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"Beim Musti ist noch viel Luft"

Lebach/Frankfurt. 3,8 Kilometer Schwimmen in 54:29 Minuten, 180 Kilometer Rennrad in 4:40:42 Stunden (Durchschnittstempo 38 Stundenkilometer), Marathonlauf in 3:04:53 Stunden - macht einschließlich Wechselpausen 8:44:59 Stunden für den Langdistanz-Triathlon Von SZ-Redakteur Peter Wagner

Lebach/Frankfurt. 3,8 Kilometer Schwimmen in 54:29 Minuten, 180 Kilometer Rennrad in 4:40:42 Stunden (Durchschnittstempo 38 Stundenkilometer), Marathonlauf in 3:04:53 Stunden - macht einschließlich Wechselpausen 8:44:59 Stunden für den Langdistanz-Triathlon. Mustafa Okyay vom Turnverein Lebach hat bei der Ironman-Europameisterschaft in Frankfurt in beeindruckender Manier erstmals die Neun-Stunden-Marke unterboten und war dabei 15 Minuten eher im Ziel als bei seinem bisher besten Wettkampf. Dabei waren die Voraussetzungen nicht einmal günstig. Aber trotz eines schmerzenden Zahnes, der provisorisch versorgt werden musste, und trockener Luft, die dem Asthma-anfälligen Okyay nicht so behagt, kämpfte er sich auf Gesamtrang 16, auf Platz sechs bei den Amateuren und auf den zweiten Altersklassenplatz.Bis zu 35 Stunden Training"Es ging mir zeitweise richtig schlecht", bekannte der 37-Jährige hinterher. Bei aller Freude, vor allem über die Schwimmleistung, haderte er auch ein wenig mit der Marathonzeit, die er gern unter drei Stunden gesehen hätte. Dass er beim Radfahren meist allein im Wind stand und sich etliche Profis hinter ihm ausruhten, beschäftigte ihn ebenso. In gewohnt kämpferischer Manier biss sich der gelernte Bodenleger und Kfz-Mechaniker aber in Frankfurt durch. Schließlich hatte er für den Wettkampf wochenlang 35 Stunden trainiert.Okyay vertraut ganz auf sichOkyay ist eine große Ausnahme in der Szene. Er vertraut beim Training überwiegend auf eigene Erfahrungen und Methoden, er hat weder einen Trainer noch kann er sich medizinisches Fachpersonal leisten, das seine Körperwerte analysiert und in Relation zu seinen Leistungen setzt. Der Selfmade-Star genießt dagegen Übungseinheiten mit etlichen Vertrauten, allen voran Jürgen Staub (52) aus Tholey. Die meisten gemeinsamen Trainingseinheiten absolvieren sie im St. Wendeler Land, etwa am Bostalsee. Staubs Ironman-Bestzeit liegt bei 9:14 Stunden. "Von Jürgen habe ich gelernt, mich durchzubeißen, er ist vielleicht sogar noch härter als ich", sagt Okyay. Mustafa Okyay, der türkische Vorfahren hat, in Schmelz geboren wurde und regionaltypischen Dialekt spricht, ist für die lokale Ausdauersport-Szene ein großer Gewinn. Der umgängliche Typ ist sich nicht zu schade, jeden mit gutem Rat zu versorgen, der ihn darum bittet. Möglicherweise sieht Mustafa Okyay eine berufliche Zukunft als Trainer oder Personal Coach. Bislang hat er bereits die Unterstützung zweier Sponsoren, deren Beiträge aber nicht reichen, um Vollprofi zu werden. Bei der Weltmeisterschaft in Hawaii, wo sich Okyay sein Lieblingswetter - heiß, schwül, stickig - wünscht, will er noch eins draufsetzen. "Achteinhalb Stunden, beim Musti ist noch viel Luft", tippt ein Lauffreund.Weitere Infos unter www.mustafa-okyay.de "Von Jürgen habe ich gelernt, mich durchzubeißen."Mustafa Okyay