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Zehn Jahre nach dem Grubenbeben von Saarwellingen
Angst vor Flutung trübt Gedenken

Vor der katholischen Kirche St. Blasius in Saarwellingen – dem Symbol des schweren Bebens von 2008 – stellten die Teilnehmer mit Kerzen das Datum des Unglücks nach: 23. 02. 2008
Vor der katholischen Kirche St. Blasius in Saarwellingen – dem Symbol des schweren Bebens von 2008 – stellten die Teilnehmer mit Kerzen das Datum des Unglücks nach: 23. 02. 2008 FOTO: Johannes A. Bodwing
Saarwellingen. 200 Menschen erinnerten an das Grubenbeben vor zehn Jahren, das das Ende des Bergbaus im Saarland einläutete. Von Johannes Bodwing

Trotz eisiger Temperaturen haben etwa 200 Teilnehmer am Freitag bei einer Veranstaltung der Igab (Interessengemeinschaft zur Abwendung von Bergschäden) auf dem Saarwellinger Schlossplatz dem großen Bergbaubeben von 2008 gedacht. Mit Kerzen wurde vor der Pfarrkirche St. Blasius das Datum des großen Bebens vom 23. Februar 2008 nachgebildet


Mit Stärke 4 bebte damals um 16.31 Uhr die Erde und schädigte vor allem im Raum Nalbach-Saarwellingen Privathäuser, Rathäuser und Kirchen. Diese Ereignisse läuteten das Ende des Bergbaus im Saarland ein. Die Demonstranten zeigten sich am Freitag unzufrieden mit dem, was die Politik mache, äußerten sich Teilnehmer. Viele haben auch kein Vertrauen mehr in die Entscheider. „Wir haben das damals live miterlebt“, sagte ein älteres Ehepaar. „Jetzt haben wir Angst um unser Trinkwasser. Wer weiß, was da alles in den Stollen ist?“ „Was jetzt kommt mit dem Grubenwasseranstieg“, sagte auch Doris Becker aus Schmelz, „das macht uns wieder Angst“. Ehemann Franz-Josef ärgerte „die Arroganz, wie sie mit uns umgegangen sind“.

Daran knüpfte die Igab an. „Unsere Internet-Petition hat bisher über 8000 Unterschriften erbracht“, sagte Igab-Sprecher Manfred Reiter. „Aber auf die Sorgen der Bürger, darauf reagiert die Politik überhaupt nicht.“ „Keines der in Auftrag gegebenen Gutachten schließt Schäden aus“, kritisierte Saarwellingens Bürgermeister Manfred Schwinn (SPD). Der Wasseranstieg könne nicht genehmigt werden, „das Risiko ist zu groß“. Zahlreiche Redner äußerten ihren Ärger über das Verhalten von Politik und RAG. Darunter Barbara Meyer-Gluche vom Grünen-Landesvorstand. Als „Schande“ bezeichnete sie die jetzige Situation. „Die RAG schafft wieder Gefahren für Leib und Leben.“ „Ich glaube den Gutachten und der RAG kein Wort“, prangerte Illingens Bürgermeister Armin König an.



Gegen 16.30 Uhr folgte eine Gedenkminute für das damalige Geschehen. Im Anschluss ging es zur Pfarrkirche St. Blasius. Diese Kirche war zum Symbol für die Folgen des Bergbaus geworden. Dort bildeten Teilnehmer das Datum 23.02.2008 mit Kerzen vor der Treppe nach. „Die Mobilisierung ist inzwischen schwierig geworden“, sagte Reiter. „Es ist ja bislang nichts mehr passiert.“ Und im Gegensatz zu den Beben „merken die Leute noch nichts vom Anstieg des Grubenwassers“. Aber dadurch seien Gefahren durch Radon und für das Trinkwasser zu befürchten.Deshalb forderte Reiter die RAG auf, weiter zu pumpen. „Wir gehen ab März auf Kneipentour, um den Leuten das Thema näher zu bringen.“ Interessierte können sich anmelden über e-Mail lv@igab-saar.de. Etwa eineinhalb Stunden Information gebe es. Es „wird sie erschrecken, was da noch alles an Problemen kommen kann“, sagte Reiter.