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Auf der Suche nach dem neuen Mankell

Christine Heinzius hat sich schon im Jahr 2000 als literarische Übersetzerin selbstständig gemacht. Foto: Iris Maurer
Christine Heinzius hat sich schon im Jahr 2000 als literarische Übersetzerin selbstständig gemacht. Foto: Iris Maurer
Saarbrücken. Sie hatte keinen schwedischen Freund, keinen Schweden-Urlaub hinter sich und auch keine Verwandtschaft im Astrid-Lindgren-Land. Damit war Christine Heinzius in der Skandinavistik an der Universität des Saarlandes ein echter Exot, zum Schwedischlernen durch nichts anderes motiviert als die Liebe zur Sprache Von SZ-Mitarbeiterin Alexandra Raetzer

Saarbrücken. Sie hatte keinen schwedischen Freund, keinen Schweden-Urlaub hinter sich und auch keine Verwandtschaft im Astrid-Lindgren-Land. Damit war Christine Heinzius in der Skandinavistik an der Universität des Saarlandes ein echter Exot, zum Schwedischlernen durch nichts anderes motiviert als die Liebe zur Sprache. Ihr Anglistik-, Romanistik- und Skanidinavistik-Studium - letzteres umfasste neben Schwedisch auch Dänisch - führte Heinzius auch hinaus in die Welt, an die Pariser Sorbonne Nouvelle, die Leicester University und die Helsingfors Universitetet Helsinki. Den Magisterabschluss in der Tasche wagte die heute 42-Jährige im Jahr 2000 den Schritt in die Selbstständigkeit und begann, als freiberufliche Übersetzerin mit dem Schwerpunkt Literatur ihr Geld zu verdienen.Reich wird man damit nicht, erzählt Christine Heinzius, gerade literarische Übersetzungen seien schlecht bezahlt. Aber leben kann sie von ihrem Job, der sich nach der Geburt ihrer Zwillinge vor vier Jahren noch dazu als erfreulich familienkompatibel erwies. "Ein Jahr lang habe ich der Kinder wegen pausiert. Der Wiedereinstieg war kein Problem", erzählt Heinzius. Jetzt arbeitet sie vormittags, wenn die Zwillinge im Kindergarten sind. "Man hat weniger Zeit, aber diese Zeit nutzt man effektiver", so ihre Erfahrung. Zum Akquirieren neuer Aufträge kommt Christine Heinzius jedoch nicht - weniger aus Zeitgründen als vielmehr deshalb, weil es ihr dank guter Kontakte zu Lektorinnen und Empfehlungen zufriedener Auftraggeber an Arbeit nicht mangelt.


Eher aus Zufall denn aus Neigung landen vor allem Krimis auf ihrem Schreibtisch, die sie - meist aus dem Englischen - ins Deutsche übersetzt. Zuletzt erschienen bei Blanvalet zwei Krimis von Christobel Kent in ihrer Übersetzung. Aber auch Romane, Sachbücher und Kunstkataloge überträgt Christine Heinzius ins Deutsche. "Den Kunstbereich würde ich gerne ausbauen, auch die Übersetzung von Kinderbüchern reizt mich sehr."

Zu den Dienstleistungen, die Heinzius Verlagen anbietet, gehört auch die Erstellung von Gutachten. Zuletzt machte sie sich im Auftrag des Goldmann-Verlags "auf die Suche nach dem neuen Henning Mankell" und las stapelweise schwedische Krimis. Für ihre Gutachten schreibt sie kurze Inhaltsangaben, um den Lektoren die Lesearbeit zu ersparen, und bewertet die Bücher nach Kriterien wie Stil, Figurenzeichnung, Schlüssigkeit der Story, aber auch im Hinblick auf ihre Verkaufschancen auf dem deutschen Buchmarkt. An der Uni hat sie all das nicht gelernt - ebensowenig wie steuerliche und versicherungsrechtliche Dinge, die man als Freiberufler wissen muss. "Das habe ich mir nach und nach selbst angeeignet", erzählt Christine Heinzius. Da sie als Übersetzerin sozusagen als "Einzelkämpferin" agiert, nutzt sie die Internetplattform "texttreff", um sich mit Kolleginnen auszutauschen. Nun plant sie, saarländische Übersetzer zu einem Erfahrungsaustausch zusammenzubringen - angeregt durch das Übersetzerforum, zu dem die Europäische Kinder- und Jugendbuchmesse im Mai eingeladen hatte.



Weitere Infos und Kontakt im Internet unter

:

christine-heinzius.de

"Auch die Übersetzung von Kinderbüchern reizt mich sehr."

Christine Heinzius