| 20:17 Uhr

CDU-Bundesvorsitz
34 Stimmen für Kramp-Karrenbauer

Annegret Kramp-Karrenbauer, CDU-Generalsekretärin, kandidiert für die Nachfolge von Angela Merkel an der Parteispitze.
Annegret Kramp-Karrenbauer, CDU-Generalsekretärin, kandidiert für die Nachfolge von Angela Merkel an der Parteispitze. FOTO: dpa / Carsten Koall
Saarbrücken. Warum die Saar-Delegierten unabhängig von ihren Parteiflügeln beim CDU-Bundesparteitag wohl geschlossen für Annegret Kramp-Karrenbauer als neue Parteichefin stimmen werden. Von Daniel Kirch
Daniel Kirch

Chefkorrespondent Landespolitik

Sollte Annegret Kramp-Karrenbauer beim CDU-Bundesparteitag Anfang Dezember in Hamburg nicht zur Parteivorsitzenden gewählt werden, dann ist schon jetzt klar, an wem es nicht gelegen haben wird: an den 34 saarländischen Delegierten. Unter den insgesamt 1001 Abgesandten ist die saarländische Delegation, übrigens die siebtgrößte, vermutlich die einzige, die geschlossen abstimmen wird – für Kramp-Karrenbauer.


Seitdem bekannt ist, dass die 56-Jährige für die Nachfolge von Angela Merkel an der Parteispitze kandidieren wird, spürt man aus allen Ecken der Partei im Saarland Euphorie. Der Landesvorstand nominierte Kramp-Karrenbauer am Montag offiziell für den Parteivorsitz – ohne Gegenstimmen und Enthaltungen. Immer wieder wird hervorgehoben, dass Kramp-Karrenbauer die Richtige sei, um die verschiedenen Parteiflügel (konservativ, liberal, christlich-sozial) zusammenzuführen. Kramp-Karrenbauer hat von allem etwas: Sie ist eine Sozialpolitikerin, die der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) angehört. In der Gesellschaftspolitik sind ihre Ansichten mal progressiv (Frauenquote) und mal konservativ (gleichgeschlechtliche Ehe).

Der CDU-Landesvorsitzende Tobias Hans spricht von einer „riesigen Unterstützung“ in ihrem Heimat-Landesverband – aus allen Strömungen der Partei. Der Siersburger Landtagsabgeordnete Günter Heinrich, ein Konservativer, dem es sicher auch bei Reden von Friedrich Merz oder Jens Spahn warm ums Herz würde, sagt jetzt, beim CDU-Bundesparteitag gehe es um saarländische Interessen: „Wir brauchen eine Kanzlerin aus dem Saarland. Das Hemd ist mir näher als der Rock.“ Selbst die Junge Union und die Mittelstandsvereinigung, in denen Merz und Spahn bundesweit viele Unterstützer haben, lassen im Saarland keinen Zweifel aufkommen, dass sie auf der Seite der früheren Saar-Ministerpräsidentin stehen.



Es gibt allerdings eine Gruppe, die sich an den AKK-Festspielen nicht recht beteiligen mag: die Werte-Union Saar, ein Zusammenschluss konservativer CDU-Mitglieder. Sie will ihre Entscheidung von der Haltung der Kandidaten zur Zuwanderungs-, Asyl- und Flüchtlingspolitik abhängig machen, wie der Landesvorsitzende Stefan Rabel der SZ sagte. Aus seiner Sicht bedarf es hier eines grundlegenden Politikwechsels.

Rabel, CDU-Fraktionschef im Völklinger Stadtrat, sagt über Kramp-Karrenbauer: „Möglich ist alles, und ich würde sehr gerne von Annegret überrascht werden, weil ich sie menschlich sehr schätze.“ Für sie sei es allerdings eine schwierige Gratwanderung, sich nach ihrer bisherigen Merkel-Nähe inhaltlich zu positionieren. Er halte es für notwendig, dass sie sich gerade in der Flüchtlings- und Zuwanderungspolitik von Angela Merkel absetze, um zu dokumentieren, dass die CDU unter ihrer Führung nicht einfach eine Fortsetzung der Merkel-Ära werde.

Allerdings verfügt die Werte-Union Saar in der 16 250 Mitglieder zählenden Saar-CDU kaum über Einfluss. Sie hat nach Rabels Worten rund 30 Mitglieder; hinzu kommen seinen Angaben zufolge als Unterstützer noch zahlreiche frühere CDU-Mitglieder, die sich je nachdem, welche Richtung die Partei nimmt, eine Rückkehr in die Partei offenhalten.