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Berater versprach astronomische Gewinne

Saarbrücken. Zeit ist offenbar Geld im Finanzwesen. Da gibt es nichts zu verschenken. Das demonstrierte kürzlich ein geschäftiger Angeklagter vor der Wirtschafsstrafkammer des Landgerichts Von SZ-Redakteur Wolfgang Ihl

Saarbrücken. Zeit ist offenbar Geld im Finanzwesen. Da gibt es nichts zu verschenken. Das demonstrierte kürzlich ein geschäftiger Angeklagter vor der Wirtschafsstrafkammer des Landgerichts. Während Richter, Staatsanwältin und Verteidiger über den Fall des wegen Anlagebetrugs in Millionenhöhe angeklagten Vermögensberaters berieten, nutzte der Saarländer (50) die Gunst der halbstündigen Sitzungspause. Sofort schaltete der Geschäftsmann den mitgebrachten Laptop auf der Anklagebank an. Offenbar wollte er via Internet noch schnell die Post oder wichtige Geschäfte abwickeln - vielleicht ja auch in der Schweiz, seiner neuen Heimat. Hier wie dort war er übrigens wegen seiner "Geschäftstüchtigkeit" zum Fall für die Strafjustiz geworden: In der Schweiz wurde der Mann im Januar wegen Anklagebetrugs mit einem Schaden von mehr als zehn Millionen Euro zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, wovon er 16 Monate hinter Gittern absitzen soll. In der alten saarländischen Heimat wurden es am Ende des Sitzungstages beim Landgericht zwei weitere Jahre Haft, allerdings auf Bewährung.Nach Feststellung der Richter und dem Geständnis des Angeklagten hatte der Saarländer mit seiner Saarbrücker Investmentfirma in den Jahren 2000 bis 2003 in 77 Fällen Anlegern das Geld aus der Tasche gezogen. Beispielsweise mit dem Versprechen von jährlichen Renditen in Höhe von 500 Prozent, die angeblich auf dem amerikanischen Aktienmarkt zu verdienen seien. Aber die Kundengelder wurden großteils gar nicht in Aktien investiert. Die Anleger verloren insgesamt 1,4 Millionen Euro ihres Geldes.Es hatte wohl in Teilen der Finanzierung eines Schneeballsystems gedient, bei dem die vermeintlichen Gewinne alter Kunden mit dem Geld der neuen Kunden finanziert wurden. Andere Kundengelder dienten offenbar der aufwändigen Lebensführung des Sohnes eines Hüttenarbeiters. Er hatte ursprünglich eine Lehre als Versicherungskaufmann gemacht, war dann als Anlageberater im Bereich Investmentfonds nach Frankfurt gegangen. Ende der 80er Jahre gründeten er und andere eine Bauträgergesellschaft. Sie machten mit der Wohnungsbauförderung speziell im Osten Deutschlands gute Geschäfte. In den späten 90er Jahren wechselte der Angeklagte zurück zu den Geldanlagen und gründete in Saarbrücken eine Investmentfirma. Im Jahr 2002 verlagerte er seinen Wohnsitz und seine Geschäfte in die Schweiz. Dort machte er mit der gleichen Masche in größerem Stil weiter. Ende 2004 flog das Ganze auf. Der Saarländer kam in der Schweiz mehrere Monate in Untersuchungshaft, Vermögenswerte von mehreren Millionen Euro wurden sichergestellt. Davon können 700 000 Euro nun anteilig zur Befriedigung der Saarbrücker Geldanleger benutzt werden. Etwa die Hälfte von deren ursprünglich investiertem Geld hat sich damit am Ende und unter dem Strich quasi in Luft aufgelöst. Da ist nichts mehr zu wollen.