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Angst vor einem Windrad-Riegel

 Schon jetzt blicken die Biringer auf viele Windräder, die in Frankreich errichtet wurden. Foto: Ruppenthal
Schon jetzt blicken die Biringer auf viele Windräder, die in Frankreich errichtet wurden. Foto: Ruppenthal FOTO: Ruppenthal
Merzig. Bei der Infoveranstaltung von Stadtwerken Merzig und Ökostrom Saar zu den geplanten Windrädern an der Grenze am Montag machten Anwohner ihrem Unmut Luft – über die Pläne und mangelnde Informationen. Von SZ-Redakteurin Margit Stark

Sind die Computeranimationen, wie sich die Windräder bei Silwingen und Büdingen in die Landschaft einfügen, realistisch oder nicht?: Eine von vielen Fragen, über die im Schulungsraum der Merziger Feuerwehr gestritten wird. Die Angst grassiert, dass durch die 13 geplanten Windräder, von denen vier auf deutscher Seite und neun auf französischer Seite hochgezogen werden sollen, Gesundheit, Lebensqualität und Natur der Anwohner gefährdet wird. "Bislang habe ich von meiner Terrasse aus Wald und Äcker gesehen. Bald sehe ich nur noch ‚Flittschen'", argwöhnt Peter Massonne aus Silwingen - eine Aussage, die das Gros der rund 40 Zuhörer mit Beifall quittiert. Sein Haus, für das er ein Leben lang gearbeitet hat, kann er nach seiner Darstellung abschreiben. Es wird nach seiner Ansicht nichts mehr wert sein. Erneuter Applaus brandet auf, als einer der Zuhörer konstatiert: "Die Anwohner sind die Geschädigten, sie können sich ihr Eigentum sonstwo hinschieben."

Sorge um Gesundheit

Um das Wohlergehen von Mensch und Pferden und die Existenz von Familie Hammes auf dem Heidwaldhof sorgt sich Marie-Therese Jungmann aus Silwingen. "Sind die Leute vom Aussiedler-Hof weniger wert?" Warum die Frage sie umtreibt. Statt der 1000 Meter Abstand wie zum Wohngebiet soll der Aussiedlerhof nur 700 von einem Windrad entfernt sein. Die Gesundheit von Tier und Mensch sieht die Ärztin in Gefahr, ebenso wie die Existenz des Reiterhofes. "Pferde sind gegenüber Geräuschen sehr empfindlich." Auch die Berechnungen des Schattenwurfs zweifelt sie an. "Hat das einer nachgemessen?" Zudem bringen Zuhörer ihre Furcht vor Lärmbelästigung zum Ausdruck - eine Besorgnis, die Henry Selzer von der Bürgerenergiegenossenschaft (BEG) Hochwald auf den Plan ruft. Für den Vorstandsvorsitzenden der BEG, die als Mitbetreiber des deutschen Windparks vorgesehen ist, steht fest: Wenn es zu laut wird, muss nachgerüstet werden - wie bei den Windrädern auf der Wahlener in Losheim. Auf Proteste von Bürgern hatten Richter des Verwaltungsgerichts leisere Anlagen verlangt. "Mit der idyllischen Landschaft und den Kunstwerken Steine an der Grenze braucht man auch nicht mehr zu werben", klagt Ursula Kleber aus Silwingen.

"Es geht um unsere Heimat und die Landschaft. Sie wird durch die Ansammlung von Windrädern zerstört", werfen Karl und Christel Dickmann aus Biringen ein. Werden die Planungen der Betreiber Wirklichkeit, blicken die Bewohner des Ortsteils von Rehlingen-Siersburg bald auf 32 Anlagen, haben sie errechnet. Längst haben sie sich zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen, um sich gegen die Vielzahl von Windrädern zu wehren. Ihr Name: Initiative Windräder Waldwisse-Launstroff.

Cattenom läuft weiter

"Es geht um unser Leben", wirft das Ehepaar ein - und um die Natur, wie Mitstreiter Peter Buchwald ergänzt. Ganz gleich, ob Rotmilan, Schwarzstorch oder die große Hufeisennase, eine seltene Fledermausart: Sie sind nach Darstellung von Buchwald in dem Bereich zu finden. Auch befürchtet er, dass der Zug der Vögel, wie etwa der der Kraniche und Weißstörche, gefährdet ist. "Im April 2012 habe ich sechs Weißstörche bei der Rast auf dem Heidwaldhof fotografiert." Dass die Franzosen das Atomkraftwerk Cattenom abschalten, wenn die Windräder in Betrieb sind, verweist Peter Dickmann aus Biringen - wie andere Zuhörer auch - ins Reich der Märchen. "Die haben gerade die Laufzeit verlängert."

Derweil steht für Bürgermeister Fredi Horf fest: "Wir können nicht auf der einen Seite von den Franzosen verlangen, dass sie Cattenom abschalten, auf der anderen Seite gegen den Bau ihrer Windräder vorgehen." Durch die Festlegung von Konzentrationszonen soll Wildwuchs verhindert werden”, macht Horf die Marschrichtung der Verantwortlichen aus dem Rathaus und dem Stadtrat klar. "Und wir wollen keinen Wildwuchs an der Grenze", sagt Biringens Ortsvorsteher Ludwin Weidig. "Ich will einen Plan für den Grenzbereich. Denn alle Windräder werden auf die Grenze geknallt."Schon die Art der Einladung zu dem Infoabend sorgt für Unmut: "Warum sind Sie nicht raus nach Silwingen gekommen?", wird Daniel Barth, Geschäftsführer der Merziger Stadtwerke und Gastgeber des Abends, gefragt. "Warum mussten die Silwinger nach Merzig kommen?" - eine Kritik, der sich Anwohner Manfred Schwarz anschließt: "Warum wurde nur ein bestimmter Personenkreis eingeladen? Das Thema interessiert doch alle Silwinger und Büdinger!"

"Wir haben die Leute namentlich angeschrieben, die von Ortsvorsteher Wolfgang Käfer mehr Informationen über die geplanten Windräder angemahnt haben", kontert Barth - eine Antwort, die der Silwinger Ortsvorsteher nur bestätigen kann.

Den Vorwurf, dass die Bevölkerung im Vorfeld nicht ausreichend informiert sei, will Bürgermeister Manfred Horf nicht auf sich sitzen lassen: Ob Sitzungen des Stadtrates oder des Ortsrates, in denen darüber diskutiert wurde: Alle Termine seien bekannt gemacht worden. Aus den Reihen der Silwinger regt sich Widerspruch. Sie seien nicht informiert worden. Auch das Kontra der Biringer lässt nicht auf sich warten. "Wir sind aus dem Kreis Saarlouis. Da kriegen wir keine Merziger Ausgabe", sagen Karl Dickmann und Peter Buchwald. "Wir sind ohne irgendeine Information mit der Tatsache konfrontiert worden, dass diesseits und jenseits der Grenze am nördlichen Rand des Dorfes ein Riesen-Windpark mit mindestens 32 Windrädern entstehen soll."