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Sicherheit, Gema & Co.
Immer mehr Auflagen für Feste

Auflagen für die Gastronomie und hohe Gebühren für die Musik belasten Veranstalter, auch des Ingobertusfests.
Auflagen für die Gastronomie und hohe Gebühren für die Musik belasten Veranstalter, auch des Ingobertusfests. FOTO: Michael Haßdenteufel/Stadt St. Ingbert / Michael Hassdenteufel
Saarbrücken. Sicherheit und Hygiene bei Volksfesten sind wichtig, hinzu kommen Kosten für die Musik. Was Städte stemmen können, ist für Dörfer ein Kraftakt. Von Kathrin Gärtner

Die Saarländer feiern gerne. Das zeigt vor allem die Vielzahl an Dorf- und Stadtfesten, die zurzeit oder in den kommenden Wochen stattfinden. Doch um ein solches Ereignis auf die Beine zu stellen, müssen sich die Veranstalter um einiges kümmern. Auf ihrer Agenda stehen zum Beispiel ein ansprechendes Programm für die Besucher, diverse Genehmigungen oder auch Straßensperrungen. Der Veranstaltungsort muss ebenfalls entsprechend ausgerüstet werden. So dürfen zum Beispiel Sitzgelegenheiten oder Sanitäranlagen auf einem Fest nicht fehlen.


Ein wichtiger Punkt bei der Planung ist vor allem die Sicherheit der Besucher. „Das ist strenger geworden“, sagt Alexandra Vogt, die für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Gemeinde Schiffweiler zuständig ist. Schon immer gab es bei den Dorffesten einen Sicherheitsdienst. Im letzten Jahr wurden aber beim Dorffest in Schiffweiler, dem größten in der ganzen Gemeinde, auch Betonblöcke aufgestellt. Da dieses Fest auf der Hauptstraße stattfindet, wurde so verhindert, dass ein Auto in die Menschenmenge fahren kann. In diesem Jahr sollen Lkws die Einmündungen zur Straße versperren, damit auch diese Stellen gesichert sind.

Wie in Schiffweiler spielt auch in St. Ingbert und St. Wendel die aufwendige Organisation der Sicherheit eine große Rolle. So gibt es etwa Sicherheitskonzepte, Evakuierungspläne sowie Fluchtwege, die deutlich beschildert sind. In St. Ingbert kommt es in diesem Jahr vor allem auf den Brandschutz an. Stände dürfen nicht vor Häusern mit Wärmedämmung stehen. „Von einem Stand geht Brandgefahr aus“, sagt Andrea Kihm, Leiterin der Kulturabteilung. Sie erläutert, dass ein technischer Defekt oder heißes Fett schnell zu einem Brand führen können.

Der Präsident der Landesarbeitsgemeinschaft Pro Ehrenamt, Hans Joachim Müller, berichtet ebenfalls von strikten Vorschriften hinsichtlich der Sicherheit und Hygiene. So müsse etwa die Kühlkette beachtet werden. Und auch ein simpler Brezelstand bereite den Veranstaltern von Festen Umstände. Aufgrund von Vorschriften dürfen die Laugenteile nur noch mit Handschuhen angefasst werden. Das Gesamtpaket aus Regularien, Kosten und der Bereitschaft von freiwilligen Helfern stelle eine enorme Bürde für die Planer dar. Die Vereine müssten sich überlegen, ob sie sich „diese Mühe noch antun wollen“, sagt Müller. Während Vereine vor ein paar Jahren noch ihren Haushalt für ein komplettes Jahr decken konnten, könnten die Feste heute nur vergleichsweise wenig Geld in die Kasse bringen.

Neben diesem organisatorischen Aufwand bereiten die Gebühren für die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) den Veranstaltern Sorgen. Diese Gebühren werden fällig, wenn im öffentlichen Raum Musik gespielt wird. Auf ihrer Internetseite informiert die Gema darüber, was Veranstalter bezahlen müssen. Je angefangene 500 Quadratmeter der Festfläche bei Dorf- und Stadtfesten müssen 82,40 Euro bezahlt werden. Dieser Tarif gilt pro Veranstaltungstag. Für das Dorffest in Schiffweiler seien das fast 3000 Euro, sagt Vogt. „Das ist der teuerste Punk bei einem Fest. Die Gebühren machen Dorffeste kaputt.“ Daher haben die Ortsvorsteher von Schiffweiler im November letzten Jahres einen offenen Brief an die damalige Regierung um Annegret Kramp-Karrenbauer verfasst. Sie erhielten die Antwort, dass sich darum gekümmert werde. Passiert sei bislang aber noch nichts. Auch in St. Ingbert bereiten die Gema-Gebühren Sorgen. Diese seien in den letzten Jahren „deutlich gestiegen“, sagt Kihm. Und auch wenn die Vereine, die am Fest teilnehmen, Gebühren bezahlen, so reichen diese nicht aus, um die Kosten des Festes zu decken.



In St. Wendel bringen etwa die Kosten für die Musik keine allzu großen Probleme mit sich. Sie stellen zwar eine große finanzielle Belastung dar, aber gefährden keineswegs die Zukunft des Stadtfestes. Axel Birkenbach, Leiter der Kulturamtes, ist daher positiv gestimmt. Bei gutem Wetter seien viele Menschen da. Der Aufwand für das Stadtfest lohne sich, es sei ein „Magnet für Besucher“. Trotz der hohen Kosten und des steigenden Aufwands zeigen sich die saarländischen Gemeinden und Städte allesamt durchaus willig, die Traditionsfeste beizubehalten. „Es ist ein kulturelles Highlight“, sagt Kihm über das Stadtfest in St. Ingbert. Und auch in Schiffweiler gehören Feste zum jährlichen Pflichtprogramm. Denn es geht um das „Zusammenkommen“.