung ihrerseits.

"Allerdings", räumt Friedrich vom Deutschen Imkerbund ein, "beobachten wir aufgrund von Bienenkrankheiten und Einflussfaktoren wie mangelndem Nahrungsangebot seit einigen Jahren immer öfter Winter mit höheren Völkerverlusten."