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Projekt „Schulen stark machen“
Berater sollen Schulen helfen, noch professioneller zu arbeiten

Neue Berater sollen Schulen stärker machen. (Symbolbild)
Neue Berater sollen Schulen stärker machen. (Symbolbild) FOTO: dpa / Armin Weigel
Saarbrücken. Von Gerrit Dauelsberg

Für die Verantwortlichen im saarländischen Bildungsministerium ist klar: Einfach mehr Lehrer einzustellen, löst die Probleme an vielen Schulen im Land nicht. Die Klassen seien nicht zu groß, meinte Minister Ulrich Commerçon (SPD) am Dienstagabend beim Pressegespräch – schon gar nicht an Brennpunkten. Und seine Abteilungsleiterin Kathrin Andres berichtete aus Gesprächen, dass viele Schulen das ähnlich sähen: „Es geht ihnen gar nicht um mehr Ressourcen.“ Sondern vor allem darum, Hilfe bei der Bewältigung ihrer Probleme zu bekommen. Und die sind zum Teil riesig, wie zuletzt mehrere Hilferufe von saarländischen Schulen zeigten. Ein dramatischer Brandbrief von der Saarbrücker Gemeinschaftsschule Bruchwiese sorgte sogar bundesweit für Schlagzeilen.


Nun will das Bildungsministerium Hilfe gewähren. Das sei schon länger geplant gewesen, versicherte Commerçon – unabhängig von den Hilferufen, die die SZ öffentlich machte. Mit dem Projekt „Schulen stark machen!“ soll den Schulen mehr Beratung an die Hand gegeben werden (wir berichteten). Zwölf Schulen wurden für das Projekt ausgewählt – sechs Grund- und sechs Gemeinschaftsschulen. Welche das sind, verrät das Ministerium noch nicht. Dafür aber, nach welchen Kritierien sie ausgewählt wurden: Sie alle hätten eine besonders „herausfordernde Schülerschaft“, heißt es in der Projektübersicht des Bildungsministeriums. Herausfordernd etwa in Bezug auf den sozialen Hintergrund der Schüler, ihre Sprachkenntnisse und Beeinträchtigungen.

Und wie soll diesen Schulen nun geholfen werden? Kernstück des Projektes sind fünf externe Coaches, die aus erfolgreichen Schulen mit ähnlich schwierigen Rahmenbedingungen kommen – zum Teil aus Preisträgerschulen. Darüber hinaus sollen auch Schulentwicklungsmoderatoren aus dem Saarland beratend zur Seite stehen. Außerdem zwei Berater von der Deutschen Schulakademie (DSA).



Unterstützt werden sollen die Schulen unter anderem bei der Kooperation mit externen Partnern – etwa der Jugendhilfe, dem schulpsychologischen Dienst oder auch mit bundesweiten Netzwerken. Die Lehrer an Brennpunkt-Schulen sollen weitergehende Qualifizierungsmaßnahmen erhalten und zum Beispiel an erfolgreichen Schulen mit ähnlich schwierigen Bedingungen hospitieren können. Und dann sollen die Organisations- und Teamstrukturen verbessert werden. „Es geht dabei um Professionalisierung“, erläuterte Cornelia von Ilsemann von der DSA. Sie nennt ein Beispiel: Gerade sehr verhaltensauffällige Schülern bräuchten klare Regeln und Rituale. Nur sei es wichtig, dass sich diese auf den gesamten Schulalltag erstrecken, also auch von allen Lehrern angewandt werden. Insofern sei eine funktionierende Teamarbeit wichtig, betonte von Ilsemann: „Wir werden die Probleme nicht über Einzelkämpfer lösen.“

Das Ministerium will in den Bereichen Personal, Organisation, Schulkultur und Unterricht Verbesserungen erzielen. Allein im ersten Projektjahr stehen dafür 700 000 Euro zur Verfügung. Parallel zur Arbeit mit den zwölf Schulen wird zudem ein „Berater- und Instrumentenpool“ aufgebaut, der letztlich allen saarländischen Schulen zur Verfügung stehen soll.