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Ausrüstungsmangel bei der Bundeswehr
Bei der Saarland-Brigade fehlen über 1000 Schutzwesten

Soldaten beim Schießtraining. In den Streitkräften mangelt es an Schutzwesten.
Soldaten beim Schießtraining. In den Streitkräften mangelt es an Schutzwesten. FOTO: dpa / Christian Charisius
Saarlouis. Auch Soldaten aus der Region wandten sich 2017 an den Wehrbeauftragten des Bundestages. Von Daniel Kirch
Daniel Kirch

Chefkorrespondent Landespolitik

Der teils eklatante Ausrüstungsmangel bei der Bundeswehr trifft auch Soldaten im Saarland. Wie aus dem Jahresbericht des Wehrbeauftragten hervorgeht, fehlen bei der Saarland-Brigade mehr als 1000 Schutzwesten. Zu dem Großverband (Luftlandebrigade 1) mit rund 4100 Soldaten zählen Einheiten in Saarlouis, Lebach, Merzig, Zweibrücken und im niedersächsischen Seedorf. Die Brigade gehört zu den Elite-Kräften des Deutschen Heeres, die gerade in den gefährlichen Auslandseinsätzen besonders stark gefordert sind.


In dem Bericht heißt es, die Versorgung mit Schutzwesten bleibe in der Bundeswehr ungenügend. Explizit genannt wird nur der zusätzliche Bedarf der Luftlandebrigade 1. Erst mit dem Zulauf der „Modularen Ballistischen Schutz- und Trageausstattung Soldat“ (MOBAST) solle nach Darstellung des Bundesministeriums der Verteidigung grundsätzlich jede Soldatin und jeder Soldat bereits im Inland eine persönliche Schutzweste erhalten. Selbst eine Teilumsetzung des Projektes sei mit Blick auf die Produktionskapazitäten allerdings erst bis zum Jahr 2026 vorgesehen. „Das scheint absurd“, schreibt der Wehrbeauftragte. Seine persönliche Vollausstattung dürfe der Soldat nicht erst im Einsatzbetrieb erhalten. Sie müsse den Soldatinnen und Soldaten getreu dem Grundsatz „Übe so, wie Du kämpfst“ bereits für Übungen und Ausbildungsmaßnahmen im Inland zur Verfügung stehen.

Insgesamt sind im Jahr 2017 aus dem Saarland 14 Eingaben an den Wehrbeauftragten bekannt, wie das Landeskommando in Saarlouis berichtet. Die Eingaben seien überwiegend im administrativen und verwaltungstechnischen Bereich angesiedelt. Soldaten beklagten sich zum Beispiel über zu lange Bearbeitungszeiten oder nicht rechtzeitig erfolgte Zahlungen sowie Probleme bei der Vereinbarkeit von Dienst und Familie.



Bemängelt wurde von Soldaten unter anderem auch, dass der Sanitätsbereich am Standort Saarlouis zum 31. Dezember 2016 geschlossen und die dort stationierten Soldaten für ärztliche Verordnungen, Tauglichkeitsuntersuchungen und Neukrankmeldungen zum 22 Kilometer entfernten Standort Merzig fahren müssten. Die Anfahrt mit einem täglichen Shuttle-Service erfolge bei Dienstbeginn, die Rückfahrt jedoch erst, wenn alle das Shuttle nutzenden Soldaten behandelt worden seien. So seien die Soldaten teilweise erst gegen 14 Uhr wieder an ihrem Standort. Das führe dazu, dass einzelne Soldatinnen und Soldaten auf die Neukrankmeldung verzichteten und sich erforderliche Medikamente privat beschafften.

Thematisiert wurden des Weiteren schwerwiegende Mängel im Hinblick auf den baulichen Zustand von Kasernen und Unterkünften. Hier wurden konkret die Waschräume im Unterkunftsgebäude der Luftlandepionierkompanie 260 am Standort Saarlouis genannt.

„Die Zahl der Eingaben im Saarland ist im Vergleich zu den Vorjahren weiter rückläufig. Die militärische Führung unternimmt alles, um die Belastung der Soldatinnen und Soldaten so gering wie möglich zu halten“, erklärte Oberstleutnant Thomas Dillschneider, Pressesprecher im Landeskommando Saarland und Sprecher der Bundeswehr im Saarland. Dennoch sei es völlig legitim, sich mit seinen Sorgen und Nöten an den Wehrbeauftragten zu wenden. „Jede der Eingaben nehmen wir sehr ernst“, so Dillschneider.