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Auf den Spuren eines Vergessenen

Markus Korselt, der am Sonntag das Stuttgarter Kammerorchester dirigierte, führte als „Wieder-Entdecker“ von Sigismund von Rumling ins Werk des Komponisten und in die Zeit des Intendaten auf Schloss Karlsberg ein. Foto: Thorsten Wolf
Markus Korselt, der am Sonntag das Stuttgarter Kammerorchester dirigierte, führte als „Wieder-Entdecker“ von Sigismund von Rumling ins Werk des Komponisten und in die Zeit des Intendaten auf Schloss Karlsberg ein. Foto: Thorsten Wolf FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Selten taucht der Name Sigismund von Rumling in Programmheften auf. Das Stuttgarter Kammerorchester spielte nun Sinfonien des fast vergessenen Komponisten in Homburg. Dazu gab es viel Wissenswertes zu hören. Von SZ-MitarbeiterThorsten Wolf

Ob es sich um einen musikalischen Gewinn gehandelt hat, wird die Zukunft erweisen müssen, ob es ein wirtschaftlicher Erfolg war, wird das Kassenbuch zeigen. In jedem Fall war die Aufführung von vier Sinfonien des in Vergessenheit geratenen Komponisten Sigismund von Rumling (1739? bis 1825) am Sonntagabend im Saalbau ein gesellschaftliches Ereignis. Rund um Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer, der Schirmherrin jener musikalisch-detektivischen Arbeit rund um den "Mozart von Homburg", hatte sich zahlreiche Prominenz aus Politik und Gesellschaft eingefunden. Das konnte aber nicht darüber hinweg täuschen, dass gerade mal die Hälfte aller möglichen Sitzplätze im großen Saal besetzt waren.

Den Zuhörern boten das Stuttgarter Kammerorchester unter der Leitung von Rumling-Wiederentdecker Markus Korselt, Gustav Rivinus als Solist und Heiner Take als Rezitator einen musikalischen Abend, den Korselt selbst mit Blick auf Rumling in seiner Begrüßung ausgiebig erläuterte: "Sigismund von Rumling war kein Umstürzler, er stellte nicht die herrschende Ordnung in Frage. Kurz: Er war kein Beethoven." Vielmehr, so Korselt, sei es von Rumlings Anliegen gewesen, "das Gute, das Schöne in die Welt zu bringen, durch die Musik. Das lernt man aus jeder Note, die er komponiert hat." Allerdings dürfe man dies nicht mit Naivität verwechseln. "Als Intendant an zwei bedeutenden Höfen ist Naivität das Letzte, was man braucht." Stattdessen sei es der bewusste Wille zur Einfachheit gewesen, der Sigismund von Rumling zu seinem Werk gebracht habe. Korselt: "Nach der schwierigen Zeit des Barock, in der alles formal mit Regeln, Vorschriften und Gesetzen ‚verzopft' wurde, war es auch von Rumling, der dieses alte Korsett über Bord warf und einer neuen Natürlichkeit und Empfindung Ausdruck verlieh."

In diesem Streben böte von Rumlings Komposition einige Überraschungen, so Korselt, "so wird es mal laut, wo man es leiser erwartet. Da müssen wir uns auch als Musiker konzentrieren, um das zu spielen, was er in seinen Handschriften verlangt. Und so versucht von Rumling in seiner Zeit das Neue auf durch und durch harmonische und schöne Art und Weise in die Welt zu bringen."

Dass dies auch mitunter einen "Kampf" bedeutet habe, "das sehen wir vor allem in seiner C-Dur-Sinfonie. Dort kann man in ein richtiges Kompositions-Laboratorium schauen. Die Wiener Klassik mit ihrer Perfektion war eben noch nicht erfunden."

Die von Korselt wiederentdecktend "hörbar" gemachten Rumling'schen Sinfonien in Es-Dur, C-Dur, E-Dur rund D-Dur waren am Sonntag auch der Rahmen für Haydns Cellokonzert in C-Dur, einen prominenten Kontrapunkt zum vergessenen Werk des Intendanten auf Schloss Karlsberg. Von Rumlings Bedeutung für Homburg betonte Klaus Kell, Leiter der Amtes für Kultur und Tourismus der Stadt, als einer der Mitverantwortlichen für das sonntäglichen Konzert so: "Dank der Arbeit von Markus Korselt wissen wir nun, welche musikalische Qualität auf Schloss Karlsberg geherrscht hat." Eben die kann man sich nun auch nach Hause holen: Der Saarländischen Rundfunk hat das Konzert aufgezeichnet, eine CD-Produktion soll den "Homburger Mozart" für die Ewigkeit konservieren.