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Auf der Suche nach Unterschieden

Wer an diesem Dienstagabend im mit rund 200 Zuhörern gut gefüllten Gersheimer Kulturhaus mit einem politischen Schlagabtausch auf Biegen und Brechen gerechnet hatte, ist sicher etwas enttäuscht nach Hause gegangen Von Merkur-Mitarbeiter Carlo Schmude

Wer an diesem Dienstagabend im mit rund 200 Zuhörern gut gefüllten Gersheimer Kulturhaus mit einem politischen Schlagabtausch auf Biegen und Brechen gerechnet hatte, ist sicher etwas enttäuscht nach Hause gegangen. Das, was die beiden Kandidaten für das Bürgermeisteramt in der Gemeinde Gersheim, Alexander Rubeck (CDU) und Michael Clivot (SPD), bei der von unserer Zeitung und dem Saarländischem Rundfunk veranstalteten Podiumsdiskussion an Programmatik für ihre zukünftige Amtsführung anboten, könnte - von Nuancen abgesehen - aus der gleichen Feder stammen. Was denn auch Manfred Krause, Mitarbeiter unserer Zeitung, der zusammen mit seinem SR-Kollegen Peter Springborn moderierte, zu einem leicht verzweifelten Zwischenruf veranlasste: "Waren Sie beide heute Nachmittag in Klausur, um sich miteinander abzustimmen?" Auch diese Frage beantworteten die beiden Duz-Freunde locker und mit einem Lächeln auf den Lippen. Rubeck fand es gut, dass die großen Parteien in Gersheim in wichtigen Punkten so große Übereinstimmung finden. Clivot verwies schmunzelnd darauf, dass sein Programm immerhin länger sei. Einig zeigten sich die Kandidaten zum Beispiel beim großen Thema des Tages, der am Vormittag verkündeten offiziellen Anerkennung des Biosphären-Reservates Bliesgau durch die Unesco. Für beide ist das Unesco-Prädikat eine große Chance für die Gemeinde Gersheim. Beide hoffen auf einen Aufschwung für den Tourismus, der auch eine der wenigen wirtschaftlichen Perspektiven der "Gemeinde in Randlage" biete. Das Thema war denn auch gut geeignet, einen der wenigen Konfliktpunkte zwischen den beiden Kontrahenten offen zu legen. Warum, so Clivots süffisante Frage an seinen Kontrahenten, der seit zehn Jahren Vorsitzender der CDU-Mehrheitsfraktion im Gemeinderat ist, sei denn bisher so wenig in Sachen Tourismusförderung geschehen? Warum habe man die Forderung der SPD-Fraktion nach einem Tourismuskonzept nicht längst aufgegriffen? Gleich bei mehreren Themenfeldern attackierte Clivot diese mögliche wunde Stelle Rubecks. Doch der konterte mit einem einfachen Hinweis: "Als Feierabend-Politiker kann man nicht so viel bewirken wie als hauptamtlicher Bürgermeister." Also blieb es bei den weitgehend übereinstimmenden Zielen. Familienförderung wird bei beiden "noch" kinderlosen Kandidaten ganz groß geschrieben. Rubeck will Gersheim bis 2020 zur "familienfreundlichsten Gemeinde des Saarlandes" machen. Clivot will unter anderem, wie in anderen Gemeinden ein "Lokales Bündnis für Familien" einführen - von einer Beratungsstelle in der Verwaltung bis hin zu einem Familienzentrum, das konkrete Hilfen in Form eines Netzwerkes anbietet. Die einzige grundsätzliche Meinungsverschiedenheit zwischen Rubeck und Clivot bringt das familienpolitische Thema Ganztagsbetreuung. Während sich Michael Clivot klar als Anhänger der Pflicht-Ganztagsschule erklärt, möchte Alexander Rubeck am in Reinheim und Medelsheim bereits praktizierten Prinzip der Freiwilligkeit festhalten: "Eltern müssen die Möglichkeit behalten, ihre Kinder nachmittags bei sich zu haben." Etwas mehr Unterschiede wurden auch im Themenbereich Umweltpolitik deutlich. Während Rubeck in Kooperation mit den Pfalzwerken den nachhaltigen Umgang mit Energie vorantreiben will, schwebt Clivot vor, die Gemeinde auf Sicht völlig emissionsfrei zu machen. Starken Beifall erntet er mit der Zusage, die Gemeinde auf keinen Fall von einem einzigen Energieversorger abhängig zu machen. Der Abend ging nach knapp zwei Stunden für die wenigen Unparteiischen im Saal wohl mit einem Unentschieden zu Ende, das zwei Profis im Saal auch prompt bestätigten: Für den CDU-Landtagsabgeordneten Günter Becker war Alexander Rubeck "saustark und überzeugend", für seinen SPD-Kollegen Stefan Pauluhn war Michael Clivot "überzeugend und zukunftsweisend". Meinung


Gersheims Parteien im Glück



Von Merkur-MitarbeiterCarlo Schmude Politiker pflegen Personalfragen in der Regel mit dem Hinweis zu beantworten, dass es zuerst auf die politischen Inhalte ankomme und erst in zweiter Linie auf die Personen. Wenn das stimmt, braucht sich in Gersheim keine der beiden um den Bürgermeistersessel konkurrierenden Parteien um den Ausgang der Wahl Sorgen zu machen. Die bei der Podiumsdiskussion wie auch anderswo öffentlich gemachten politischen Programme der Kandidaten weisen kaum wesentliche Unterschiede auf. Also müsste sich die am 7. Juni unterlegene Partei nicht allzu sehr grämen. Viele ihrer Ziele würden auch vom Wahlsieger angegangen.Läuft es in Gersheim also auf eine reine Personenwahl hinaus? Auch im Vergleich der beiden Kandidaten selbst wird den Gersheimern die Wahl nicht leicht gemacht. Rubeck und Clivot sind jung, verheiratet, (noch) kinderlos, von klein auf in ihren Parteien verwurzelt, politisch geschult, rednerisch begabt. Die Unterschiede fangen erst irgendwo bei den Hobbys an. Gersheims große Parteien können sich also glücklich schätzen: zwei gute Kandidaten mit einem guten Programm.