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Bäume fallen im Sekundentakt

Völklingen. "Unser Kerngeschäft fällt ja fast aus", sagt Klaus Kosok, der Sprecher des Landesbetriebes für Straßenbau (LfS), und meint damit den üblichen Winterdienst. Weil es seit Wochen fast keine Minusgrade und keinen Schnee gibt, muss nicht geräumt und gestreut werden und müssen auch kaum Schlaglöcher gefüllt werden - Menschen und Maschinen werden frei für andere Arbeiten Von SZ-Redakteur Peter Wagner

Völklingen. "Unser Kerngeschäft fällt ja fast aus", sagt Klaus Kosok, der Sprecher des Landesbetriebes für Straßenbau (LfS), und meint damit den üblichen Winterdienst. Weil es seit Wochen fast keine Minusgrade und keinen Schnee gibt, muss nicht geräumt und gestreut werden und müssen auch kaum Schlaglöcher gefüllt werden - Menschen und Maschinen werden frei für andere Arbeiten. So fällt in diesen Tagen eine große Geschäftigkeit beim Rückschnitt von Bäumen und Sträuchern an Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen auf, gerade in unserer Region, die von der Straßenmeisterei Dillingen versorgt wird. Die Arbeiten dienen erst aus nachrangigen Erwägungen der Optik, sondern sind vor allem der Verkehrssicherheit, der Vorbeugung gegen Schnee- und Windbruch und der Erkennbarkeit der Schilder geschuldet.



Verkehr braust vorbei

Ortstermin am Dienstagmorgen auf der Autobahn 620 an der Anschlussstelle Wehrden: Die Neunkircher Landschaftsgärtnerei-Firma Khalil, die im Auftrag des LfS zusätzlich engagiert wurde, hat sich 150 Meter Standstreifen mit Baken und Fahrzeugen abgesichert, wobei "sicher" ein relativer Begriff ist. Der Verkehr in Richtung Saarbrücken braust so schnell vorbei wie immer, oft nur einen halben Meter an Juniorchef Mohamed Khalil und seinen sechs Mitarbeitern vorbei. Waldarbeit an der Autobahn ohne Sperrung von Fahrbahnen ist ein hartes Brot. Die Männer mit den Motorsägen müssen nicht nur auf die Autos achten, sondern auch auf die Bäume, die sie im Sekundentakt niederlegen. Die dürfen weder auf die Fahrbahn stürzen noch auf ihr eigenen Köpfe. Ist noch nie was passiert? Doch, sagt Mohamed Khalil lachend, neulich in Dillingen habe ihnen jemand die Leiter geklaut.

Vorarbeiter Antonio hat einen im wahren Wortsinn herausragenden Job. Von einem meterhoch ausgefahrenen Hubsteiger aus bedient er eine Motorsäge, die wiederum an einer Teleskopstange angebracht ist. Von oben nach unten schneidet er Akazien und Robinien in Zwei-Meter-Stücken herunter. Die Kollegen in der steilen Böschung schneiden das Schnittgut noch kleiner und lassen es zum Verrotten liegen. Ein Abtransport von dieser unwegsamen Örtlichkeit wäre wirtschaftlich nicht vertretbar. Generell ist es aber so, dass die Gärtner das Schnittgut mitnehmen und Gewinn bringend vermarkten.

Gutes bleibt ungeschoren

Bei näherem Hinsehen wird deutlich, dass der Trupp selektiv vorgeht. Flachwurzler wie Pappe und Birke werden herunter genommen, tief wurzelnde Gehölze wie Linde, Ahorn, Eiche und Esche bleiben "ungeschoren", jedenfalls sofern ihre Stand- und damit Verkehrssicherheit gewährleistet ist. Bei Gersweiler sind dieser Tage drei Linden an der Autobahn als "faul" erkannt worden. Sie weichen noch diese Woche. Früher, so erklärt Hans-Werner Lessel, der Leiter der Straßenmeisterei Dillingen, habe man bei der Gehölzpflege alles auf gleiche Höhe gestutzt. Heute gehe man selektiv vor, nehme die standort-untypischen Bäume heraus und lasse die "guten", also standortgerechten stehen. Langfristig erspare man sich dadurch Arbeit und Kosten. Als Ratgeber habe man einen Experten vom Saarforst-Landesbetrieb an der Hand.

Wie Klaus Kosok berichtet, sei der Bewuchs an den Straßen nicht auf Menschenhand zurückzuführen, sondern werde von Wind und Tieren verursacht. Wer den Prozess verfolgen möchte, sehe sich an der Autobahn bei Lisdorf die noch jungen, steilen Böschungen an: Moos, Ginster und Birken haben sich bereits angesiedelt. In sechs bis sieben Jahren dürfte hier ein kleiner Wald seiner ersten Teilrodung harren.