| 21:15 Uhr

Ausländerquote in der Amtsstube?

Saarbrücken. Es gebe Menschen, sagt Mohamed Maiga, die hielten es für die größte Leistung des Ausländerbeirates, dass man sich in Saarbrücken jetzt auch in oberirdischen Grabkammern bestatten lassen kann. Dass insbesondere die hier lebenden Italiener sich gemäß der Tradition in ihrem Heimatland beisetzen lassen können, sei wichtig, sagt Maiga Von SZ-Redakteur Martin Rolshausen

Saarbrücken. Es gebe Menschen, sagt Mohamed Maiga, die hielten es für die größte Leistung des Ausländerbeirates, dass man sich in Saarbrücken jetzt auch in oberirdischen Grabkammern bestatten lassen kann. Dass insbesondere die hier lebenden Italiener sich gemäß der Tradition in ihrem Heimatland beisetzen lassen können, sei wichtig, sagt Maiga. Aber das Wichtigste, was der Äusländerbeirat, dessen Vorsitzender er seit 2004 war, geleistet habe, ist, dass er sich weiterentwickelt hat - zum Integrationsbeirat. Der Integrationsbeirat, dessen Vorsitzender Maiga nun ebenfalls ist, sei nicht mehr nur die Interessenvertretung der Saarbrücker ohne deutschen Pass. Die Ziele des Gremiums stellten Maiga, Sadija Kavgic-van Weert und Michael Jung in der SZ-Redaktion Saarbrücken vor. Der Rat wolle aktiv zur Integration beitragen und dafür sorgen, dass Einwanderer sich einmischen können in die Dinge, die in der Stadt wichtig sind. Wachsam wolle der Integrationsbeirat sein, damit die Politik das nicht vergesse. Die Einwanderer können mit dieser selbst gewählten Aufgabe des Integrationsbeirates offenbar wenig anfangen. Den meisten Ausländern, sagt Maiga, gehe es darum, dass sich der Beirat um ihre persönlichen Probleme kümmert. Das aber könne das Gremium nicht. Außerdem gebe es dafür andere Institutionen in der Stadt, etwa das Zuwanderungs- und Integrationsbüro. Dass der Beirat andere Ansprüche hat als viele der rund 20 000 Bürger mit ausländischem Pass, könnte eine Erklärung dafür sein, warum nur 1314 von ihnen Ende März über die Zusammensetzung des neuen Integrationsbeirates mitentschieden. Eine Wahlbeteiligung von nur 6,5 Prozent, da sei ihm nicht zum Feiern zumute gewesen, gesteht Maiga. Aber daran solle sich der neue Beirat nicht stören, sagt Beiratsmitglied Sadija Kavgic-van Weert. Der neue Beirat habe einen Auftrag. Zum Beispiel den, die Stadtverwaltung für Einwanderer zu öffnen. Sie könne sich eine Quote vorstellen, die es Einwanderern erleichtert, Jobs in der Verwaltung zu bekommen, sagt Kavgic-van Weert. Dazu gibt es im Beirat jedoch noch viel Diskussionsbedarf. Der Stadtverordnete Michael Jung, für die CDU im Integrationsbeirat, hält von Quoten nicht viel. Die Verwaltung für Einwanderer zu öffnen sei aber ein gemeinsames Ziel. Ein Ziel, das leichter formuliert als erreicht sei, wie Maiga weiß. Die Polizei sei offen für neue Mitarbeiter mit ausländischem Pass. Er habe versucht, Menschen zu finden, die sich bei der Polizei bewerben. Das sei nicht gelungen. "Viele Tore sind offen", sagt Maiga. Der Beirat müsse Menschen dazu bewegen, auch hindurchzugehen. Stichwort Der Saarbrücker Integrationsbeirat hat folgende Mitglieder: Natalia Meleva (Verein Russisches Haus), Yusuf Gectan (Die Linke), Scandariato Guglielmo (Lista Italiana), Sadija Kavgic-van Weert (Saarbrücken International), Yuliya Rybalko (ELFE Saarheimat), Emine Isgören und Lütfi Aycin (Dost SPD International) sowie Lamine Conté, Mohamed Maiga und Lillian Petry (die drei sind Mitglieder des Vereins Haus Afrika). ols