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Innere Sicherheit
Bereitschaftspolizei immer häufiger gefordert

(Symbolbild)
(Symbolbild) FOTO: dpa / Arne Dedert
Saarbrücken. Im Saarland müssen Beamten der Einheit nicht nur bei Fußballspielen ran, sondern auch bei Kundgebungen und Arbeitskämpfen. Von Daniel Kirch
Daniel Kirch

Chefkorrespondent Landespolitik

Seit Jahren schon erreicht die Bereitschaftspolizei im Saarland ihre Soll-Größe nicht. Die einzige Hundertschaft im Land bleibe deutlich unter dem vorgeschriebenen Personalumfang von 148 Männern und Frauen, sagt Sascha Alles, der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Das ist besonders deshalb deutlich spürbar, weil die Zahl der Einsätze zunimmt und Beamte der Bereitschaftspolizei überdies immer öfter als Aushilfen bei den Polizei-Inspektionen einspringen müssen, um dort personelle Lücken zu stopfen. „Die Bereitschaftspolizei ist der personelle Steinbruch für die saarländische Polizei“, sagt Alles.


Neben personalintensiven Einsätzen bei Fußballspielen ist die Bereitschaftspolizei auch im Saarland zunehmend gefordert, weil die Fliehkräfte innerhalb der Gesellschaft zunehmen. So werden Beamte der landesweit einzigen Hundertschaft regelmäßig bei Kundgebungen und Demonstrationen im Saarland eingesetzt, die im Zusammenhang mit Kriegen und Konflikten im Nahen Osten stehen. Seit Jahresbeginn gab es nach Angaben des Innenministeriums insgesamt 38 Einsätze mit dem Anlass „Bürgerkrieg in Syrien/Kurdenproblematik“. Für „Versammlungen Rechts/Links“ wurde die Bereitschaftspolizei in diesem Jahr fünf Mal angefordert, für den Arbeitskampf bei der Neuen Halberg Guss 25 Mal.

Sascha Alles, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft
Sascha Alles, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft FOTO: Windmueller / WINDMUELLER


Nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist kaum ein Bundesland mehr in der Lage, mit eigenen Kräften eigene Großeinsätze zu bewältigen. „Mittlerweile sind aber auch Verstärkungen aus anderen Bundesländern kaum noch möglich“, sagte GdP-Bundeschef Oliver Malchow.

Die saarländische Bereitschaftspolizei war 2018 unter anderem beim 72. Jahrestag der Bombardierung Dresdens, beim 200. Geburtstag von Karl Marx in Trier, einer Versammlung der AfD in Mainz, dem AfD-Bundesparteitag in Augsburg, einer Demonstration für die Schließung der US-Airbase in Ramstein und den Zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Berlin im Einsatz.

Jeder Bereitschaftspolizist hat nach den Worten von DPolG-Chef Alles im Schnitt so viele Überstunden angehäuft, dass er zwei Wochen am Stück zu Hause bleiben könnte. Ein weiteres Problem aus Sicht der Beamten: Weil die Bereitschaftspolizei vor allem bei größeren Versammlungen und bei Fußballspielen eingesetzt wird, die am Wochenende stattfinden, sehen viele Beamte an Samstagen und Sonntagen kaum noch ihre Familien. Alles berichtet von Polizisten, die sechs oder sieben Wochenenden in Folge Dienst leisten müssten. „Wo ist da die Familienfreundlichkeit?“, fragt Alles.