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An des Landes höchstem Punkt

Leider aussichtslos: Der höchste Saarland-Gipfel. Dafür gibt es viel Mischwald zu sehen. Fotos: Wein
Leider aussichtslos: Der höchste Saarland-Gipfel. Dafür gibt es viel Mischwald zu sehen. Fotos: Wein
Nohfelden. Zum "Siebenhunderter" hat es für das Saarland knapp nicht gereicht - rein topographisch betrachtet. Der Dollberg auf dem Gebiet der Gemeinde Nohfelden kratzt nur an der 700-Meter-Marke. Er bringt es auf genau 695,4 Meter über dem Meeresspiegel. Der Höhenzug der Dollberge liegt hoch im Norden des Saarlandes, direkt an der Landesgrenze Von SZ-Mitarbeiter Wulf Wein

Nohfelden. Zum "Siebenhunderter" hat es für das Saarland knapp nicht gereicht - rein topographisch betrachtet. Der Dollberg auf dem Gebiet der Gemeinde Nohfelden kratzt nur an der 700-Meter-Marke. Er bringt es auf genau 695,4 Meter über dem Meeresspiegel. Der Höhenzug der Dollberge liegt hoch im Norden des Saarlandes, direkt an der Landesgrenze. Das ist "ein für den Hochwald typischer lang gezogener Bergrücken, von dem nur der südwestliche Zipfel im Gebiet des Saarlandes liegt", heißt es im Internetportal "Saarlandbilder.net". Wer mit dem Auto von Otzenhausen in Richtung Primstalsperre und Neuhütten fährt, hat den Höhenzug rechts von sich. Der berühmte keltische Ringwall befindet sich übrigens direkt an den Dollbergen. Die Kelten nutzten bereits vor weit mehr als 2000 Jahren diese Anhöhe, um ein Verteidigungs-Bollwerk beziehungsweise eine Fliehburg zu errichten. Aber das sei nur nebenbei erwähnt.Mit dem Erklimmen des Dollberges ist es so eine Sache, wenn man das Ganze etwas zu leicht nimmt. Natürlich warten keine hochalpinen Schwierigkeiten beim Anstieg, und auch das Wetter muss der Kraxler nicht ständig beobachten. Wer jedoch - wie der Autor - meint, er müsse ohne vernünftige Karte und festes Schuhwerk zum Gipfelsturm aufbrechen, der sollte sich nicht wundern, wenn der Ausflug zum Hindernislauf ausartet.


"Wo ist denn nun eigentlich dieser Hubbel?", fragt meine Begleiterin leicht genervt, nachdem wir schon 50 Minuten durchs Gelände irren, anstatt gezielt in die Höhe zu streben. Der folgende Querfeldein-Trip bergan ruiniert das Schuhwerk, denn die Kelten haben offenbar eine große Anzahl ziemlich spitzer Steine beim Aufschütten ihres Ringwalls schlichtweg übersehen. Die liegen alle hier. Aber immerhin landen wir irgendwann auf dem Kamm und stehen bald vor einem Hinweisschild, das den Dollberg offiziell als "höchste Erhebung des Saarlandes" ausweist.

"Aha", denke ich, "so sieht es also an des Landes höchstem Punkt aus!" Überaus beeindruckend ist das nicht. Rund um den Gipfel befindet sich wildromantischer Mischwald. Ein freier Ausblick in die Ferne wird dem Dollberg-Besteiger somit nicht geboten.



Künstliches Podest?

Immerhin bleibt das befriedigende Gefühl, es bis knapp ran an die 700-Meter-Grenze geschafft zu haben. Vielleicht kommt ein pfiffiger Saarländer demnächst auf die Idee, etwas Erde und diverse Steine zusammenzusuchen, um den Dollberg ein bisschen zu erhöhen. Es sollte ja wohl nicht allzu schwierig sein, die paar Meter bis zur 700er Marke noch zu packen - und sei es mit einem künstlichen Podest.

Solcherlei Gedanken mögen eventuell der dünnen Luft oben auf dem Höhenzug geschuldet ein. "So etwas verbietet sich wohl von selbst", merkt meine Frau kritisch an: "Es ist so, wie es ist." Nach dieser Klarstellung bleibt nur der Rückzug beziehungsweise Rückmarsch ins Tal. Der geht gen Neuhütten auf rheinland-pfälzischer Seite und klappt erstaunlich reibungslos. Bei dieser Gelegenheit fällt dem Hobbywanderer positiv auf, dass der Saar-Hunsrück-Steig sehr malerisch-naturbelassen ist und streckenweise mehr einem Pfad als einem viel begangenen Premiumweg ähnelt. In Neuhütten ist der Ausflug beendet. Dort ist zu erfahren, dass es auch den "Wintersportplatz Dollberg" gibt: Direkt an einem breiten Hang oberhalb des Ortes lädt eine 300 Meter lange Piste dazu ein, sie zu befahren, wenn es die Schneeverhältnisse zulassen. Ab und zu muss es sich unser höchster Berg also gefallen lassen, dass ihm Leute den Buckel runterrutschen. Zum Glück passiert das jenseits der Grenze, nicht hier zu Lande!

Auf einen Blick

Vom Parkplatz an der Primstalsperre ist der Dollberg über den Weg zum keltischen Ringwall Otzenhausen und danach über den Saar-Hunsrück-Steig zu erreichen. Die Gesamtstrecke beträgt hin und zurück gut sechs Kilometer. Von Neuhütten ist die höchste Erhebung des Saarlandes ebenfalls über den Saar-Hunsrück-Steig zu erklimmen. Diese Tour ist insgesamt rund vier Kilometer lang. Eine gute Wanderkarte und festes Schuhwerk sind empfehlenswert. in