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An den Titel denken sie schon nicht mehr

Saarbrücken. Die Metallkugeln klacken, als sie aufeinander treffen. Eine Kugel springt aus dem etwa vier Meter breiten und 15 Meter langen Feld, die andere nimmt ihren Platz ein. Vereinzelt spritzen Schottersteine in die verschiedenen Richtungen. Die geworfene, bis zu 800 Gramm schwere Kugel hat sich ein auf dem Spielfeld festgesetzt, bis die nächste Kugel sie wieder verdrängt Von SZ-Mitarbeiter Kai Rixecker

Saarbrücken. Die Metallkugeln klacken, als sie aufeinander treffen. Eine Kugel springt aus dem etwa vier Meter breiten und 15 Meter langen Feld, die andere nimmt ihren Platz ein. Vereinzelt spritzen Schottersteine in die verschiedenen Richtungen. Die geworfene, bis zu 800 Gramm schwere Kugel hat sich ein auf dem Spielfeld festgesetzt, bis die nächste Kugel sie wieder verdrängt.Bis zu 1500 Kniebeugen Die Spieler ballen die Faust als Zeichen des Jubels oder blasen die Backen auf, um ihrer Unzufriedenheit Luft zu machen. Diese Szenen spielen sich auf dem 25. Bouleturnier Salut Saarbrücken ab, das von den Pétanquefreunden Saarbrücken ausgerichtet wird. Bei dem Doublette-Turnier, bei dem jeweils zwei Spieler mit je drei Kugeln eine Mannschaft bilden, sind auch die Spieler des Heimvereins dabei. Sie treten mit viel Ehrgeiz an, auch wenn der Spaß nicht zu kurz kommt. Vor der Partie lachen und scherzen sie noch. Doch wenn das Duell beginnt, werden ihre Mienen konzentrierter und verbissener. Denn Konzentration und Präzision dürfen nicht fehlen. Gilt es doch, seine eigenen Kugeln näher an das Ziel, eine kleine Holzkugel (auch Schweinchen genannt), zu platzieren als die des Gegners. Und auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, ist auch Kondition erforderlich. "Eine Partie kann zwei bis drei Stunden dauern. An einem Turniertag kommen da schon einige Kilometer und 1500 Kniebeugen zusammen", verdeutlicht Dirk Hoppe von den Pétanquefreunde Saarbrücken. Da steht den Spielern gegen Ende der Partie teilweise auch der Schweiß auf der Stirn. Und der Schweiß dürfte den Spielern der Pétanquefreunde auch im April am ersten Spieltag der Bundesliga, in die sie vor dieser Saison dank ihres zwölften Landesmeister-Titels aufgestiegen sind, gestanden haben. Denn sie verloren gegen Hamburg (1:4), Düsseldorf (1:4) und Hannover (2:3) alle drei Begegnungen. Dabei besteht eine Begegnung aus drei Doublettes und zwei Triplettes (drei gegen drei mit zwei Kugeln je Spieler). So finden sich die Saarbrücker am Tabellenende wieder.Keine reine Männer-Domäne Dabei weist die Mannschaft deutlich mehr Potenzial auf, wie Präsident, Trainer und Spieler Volker Jakobs erklärt: "Unser erklärtes Ziel war die Meisterschaft. Denn von den Einzelspielern sind wir die stärkste Mannschaft Deutschlands", erklärt er selbstbewusst mit Blick auf die nationalen Titel und Teilnahmen einzelner Spieler an Weltmeisterschaften. Er ergänzt einsichtig: "Das können wir natürlich jetzt vergessen. Unser Ziel ist der Klassenverbleib, den wir aber auch problemlos schaffen werden." Überhaupt scheint die Mannschaft mit dem missglückten Saisonauftakt locker umzugehen. "Das war ein einmaliger Ausrutscher - ein Dämpfer zur rechten Zeit", erklärt Dirk Hoppe. Morgen steht der nächste Spieltag auf dem Programm. Dann treffen die Saarbrücker auf dem Stuttgarter Schlossplatz (ab 10 Uhr) auf die Mannschaften aus Hauenstein, Freiburg und Weinheim. "Dort müssen wir mindestens zwei der drei Begegnungen gewinnen, um den Anschluss an das Mittelfeld wieder herzustellen", gibt Hoppe die Devise vor. Dabei wird sich die Aufstellung im Vergleich zum ersten Spieltag wohl verändern: Denn der Pétanque-Sport, der seinen Ursprung in der französischen Stadt La Ciotat nahe Marseille hat und zunächst von Urlaubern gespielt wurde, ist keine Männer-Domäne. So gehören auch drei Frauen dem Bundesliga-Kader der Saarbrücker an. "Es spielen schon mehr Männer. Doch ich fühle mich nicht ausgegrenzt", erzählt Monika Thielen, die durch ihre Eltern und Großeltern ihre Begeisterung für den Sport entdeckte. Sie wird am zweiten Spieltag ihr Bundesliga-Debüt geben und versuchen, dem Team auf dem Weg zum ersten Sieg zu helfen.




Auf einen BlickDas Bundesliga-Team der PF Saarbrücken: Sascha Löh, Dirk Hoppe, Stephan Schwitthal, Harald Khadouma, Andreas Ludwig, Christiane Naumann, Oliver Mohr, Tanja Löh, Christoph Naumann, Monika Thielen und Volker Jakobs.Die restlichen Spieltage: 2. Spieltag am 23. Mai in Stuttgart (Schlossplatz) gegen Boulefreunde Hauenstein, FT 1844 Freiburg und TSG Weinheim-Lützelsachsen. - 3. Spieltag am 29. August im Stadion des TV 1877 Mannheim-Waldhof gegen Boule Club Saarwellingen, 1. Pétanque Club Viernheim, 1. BCP Bad Godesberg. - 4. Spieltag am 30. August im Stadion des TV 1877 Mannheim-Waldhof gegen 1. Boule Club Kreuzberg und Boule Club Tromm. rix