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Entlastung der Notaufnahmen
Bereitschaftsdienst rund um die Uhr?

Wer nachts oder am Wochenende eine Notaufnahme aufsucht, muss unter Umständen lange warten. Foto: Hollemann/dpa
Wer nachts oder am Wochenende eine Notaufnahme aufsucht, muss unter Umständen lange warten. Foto: Hollemann/dpa FOTO: Hollemann/dpa
Saarbrücken. Die Notaufnahmen im Saarland sind oft überfüllt. Nun wird überlegt, die Öffnungszeiten von Bereitschaftsdienstpraxen auszuweiten. Patricia Heine

Plötzliche Schmerzen oder Beschwerden treten in der Nacht auf. Ab zum Arzt. Aber welcher Hausarzt hat gerade Dienst? Weil viele das nicht wissen, gehen sie direkt in die Notaufnahme des nächstgelegenen Krankenhauses. Die ist aber oft überfüllt. Dann heißt es, lange warten - obwohl manch einem Patienten ein Hausarzt besser weiterhelfen könnte. Bei der Lösung dieses Problems sei das Saarland vor einigen Jahren schon wegweisend gewesen, sagt Thomas Jakobs, Geschäftsführer der Saarländischen Krankenhausgesellschaft. 13 Bereitschaftsdienstpraxen wurden flächendeckend an Krankenhäusern im Saarland eingerichtet. Sie sind immer dann offen, wenn die niedergelassenen Ärzte keine Sprechstunde haben, mittwoch- und freitagnachmittags etwa oder am Wochenende.

Jetzt diskutiert das Land darüber, die Öffnungszeiten dieser Praxen auszubauen. Ein Versuch laufe derzeit am Klinikum Saarbrücken auf dem Winterberg und in der Caritasklinik auf dem Saarbrücker Rastpfuhl, erklärt Gunter Hauptmann, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Saarland. Seit etwa fünf Wochen haben die jeweils dort ansässigen Bereitschaftsdienstpraxen wochentags bis 22 Uhr geöffnet. Danach suchten erfahrungsgemäß nur noch selten Patienten die Praxen auf. Bis zum Quartalsende, Ende Juni, gelten diese verlängerten Öffnungszeiten noch, sagt Gunter Hauptmann. Dann wird ausgewertet, ob es sich lohnt, die Praxen rund um die Uhr zu betreiben.

Das forderte der Landeschef der Techniker Krankenkasse, Jörn Simon. Damit wolle er die Notaufnahmen entlasten. Geschultes Personal in den Praxen solle erkennen, wann es sich um einen echten Notfall handelt und wann nicht. Neben dem Versuch laufen dazu zurzeit viele Gespräche, erklären die Verantwortlichen. Die KV diskutiere darüber mit der Saarländischen Krankenhausgesellschaft, aber auch mit den einzelnen Krankenhäusern, erklärt Hauptmann. Letztlich müssten alle Akteure gemeinsam die Punkte mit dem Gesundheitsministerium besprechen. Denn auch die Landesregierung hält im neu verfassten Koalitionsvertrag fest, dass Bereitschaftsdienstpraxen rund um die Uhr geöffnet sein sollten. "Wir haben schon ein gut funktionierendes System, aber die Notaufnahmen sind überlastet", sagt Jakobs. Das System müsste besser unterscheiden, wann es sich um einen echten Notfall handele und wann nicht.

Mit dem System gibt es offenkundig ein weiteres Problem - die Telefonnummer 116 117 für den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst. Vielen sei die Nummer unbekannt, sind sich KV, Krankenhausgesellschaft und TK einig. Sie müsse geläufiger werden, sagen die Experten. Bisher sei sie außerdem tagsüber, wenn die regulären Arztpraxen geöffnet haben, nicht erreichbar. Dann landen Anrufer nur bei einem Anrufbeantworter. Das sollte sich nach Meinung der KV Saarland ändern. Denn zunehmend nutzten Patienten auch tagsüber die Nummer, sagt der stellvertretende KV-Vorstandsvorsitzende Joachim Meiser. Wäre die Nummer auch tagsüber erreichbar, könnten die Patienten an den passenden Arzt vermittelt werden.