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Tipps und Hilfe
Auch Flüchtlinge in der Verbraucherfalle

Die Verbraucherzentrale des Saarlandes will Flüchtlingen unter anderem bei der Auseinandersetzung mit Mobilfunkanbietern weiterhelfen.
Die Verbraucherzentrale des Saarlandes will Flüchtlingen unter anderem bei der Auseinandersetzung mit Mobilfunkanbietern weiterhelfen. FOTO: picture alliance / dpa / Thomas Frey
Saarbrücken. Auf dem Facebook-Kanal WEBiTIPP bietet die Verbraucherzentrale Saarland speziell für Flüchtlinge Verbrauchertipps. Das Programm wurde jetzt verlängert. Von Jörg Fischer

Ein vermeintlich günstiger Handy-Vertrag, eine am Ende teure Kreditkarte – ähnlich wie für junge Deutsche sind die Verlockungen der Konsumwelt für Geflüchtete riesengroß. Nicht vertraut mit der Sprache und den Gesetzen in Deutschland tappen sie in die klassische Verbraucherfalle und geraten in finanzielle Schwierigkeiten. Neben Jugendlichen und Senioren haben Verbraucherschützer Geflüchtete als eine „sensible Verbrauchergruppe“ ausgemacht. Seit dem vergangenen Sommer läuft der interaktive Facebook-Kanal WEBiTIPP. In Video-Filmen und interaktiven Seminaren bietet die Verbraucherzentrale Saarland speziell dieser Zielgruppe Verbrauchertipps und beantwortet deren Fragen. Das Projekt wurde jetzt bis Februar kommenden Jahres verlängert.


Jürgen Zimper, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Saarland, zeigte sich bei der Vorstellung des Jahresberichts 2017 in Saarbrücken „sehr zufrieden“ mit dem Angebot. Inzwischen hat die Facebook-Seite nach Angaben von Finanzexperte Thomas Beutler 9500 aktive Fans. Waren es am Anfang vor allem Geflüchtete aus dem Saarland, die die Seite nutzten, kommen zurzeit die meisten User aus Nordrhein-Westfalen. Auch das Bundesministerium für Verbraucherschutz wirbt im Internet für das Angebot.

Thematisiert werden neben den Problemen mit Handy- und Kreditkarten im monatlichen Wechsel alle anderen klassischen Verbraucher­themen, vom richtigen Heizen bis hin zu Ernährungsfragen, wie etwa der Gesundheits-Problematik  beim Fasten während des Ramadans. Ziel ist es, die Verbraucherzentrale bei der Zielgruppe von Geflüchteten im Alter zwischen 25 und 34 Jahren überhaupt einmal bekannt zu machen. Wie viele sich im Anschluss bei der Verbraucherzentrale beraten ließen, lässt sich nach Angaben von Beutler nicht beziffern.



Insgesamt nahmen nach Angaben der Verbraucherzentrale im Saarland 2017 mehr als 40 000 Menschen am Telefon, bei persönlichen Gesprächen oder auf Veranstaltungen Kontakt zu den Beratern auf. In den Rechtsberatungen ging es wieder vor allem um  Beschwerden zu Online-Bestellungen in „Fake-Shops“, Abo-Fallen im Internet und Identitätsdiebstahl. Wichtig sei es, die Verbraucher darüber aufzuklären, wie sie einen Fake-Shop im Internet erkennen, sagte Juristin Yvonne Schmieder. Ihr Rat: Bei Angeboten im Internet vor allem nicht vorab per Überweisung bezahlen.

Beim Thema Energiesparen ging die Zahl der Beratungen im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr zurück, im Saarland allerdings mit 3800 im Vergleich zu 3621 Beratungen 2017 weniger stark als in anderen Bundesländern. Mathias Jünger, Regionalmanager im Energieprojekt, führte das vor allem darauf zurück, dass das Thema 2017 sowohl bei der Landtags- als auch bei der Bundestagswahl und angesichts gesunkener Energiepreise nicht so stark im Fokus stand,wie im Vorjahr.

Im vergangenen Jahr wurden im Saarland 580 Energie-Checks durchgeführt. Ein solcher Check kostet den Mieter, Vermieter oder Hausbesitzer je nach Beratungsumfang zwischen fünf und 40 Euro.

Das Jahr 2018 steht für die Verbraucherzentrale Saarland im Zeichen personeller Änderungen. Nach 40 Jahren verabschiedete der Vorstand am Mittwoch Ernährungsexpertin Barbara Schroeter, deren  Aufgaben Theresia Weimar-Ehl übernimmt. In der nächsten Woche wird auch der langjährige Geschäftsführer Zimper verabschiedet, der zum 1. Juli in den Ruhestand geht. Sein Nachfolger wird der Jurist Martin Nicolay.