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| 20:39 Uhr

NS-Zeit
Angehörige von NS-„Euthanasie“-Opfern halten Namen geheim

Koblenz. Das Schicksal vieler Mordopfer der Nazis bleibt im Dunkeln. Der Präsident des Bundesarchivs nannte das bei einer Tagung in Koblenz „irritierend“.

Der Präsident des Bundesarchivs hat den heutigen Umgang mit den Namen der Opfer des grausamen „Euthanasie“-Programms der Nazis kritisiert. „Das irritiert mich ungemein“, sagte Michael Hollmann am Mittwoch in Koblenz. Während sehr viele Namen jüdischer Opfer in einem Online-Gedenkbuch des Bundesarchivs zu finden seien, gibt es laut Hollmann bis jetzt Widerstände von Angehörigen-Verbänden, auch die Namen ermordeter Kranker und Behinderter zu veröffentlichen. Ursache sei wohl die Angst vor Stigmatisierung der heutigen Familien, etwa wegen vermeintlicher Erbkrankheiten der getöteten Vorfahren.

„Ich finde das gruselig“, sagte der Archivpräsident bei einer Tagung zu „Rassenhygiene“, Zwangssterilisationen und Krankenmorden in der NS-Zeit auf dem Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz. Es gehe um die Möglichkeit des würdigen Gedenkens wie im Fall jüdischer Opfer. Angerufene Datenschutzbeauftragte täten sich hier schwer mit einer klaren Position. Im Gespräch ist laut Hollmann, wenigstens eine Liste von „Euthanasie“-Opfern mit Einschränkungen ins Internet zu stellen. Wenn jedoch die Namen nicht vollständig wären und sich nicht auch Wohnort, Klinik und Tötungsanstalt recherchieren ließen, brächte das wenig, betonte der Präsident des Bundesarchivs.

Dem „Euthanasie“-Programm der Nazis waren rund 300 000 Menschen zum Opfer gefallen. Viele davon waren zuvor zwangssterilisiert worden. Die NS-Machthaber hatten sie als „lebensunwert“ eingestuft.

Der Präsident des rheinland-pfälzischen Landtags, Hendrik Hering (SPD), sagte, die Erinnerung an diese Verbrechen sei eine bleibende Verpflichtung. Es gehe um das Gedenken und darum, „aus der Geschichte zu lernen“. Der Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit, Dieter Burgard, sagte, noch in den 1970er Jahren seien Bürger beim Versuch, das Schicksal ihrer ermordeten Angehörigen zu ergründen, auf eine Mauer des Schweigens gestoßen. Burgard beklagte, dass es immer noch Petitionen gegen den Bau neuer Wohnheime für Behinderte gebe. Er betonte, die Wahlfreiheit bei Schulen und der Zugang zum ersten Arbeitsmarkt seien für diese Menschen wichtig.