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Auf den Spuren des BergarbeiterwohnungsbausVon der Förderung fürs Eigenheim zum Wohnungsunternehmen

Der Bergmannswohnungsbau hat im Saarland eine lange Entwicklung durchlaufen. Mit Beginn der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts wurde der Bergbau zu einem immer größeren Wirtschaftsfaktor an der Saar. Nur ein geringer Anteil der Bergleute fand bei der einheimischen Bevölkerung als Einlieger oder Kostgänger eine Unterkunft

Der Bergmannswohnungsbau hat im Saarland eine lange Entwicklung durchlaufen. Mit Beginn der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts wurde der Bergbau zu einem immer größeren Wirtschaftsfaktor an der Saar. Nur ein geringer Anteil der Bergleute fand bei der einheimischen Bevölkerung als Einlieger oder Kostgänger eine Unterkunft. Die meisten Grubenarbeiter pendelten anfangs täglich auf Bergmannspfaden, den so genannten Schwarzen Wegen, zwischen ihren angestammten Wohnorten und der Arbeitsstätte. Als Konsequenz daraus beschloss der Preußische Bergfiskus, gezielt Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen. Zunächst entstanden sogenannte Schlafhäuser, in denen häufig bis zu 200 Bergmänner in einem Raum zusammengepfercht schlafen mussten. Später entstand das Prämienhaussystem, bei dem der Bau eines Hauses gefördert wurde. Kurz vor der Jahrhundertwende folgte der Bau von Mietshäuser. Mit der Übernahme der Saargruben in die französische Verwaltung erfuhr die gesamte bisherige Art der Wohnungsfürsorge nach 1918 eine grundlegende Änderung. Die Verwaltung zog es vor, aus eigenen Mitteln Wohnungen zu bauen, die Eigentum des Unternehmens blieben. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden darüber hinaus insgesamt rund 11 300 private Bauvorhaben von Bergleuten gefördert.Nach dem Zweiten Weltkrieg führte der Ausfall von Wohnraum durch Kriegszerstörungen besonders in den Ballungsräumen zu einer erheblichen Wohnungsnot. Der Vorkriegsbestand von 230 000 Wohnungen an der Saar verringerte sich bis Kriegsende um 35 000 Wohneinheiten. Viele Bergmannsfamilien hatten ihr Heim verloren und mussten vielfach mit notdürftigen Unterkünften vorlieb nehmen. Zwischen den Gewerkschaften und der französischen Grubenverwaltung kam es zu Verhandlungen über die Zahlung eines Wohnungsgeldes an verheiratete Belegschaftsmitglieder. Da aber sehr viele Anträge eingereicht wurden, wurde ein Fonds zur Gewährung von Baudarlehen gegründet - so entstand am 12. Oktober 1949 die Stiftung für Wohnungsbau der Bergarbeiter (StWB). Im Zusammenhang mit der Gründung der Stiftung erklärten sich die Saargruben bereit, einen der Höhe des von den Bergleuten für Baudarlehenszwecke abgeführten Wohnungsgeldes entsprechenden Betrag dem Baudarlehensfonds der Saargruben zur Verfügung zu stellen. Bis heute unterhält die StWB 268 Wohnungen in Dorf im Warndt, 210 Wohnungen in Luisenthal - davon alleine 106 in der Altenkesseler Straße, 104 in der Rotstay- sowie der Albertstraße. Kleinere Bestände sind unter anderem in der Saarbrücker Straße in Fenne (20 Wohnungen), in der Rosseler Straße in Ludweiler (16 Wohnungen), in der Lauterbacher Straße in Ludweiler (11 Wohnungen) sowie in der Goethestraße in Ludweiler und der Straße des 13. Januar.Dorf im Warndt wurde 1938 mit Selbsthilfeleistung der Siedler durch die Saarbrücker Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft als nationalsozialistische Mustersiedlung inmitten der Waldlandschaft des Warndt errichtet. Untergebracht wurden in der so genannten Kleinsiedlung mit Nebenerwerbsstellen - also mit Gärten und Flächen für die Haltung von Kleintieren für die Selbstversorgung - vor allem Arbeiter, die auf der Völklinger Hütte beschäftigt waren, mit ihren Familien. Ende 1960 wurde mit dem Bau einer neuen Werkssiedlung, jetzt für die Bergleute der neu geschaffenen Grube Warndt, begonnen. Bis 1964 entstanden so insgesamt 268 Wohnungen. Die Häuser der Werkssiedlung entstanden in vier Varianten, die den persönlichen Wünschen und dem Familienstand der Einlieger gerecht werden sollten. Drei Haustypen verfügen über jeweils drei Zimmer, Küche und Bad, der vierte Typ ist um ein Zimmer größer. Die nach damaligen Gesichtspunkten großzügig bemessenen Wohnungen besaßen einen gut belichteten Wohnraum mit Loggia, Balkon oder Terrasse, eine Kochküche, große Schlafzimmer und ein vollständig eingerichtetes Bad.In den vergangenen Jahren wurde in Dorf im Warndt viel investiert. Zahlreiche Wohnungen sind durch den Einbau neuer Bäder, die Erneuerung der Elektroinstallation sowie den Einbau neuer Innentüren und Wohnungsabschlusstüren modernisiert worden. Darüber hinaus wurden drei Wohnungen für Senioren barrierearm umgebaut.Die Siedlung "Altenkesseler Straße" in Luisenthal ist von der Nutzung her heute als reines Wohngebiet zu betrachten. Als Zufahrt dient die Altenkesseler Straße, die in Nord-Süd-Richtung als westliche Ortsrandstraße Altenkessels durch das Frommersbachtal verläuft. Die 1957 begonnene Bebauung war straßennah, wobei die ersten drei Doppelhäuser parallel zur Straße verlaufen. Die nächsten beiden Gebäude sind ebenfalls Doppelhäuser und stehen im Winkel von etwa 30 Grad zur Altenkesseler Straße. Nach Norden schließen sich drei Dreierblöcke, ebenfalls im Winkel von 30 Grad stehend, an. Den Abschluss bilden zwei Doppelhäuser. Insgesamt gibt es sieben zweigeschossige Doppelhäuser mit Pultdach und Vollkeller. Die Dreierblöcke sind dreigeschossig mit Pultdach und voll unterkellert. Pro Etage befinden sich in der Regel je zwei Wohneinheiten, nach außen je eine Vier-Raum-Wohnung, nach innen je eine Drei-Raum-Wohnung. Charakteristisch ist, dass die Küchen in den Wohnbereich integriert sind. Hinter den Häusern finden sich Freizeit- und Gartenareale, die in den Wald integriert sind. Der generelle Standard des Bestands entspricht der Bauzeit der 1950er Jahre. Für die damalige Zeit war das Ensemble, das später an die Fernwärmeschiene angebunden wurde, hochmodern. Heute betreut die StWB in der Siedlung 106 Wohnungen. Die StWB Wohnen GmbH hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Wohnungen in der Siedlung "Altenkesseler Straße" modernisiert. heiVon 1949 bis 1989 bewilligte die Stiftung für Wohnungsbau der Bergarbeiter, StWB, etwa 13 000 Darlehen zum Neubau oder Kauf, später auch zur Modernisierung von vorhandenem Wohneigentum. Im langjährigen Durchschnitt wurden somit etwa 325 Darlehen pro Jahr bewilligt. In den folgenden sechs Jahren wurden nur noch 700 Baudarlehen vergeben, ab 1996 gar keine mehr. Die Gründe für diese Entwicklung hängen unmittelbar mit der Personalentwicklung der Saarberg-Belegschaft zusammen. Anfang der 80er Jahre verhängte Saarberg einen Einstellungsstopp, auch die Ausbildungszahlen mussten kontinuierlich an den reduzierten Personalbedarf angepasst werden. Somit war es eine reine Frage der Zeit, bis die Mittel der Stiftung, die in den ersten Jahrzehnten unverzichtbar waren, nicht mehr benötigt wurden. Mit der weitgehenden Erfüllung des ursprünglichen Stiftungszwecks stellte sich bereits Anfang der 90er Jahre die Frage nach der Zukunft der Stiftung. Eine Auflösung und eine Übertragung des Vermögens an eine ähnliche soziale Einrichtung des Bergbaus erschien wenig sinnvoll, da die übrigen sozialen Einrichtungen des Bergbaus mit der gleichen Entwicklung konfrontiert waren. Die Stiftung erwarb von den Saarbergwerken Ende 1995 die zum Verkauf anstehenden 1300 Werkswohnungen und vermietete diese an Mitarbeiter der Saarbergwerke. Der Kaufpreis wurde durch die Übertragung der Darlehensforderungen auf die Verkäuferin sowie die Aufnahme von Fremdkapitalmitteln finanziert. Zum zentralen Stiftungszweck gehörte fortan die Bereitstellung von Mietwohnungen an aktive und ehemalige Beschäftigte des saarländischen Steinkohlebergbaus und deren Angehörige.Das Verschmelzungsverfahren der Saarbergwerke AG auf die RAG AG brachte 1997/1998 neue, weitergehende Herausforderungen. Die Saarberg-Wohnungswirtschaft (WoWi Saar) sollte nach dem Vorbild Ruhr aus dem Bergbau herausgelöst und einem Immobilienkonzern zugeordnet werden. Zum 1. Oktober 2006 fand der Betriebsübergang der WoWi Saar auf die neu gegründete 100-prozentige Tochter StWB Wohnen GmbH statt. Wichtigster Bestandteil war dabei der Übergang aller Arbeitsverhältnisse der Arbeitnehmer der DSK, die der Wohnungswirtschaft zugeordnet waren, auf die neue Gesellschaft. Zur Vermeidung von Leerständen mussten künftig auch werksfremde Mieter gewonnen werden. Einerseits sollte sich für die Mieter möglichst wenig ändern, andererseits mussten die Voraussetzungen geschaffen werden, um als eigenständige Gesellschaft wirtschaftlich auf dem saarländischen Wohnungsmarkt bestehen zu können.An die Stelle des bisherigen Stiftungszwecks, die Förderung des Bergarbeiterwohnungsbaus an der Saar, tritt die vorrangige Bereitstellung von Mietwohnungen für alle von der Stilllegung betroffenen Arbeitnehmer sowie die Förderung des Denkmalschutzes durch die Instandsetzung und Erhaltung der zum Vermögen der Stiftung gehörenden denkmalgeschützten Bergarbeitersiedlungen im Saarland. hei(Quelle: Festschrift 60 Jahre Stiftung für Wohnungsbau der Bergarbeiter)