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Arznei streng nach Verordnung

Saarbrücken. Viele ältere Menschen tun sich schwer, ihre Medikamente streng nach Verordnung einzunehmen. Eine Studie mit mehr als 2000 Patienten soll nun herausfinden, wie sich die Einhaltung der Medikamenten-Verordnung bei Patienten mit chronischer Herzmuskelschwäche durch eine engere Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apotheken verbessern lässt Von SZ-Mitarbeiterin Heike Theobald

Saarbrücken. Viele ältere Menschen tun sich schwer, ihre Medikamente streng nach Verordnung einzunehmen. Eine Studie mit mehr als 2000 Patienten soll nun herausfinden, wie sich die Einhaltung der Medikamenten-Verordnung bei Patienten mit chronischer Herzmuskelschwäche durch eine engere Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apotheken verbessern lässt. Als eine "weltweit einzigartige interdisziplinäre Studie" stellte gestern Professor Ulrich Laufs, leitender Oberarzt der Klinisch-Experimentellen Medizin der Uniklinik des Saarlandes, das Projekt in Heusweiler-Holz vor. Nahezu jeder zehnte Mensch über 70 Jahre leidet an einer chronischen Herzschwäche, wie Laufs aufzeigte. Eine schlechte Therapie-Treue, also eine Vernachlässigung der Einnahme der verordneten Arznei, bedeute ein erhöhtes Risiko etwa für einen Herzinfarkt.Die Studie wird von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) gemeinsam mit der Uniklinik durchgeführt. Im Saarland beteiligen sich etwa 40 Ärzte und 40 Apotheken. "Eine überdurchschnittliche Beteiligung", meinte Gesundheitsminister Andreas Storm (CDU). Die Landesregierung werde die Studie mit besonderem Interesse verfolgen.


Im nächsten Schritt soll die Studie auf Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Bayern ausgeweitet werden. "Aber auch in allen anderen Bundesländern können sich Ärzte und Apotheken beteiligen", erklärte Professor Martin Schulz, ABDA-Geschäftsführer. Ziel soll sein, mehr als 2000 Patienten ab 65 Jahre, die in den vergangenen zwölf Monaten wegen einer chronischen Herzschwäche stationär behandelt wurden, in die Studie aufzunehmen, jeweils zur Hälfte in einer Test- und Kontrollgruppe.

Etwa 300 Ärzte und gleich viele Apotheken sollen bei der Studie helfen. Letztere sind die Hauptakteure: Zu ihnen sollen die Patienten der Testgruppe mit all ihren Medikamenten kommen. In Kooperation mit dem Arzt sollen arzneimittelbezogene Probleme gelöst werden, der Patient bekommt seine Medikamente in einer Wochendosette, also einer abgeteilten Pillendose, verabreicht, steht zudem im ständigen Kontakt mit dem Apotheker. Die Studie läuft bis März 2015. Finanziert wird sie von Beiträgen der Apotheker, wie Manfred Saar, der Präsident der saarländischen Apothekenkammer, erklärte. In seiner Apotheke in Holz fiel gestern der Startschuss zur Studie. Foto: theobald