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Artenvielfalt ist hier Trumpf

Rainer und Maren Ulrich in ihrem Garten in Wiesbach. Mit schmalen Wegen, Trockenmauern, Steinhaufen, Teichen und flachen Tümpeln bietet der Garten besonders vielen verschiedenen Tieren Zuflucht. Foto: Andreas Engel
Rainer und Maren Ulrich in ihrem Garten in Wiesbach. Mit schmalen Wegen, Trockenmauern, Steinhaufen, Teichen und flachen Tümpeln bietet der Garten besonders vielen verschiedenen Tieren Zuflucht. Foto: Andreas Engel FOTO: Andreas Engel
Wiesbach. Nach der Ansicht von Rainer Ulrich soll ein Garten vor allem ein Stück heimischer Pflanzenwelt darstellen. Allen Lebewesen soll er einen Lebensraum bieten. Im eigenen Garten in Wiesbach hat Ulrich dieses Ideal umgesetzt. Von SZ-RedakteurinSolveig Lenz-Engel

. "Hinter meinen Garten hört die Natur auf", sagt Rainer Ulrich und meint damit die fein säuberlich bearbeiteten Felder (nur kein Unkraut!) hinter seinem Haus in Wiesbach, am Ende der Einweiler Straße. Für den Biologen und renommierten Schmetterlings-Experten Ulrich soll ein Garten, egal wie groß er ist, vor allem ein Stück heimischer Flora darstellen, das allen möglichen Lebewesen wie Eidechsen, Gelbbauch-Unken, Wasser-Käfern, Libellen, Wildbienen und natürlich den Schmetterlingen (in seinem Garten hat er schon 25 Arten registriert) einen Lebensraum bietet.

Als Ulrich vor etlichen Jahren sein Wiesbacher Haus mit dem rund 850 Quadratmeter großen Grundstück erwarb, musste er erst mal viel verholzten Cotoneaster - bei den Saarländern sehr beliebt, um alles Mögliche zuwachsen zu lassen - roden und das Gelände modellieren lassen. Denn eine vielfältige Struktur mit schmalen Wegen, Trockenmauern, Steinhaufen, Teichen und flachen Tümpeln (für die Gelbbauch-Unke), dazu ein vielseitiger Nutzgarten und eine Wiesenfläche (hier wird nur selten und selektiv mit der Sense gemäht), erlauben ein Höchstmaß an Artenvielfalt. Wohlgemerkt mit Pflanzen, die in unserer Region von jeher zu Hause sind. Berücksichtigung findet auch das Kleinklima, denn vor dem Haus von Reiner Ulrich und seiner Frau Maren, herrscht nach Ulrich'scher Definition der Klimatyp "Provence", während das übrige Land unter "Norwegen" fällt.

Steingarten in der Provence

In der Provence hat der Biologie-Lehrer unter anderem einen Steingarten angelegt, im dem (schön beschriftet für wissbegierige Passanten) Pflanzen wie der Hauswurz prima gedeihen. Kleine "Ausrutscher" wie den duftenden Lavendel oder das Eckchen mit alpinen Pflanzen ("wir sind oft im Gebirge") gestattet man sich souverän.

Im seinen Garten hat Rainer Ulrich alles wohldurchdacht, auch wenn das Ensemble auf den ersten Blick irgendwie "wild gewachsen" anmutet. So kann sich der Hausherr freuen, wenn er als Zugabe zum Salat aus dem Gartenbeet noch allerlei Blüten und Blättchen aus der Wiese sammeln kann. Giersch beispielsweise liefert schmackhaftes Grünfutter, junge Brennnesseln sind ebenfalls gut essbar genau wie Vogelknöterich oder Mädesüß.

Einen Schattengarten ("unser Wald") gibt es auch. Hier duftet es nach Bärlauch, Waldmeister, Maiglöckchen und Seidelbast. Im Wald gibt es auch eine Ruhebank, Fähnchen erinnern an Urlaube, die Geräusche am Teich erläutert Ulrich als die Stimmen der kleinen Gelbbauchunken, deren Bestand massiv gefährdet ist.

Klar, dass bei Familie Ulrich das Regenwasser vom Hausdach gesammelt wird, dass keine chemischen Mittelchen verwendet werden ("Schnecken muss man eben abends absammeln"), dass organische Abfälle kompostiert werden und der Nutzgarten im Herbst mit dem Grünschnitt der Wiese abgedeckt wird. Apropos Abfälle. Das hat sich Rainer Ulrich etwas ganz Patentes einfallen lassen. Von der Terrasse führt ein Dickes Rohr runter zum Komposthaufen. Das ist die "Ulrich Rutsche", mit der Küchenabfälle ohne lästiges Treppensteigen ökologisch wertvoll entsorgt werden.

Nachdenken hilft ungemein, das kann man im Garten der Familie Ulrich im besten Sinne erleben.


Zum Thema:

Auf einen BlickGemeinsam mit Martin von Hohnhorst hat Rainer Ulrich vor einigen Jahren die "Saarländische Gartenfibel" verfasst, die eine Fundgrube zur Gestaltung naturnaher Gärten in unserer Region ist. Gut gegliedert und mit vielen Fotos ausgestattet, bietet die Fibel auch praktische Anleitungen, aus einem langweiligen Allerweltsgarten ein lebendiges Biotop für heimische Fauna und Flora zu machen. Von der fachgerechten Anlage einer Trockenmauer über den Teich bis zum Balkongarten informiert das Büchlein, aus dem auch die Liebe zum Landleben spricht. Zu beziehen ist die Fibel für fünf Euro zuzüglich Versandkosten über Rainer Ulrich, Telefon (0 68 06) 8 45 39, ulrich.butterfly@t-online.de. sl