| 20:19 Uhr

Ungewöhnliches Diskussionsformat
Diskussionplattform für Frauen

Jeder Teilnehmer suchte sich eine „Session“ aus.
Jeder Teilnehmer suchte sich eine „Session“ aus. FOTO: Esther Brenner
Saarbrücken. Rund 80 Frauen und nur wenige Männer trafen sich jetzt zum ersten „Barcamp Frauen Saar“ im SaarRondo, um über aktuelle Themen zu debattieren.
Esther Brenner

„Geben und Nehmen“, das ist eine der Regeln, nach denen ein „Barcamp“ abläuft. „Sei bereit, Ergebnisse und Wissen zu teilen“, erklärt Marion Bredbusch, Moderatorin der von der Friedrich-Ebert-Stiftung gemeinsam mit dem Frauenrat und weiteren Partner-Institutionen organisierten Veranstaltung die Spielregeln dieses ungewöhnlichen Diskussionsformates. Denn bei dieser Großgruppenkonferenz, erarbeitet sich das Plenum zu Beginn der Veranstaltung seine Agenda selbst: Teilnehmerinnen, die ein Thema zur Diskussion stellen wollen, stellen sich und ihr Angebot vor. Dann sucht sich jede Teilnehmerin mehrere „Sessions“ aus. Am Ende des Tages werden die Gesprächsrunden dem Plenum vorgestellt, handfeste Ergebnisse gibt es allerdings keine – dafür individuelle Horizonterweiterung und jede Menge Möglichkeiten zum Netzwerken.


Ein gutes Dutzend „Sessions“ standen zur Auswahl: von der Geschlechterforschung über „Gleichberechtigung im Erwerbsleben“, die „Sprache des Sexismus im beruflichen Kontext“ bis hin zu „Kommunikationstraining mit Streicheleinheiten“. Spontan taten sich die Politikerinnen Anja Wagner-Scheid (CDU) und Barbara Meyer-Gluche (Grüne) zusammen, um die Gesprächsrunde „Frauen in der Politik“ anzubieten. Dem Widerstand gegen Abtreibungsgegner, die in Saarbrücken vor allem über die ultrakonservativen katholischen Pius-Brüder gegen das sexuelle Selbstbestimmungsrecht von Frauen mobil machen, war eine Session gewidmet. Und auch um Frauen in der Kultur ging es: Darja Lindner (vom Haifischblut Collective) und Gender-Forscherin Heike Mißler stellten das „Lady*Fest“ vor, ein ehrenamtlich organisiertes kleines Festival für Popkultur, das bereits 2012 und auch in diesem Jahr in Saarbrücken stattfand. Es entstand aus der US-amerikanischen feministischen Punkrock-Bewegung und zielt eher auf junges Publikum aller Geschlechter und sexuellen Orientierungen. Die beiden baten die Diskussionsrunde um ein „Brainstorming“ für zukünftige „Lady*feste“ und freuten sich über viele gute Ideen.

Dass es schwierig sein kann, den akademischen Rahmen zu verlassen, zeigte die Diskussion mit der Professorin für Geschlechterforschung an der Saar-Uni, Astrid M. Fellner . Es ging um „Migration, Ethnizität, Gender und Sexualität“ und wie verschiedene soziale Kategorien (Klasse, Nation, Ethnie, etc.) miteinander verwoben sind. Ein komplexes Thema, das in einer Stunde nur angerissen werden konnte und leider in der Diskussion um linguistische Feinheiten im Umgang mit lesbischen, schwulen, bi- und transsexuellen Menschen stecken blieb. Da hätten sich einige Teilnehmerinnen eine breitere, lebenspraktischere Diskussion gewünscht.



Die Veranstalterinnen zeigten sich hochzufrieden mit dem Zuspruch. Und auch die Netzwerkerinnen kamen auf ihre Kosten, denn Raum und Zeit zum Austausch gab es genügend. Ausdrücklich baten sie die Teilnehmerinnen, „Social Media“ zu nutzen und fleißig zu teilen und zu posten.

Infos unter #barcampfrauensaar