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„Beim Trainer ist alles zwecklos“

Gut in Schwung: Hasborns Routinier Jörg Feid kam auch mit dem kleinen Golfball gut zurecht. Golf-Trainer Ismail Sahin (links im blauen Hemd) war beeindruckt. Foto: B&K
Gut in Schwung: Hasborns Routinier Jörg Feid kam auch mit dem kleinen Golfball gut zurecht. Golf-Trainer Ismail Sahin (links im blauen Hemd) war beeindruckt. Foto: B&K FOTO: B&K
Eisen. Kurz vor dem Saisonstart sind die Saarlandliga-Fußballer des SV Hasborn fremdgegangen. Zum zweiten Mal tauschten sie die große Kugel gegen ein kleines gelbes Golfbällchen ein. Im Golfpark Bostalsee in Eisen vermittelte ihnen Ismail Sahin, wie sie mit ungewohnten Spielgeräten zum Erfolg kommen. Von SZ-MitarbeiterFrank Faber

Hunderte Golfbälle fliegen zwischen Regentropfen hindurch in alle Himmelsrichtungen. Wir stehen auf der Driving Range im Golfpark Bostalsee. "Alle, die unter 20 Jahre alt sind, müssen die Bälle wieder einsammeln", bestimmt Routinier Pascal Petry. Die jungen Fußballer des SV Hasborn haben noch nie einen Golfschläger in der Hand gehalten, die Fortgeschrittenen, Manuel Schirra und Jörg Feid, haben schon einen Schnupperkurs besucht. Für ein paar Stunden tauschen sie nun die große Lederkugel wieder mit dem kleinen Golfball.

Vor dem ersten Schlag hatte Golf Trainer Ismail Sahin der fußballerischen Klientel die Grundkenntnisse wie die Haltung des Eisens, die Stellung zum Ball und den Golfschwung vermittelt. "Bei Trainer Heiko Wilhelm war das wieder alles zwecklos", scherzt Mannschaftsarzt Bernhard Steines. Dagegen ist jeder Abschlag von Feid eine fließende Bewegung. Es scheint, als habe der 32-jährige Mannschaftssenior seine sportliche Beschäftigung nach der Fußballerlaufbahn gefunden.

Andere tun sich schwerer. Trainer Wilhelm hat in den letzten Übungseinheiten intensiv am Kurzpassspiel seiner Kicker gefeilt. Nun ist jedoch Umdenken angesagt und der lange Ball wieder gefragt, ein Weitschlag-Wettbewerb steht an. Alle künstlerischen Ausführungen werden ironisch kommentiert, es wird gelacht und geklatscht. Torwart Christian Reiter gibt seinen Mitspielern Rätsel auf, weil sie einen sichtbaren Unterschied zwischen dem Durchmesser seiner Waden und dem des Golfschlägers nicht ausmachen können. Vier Golfbälle landen an der 150-Meter-Marke, doch Weitschuss-Experte Sebastian Kuhn verhindert das Stechen. Im A-Jugend-Regionalligaspiel gegen Salmrohr hat er aus fast 40 Metern den größeren Ball im Kasten versenkt. Diese Spezialität beherrscht das Talent auch unter Zuhilfenahme eines Golfeisens. Der von ihm geschlagene Ball fällt erst bei 200 Metern auf das Grün. "Ich bin völlig überrascht", sagt Abschlag-König Kuhn. Reiter ordnet sofort an: "Dafür muss Sebastian die Getränke zahlen." Für einen Anfänger, sagt Dieter Schummer, der Sahin unterstützt, sei die Weite absolut überragend. Besorgt greift Trainer Wilhelm ein: "Die Spieler sind noch zu jung, werbt sie mir bitte noch nicht ab."

Der anhaltende Dauerregen verhindert anschließend das Putten und das von Golfern gefürchtete Spiel aus dem Sandbunker. "Ich fand es sehr witzig eine andere Sportart auszuprobieren", sagt Daniel Dworowy. Besonders für die Neulinge im Hasborner Aufgebot war die Golfstunde eine tolle Sache. "Die Mannschaft ist zusammen und es ist eine Abwechslung vom Fußball", befindet Rico Altmeyer. Die Truppe, so merkt Wilhelm an, habe zuletzt täglich auf dem Platz gestanden. "Da ist es Zeit, auch einmal etwas anders zu machen, und das Teambuilding zu stärken", weiß er. Und man habe dabei deutlich gesehen, was man nicht kann.