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Astronauten-Binde um den Kopf

Saarbrücken. Das Geschehen liegt ein halbes Jahrhundert zurück. In der Biografie des Fußballspielers Günter Herrmann, der heute sein 75. Lebensjahr vollendet, hat es immer noch einen ganz besonderen Stellenwert. Dem FK Pirmasens war vom Südwest-Verband für ein Heimspiel das eigene Stadion gesperrt worden, weil Pirmasenser Fans in der Partie zuvor Randale gemacht hatten Von SZ-Mitarbeiter Wilfried Burr

Saarbrücken. Das Geschehen liegt ein halbes Jahrhundert zurück. In der Biografie des Fußballspielers Günter Herrmann, der heute sein 75. Lebensjahr vollendet, hat es immer noch einen ganz besonderen Stellenwert. Dem FK Pirmasens war vom Südwest-Verband für ein Heimspiel das eigene Stadion gesperrt worden, weil Pirmasenser Fans in der Partie zuvor Randale gemacht hatten. Für 90 Spielminuten wurde deshalb das Homburger Waldstadion die FKP-Heimat. Günter Herrmann war 1957 von den Sportfreunden Saarbrücken aus dem Stadtteil Burbach auf den Kieselhumes zum SV Saar 05 gewechselt. Dazwischen hatte es einen Flirt mit dem 1. FC Saarbrücken gegeben, dem aber keine Vertrags-Ehe folgte. Die schloss Herrmann mit den St. Johannern. Der Spieler vom anderen Stadtende war in Angriff und Abwehr gut zu gebrauchen und von daher willkommen. Nun also mit halbem Heimvorteil ins Homburger Waldstadion. Aber kurz nach dem Anpfiff passierte das Malheur: Der Mann aus Burbach rasselte mit dem Pirmasenser Stürmer Heini Seebach zusammen und erlitt eine große Platzwunde am Kopf. Ab in die Homburger Uni-Klinik. Fast im Sprintertempo wurde die Wunde dort genäht. Weil damals noch nicht gewechselt werden durfte, ließ sich Herrmann rasch ins Stadion chauffieren. Stürmer Fritz Altmeyer hatte ihn bis dahin in der Abwehr vertreten.Wenige Minuten vor dem Abpfiff stand es noch 0:0. Und Saar 05 war wieder komplett mit elf Mann. Hermann, mit weißem Verband um die Stirn, erhält den Ball an der Mittellinie, wagt einen Alleingang, lässt drei Pfälzer hinter sich, lockt Nationaltorhüter Heinz Kubsch aus dem Kasten. Querpass zu Klaus Sinn: das 1:0 für den Außenseiter. Beim Schlusspfiff musste sich Herrmann gegen den erdrückenden Jubel der Mitspieler wehren, damit die Naht am "Astronauten-Verband" nicht platzte. Das ist eine von vielen Schmonzetten des jovialen Mannes, der nach einer gesundheitlich bedingten Auszeit wieder visuell am Ball ist: "Ich besuche die Heimspiele meiner Elversberger Freunde und die meines Heimatclubs Sportfreunde Saarbrücken. Beide spielen immer an unterschiedlichen Wochentagen." Mit Humor erzählt das Burbacher Urgestein, dass er als Spieler des SV Saar 05 mehrfach "Saarlandmeister" geworden sei. Der damalige Clubpräsident und Lebensmittelhändler Johann Stolz (Eier, Butter, Käse) habe zu jener Zeit seinen Verein immer zum Landesmeister erklärt, "wenn wir ein Punktspiel gegen den FCS oder gegen Borussia Neunkirchen gewonnen hatten". Rasch sei immer eine "Meisterfeier" arrangiert worden. "Da ging immer die Post ab", erzählt Günter Herrmann, der zu saarländischen Fifa-Zeiten drei Mal von Helmut Schön in die Ländermannschaft berufen worden ist. Einen Bonus für diese Nominierungen erfährt er seit wenigen Jahren: "Wir sind ja inzwischen vom DFB als Nationalspieler anerkannt und erhalten gelegentlich Einladungen zu Länderspielen." Als Trainer hat Herrmann in Notzeiten zwei Mal seinem Stammclub Sportfreunde Saarbrücken ausgeholfen. Weiter trainierte er den SV Auersmacher, den SV Saar 05 und den SC Friedrichsthal. Seit 1992 hat der Burbacher seine Erfahrung in verschiedenen Funktionen bei der SV Elversberg eingebracht. Dort pflegt er die gute Freundschaft mit dem SVE-Chef Frank Holzer und dem ganzen Verein. Für die Sportfreunde Saarbrücken (1954 bis 1957) hat Herrmann in 55 Spielen auf Südwest-Ebene 20 Tore erzielt, für den SV Saar 05 (1957 bis 1963) in 131 Treffen 21. Fußball war und ist für Günter Herrmann Herzenssache. Auch als Rentner kann er sich nicht leicht von der Ball-Szene verabschieden. "De Patt", wie ihn Zeitgenossen nennen, ohne den Doppelpass im Visier - das kann man sich nicht vorstellen.