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Auszeichnung für einen genauen Beobachter

Püttlingen. Der saarländische Autor Georg Fox liebt die Mundart wegen ihrer „eigenen Duftnote“. Doch auch in seiner hochdeutschen Lyrik gelingt es ihm, Dinge auf den Punkt zu bringen und Gefühle mitschwingen zu lassen. Jetzt gab es dafür einen Preis. Von SZ-MitarbeiterinRuth Rousselange

"Jetzt nageln Sie mich bloß nicht auf Mundart fest”, sagt Georg Fox mit halb ernstem Flehen. Aber genau dafür ist der Püttlinger Autor bekannt, für seine Mundart-Kolumnen, die er für die Saarbrücker Zeitung schreibt, für "Òòmends schbääd”, seine Sendung auf SR 3 Saarlandwelle. Die Bosener Gruppe hat er mitbegründet, die sich mit mosel- und rheinfränkischer Mundart befasst und zu der arrivierte Schriftsteller wie Johannes Kühn, Heinrich Kraus, Peter Eckert oder Hans Walter Lorang gehören.

"Mundart macht nicht mehr als 20 bis 25 Prozent von dem aus, was ich schreibe”, beteuert Fox. Das klingt fast wie Abwehr, doch: "Ich schreibe sie sehr gerne", versichert er. "Mundart hat eine eigene Duftnote, sie ist eine emotionale Sprache und drückt Dinge aus, die sich so im Hochdeutschen nicht nachspüren lassen."

Sie sei erstmal eine gesprochene Sprache, aber man brauche für sie auch eine Schriftsprache, sagt Fox: "Ich halte mich an das ‘Saarbrücker Wörterbuch' von Dr. Edith Braun.” Über Hörproben hätten Braun und Prof. Max Mangold eine normierte Schriftsprachen entwickelt, die wiedergebe, wie der Saarländer wirklich spreche. Wobei besonders das Rheinfränkische zum Tragen käme. Das typisch saarländische "kloa” schreibe sich da etwa "glòòr” erklärt Fox: "Das Doppel-O mit den Accents steht für die offene Aussprache.”

Nun sind wir immer noch bei Mundart; Zeit, auf die Preise zu sprechen zu kommen, die Fox, der auch bildender Künstler und im Brotberuf Schulleiter der Heusweiler Erich-Kästner-Grundschule ist, eingeheimst hat. Den jüngsten, den niedersächsischen Wolfgang-A.-Windecker-Preis 2013, hat er für seine hochdeutsche Lyrik bekommen. Fox zeigt zwei der eingesandten Gedichte.

"Im Wartewinkel” erzählt von "Wörtersätzefetzen" in Bahnwaggons und dem "Metrum vorüberziehender Geleise", die "Bucherbach-Ballade” lässt schaurige Sagenelemente im heutigen Kneipenmilieu aufleuchten, verleiht ihnen so einen leicht ironischen Anstrich. Wichtig ist Fox auch der Kulturpreis des Stadtverbandes Saarbrücken (2006), den Goldenen Schnawwel des Saarländischen Rundfunks hat er bekommen, das Goldene Ankerkreuz der Stadt Püttlingen für kulturelle Verdienste um seine Heimatstadt, den Dannstadter Mundart-Wettbewerb hat er gewonnen, und, und, und. Über die Jahre hat er um die 20 Bücher geschrieben oder herausgegeben, Heimat, die saarländische Mentalität, sind immer wieder Themen.

Liest man seine Mundart-Kolumnen und Erzählungen, fällt auf, sie spielen oft in der Vergangenheit. "In ‚Hausgeheischnis', in den 50ern bis 70ern angesiedelt, erzähle ich die Geschichte eines Ortes, an dem ich meine Jugend verbrachte, Rockershausen ist gemeint. Da stand mein Elternhaus”, sagt Fox. Natürlich käme die Nachkriegs- und Wirtschaftswunderzeit vor, dass erst die Leute, die dort wohnen, ein Haus zu dem machen, was es ist, habe er zeigen wollen. Aber es spiele längst nicht alles in der Vergangenheit, was er schreibe: "Meine Kolumnen haben auch aktuelle Themen wie Genmanipulation." Das Mundartpublikum sei aber meist ein älteres, das stimme schon. "Trotzdem - ist Ihnen aufgefallen, wenn ein Saarländer unter Freunden ist, redet er schnell platt und merkt es oft nicht einmal?”, fragt Fox. Und erzählt von den Literatur-AGs an seiner Schule, von den Büchern und Hör-CDs, die die Schule dank eines aktiven Fördervereins herausbringen konnte. Momentan unterrichtet Fox Musik und Sport, ist von Hause aus aber Deutschlehrer. "42 Jahre war ich Lehrer und 30 Jahre lang Schulleiter, 2014 gehe ich in Ruhestand", kündigt er an. Sicher werden ihm die Schreibideen auch dann nicht ausgehen. Neben seinen eigenen Projekten war das Buch "Der saarländische Steinkohlenbergbau” zusammen mit Delf Slotta ein großer Erfolg. "Da bin ich abends mit meinem Diktafon in den Bergmannskneipen unterwegs gewesen und habe mit den Leuten geredet.” Offenbar etwas, das Fox gut kann, genau zuhören und Dinge auf den Punkt bringen. Auch Gefühle, die unterschwellig mitschwingen. Egal, ob er "durchgelaaf Schuh” beschreibt oder "schläfrige Wolkenlöcher” an einem späten Wintertag.