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Untersuchungen
Drogen im Abwasser – Saarbrücken nimmt europaweite Spitzenposition ein

 Wieso gelangen so viele Amphetamin-Rückstände in Saarbrücker Abwässer? Darüber gibt eine Europa-Studie keine Auskunft. (Symbolbild)
Wieso gelangen so viele Amphetamin-Rückstände in Saarbrücker Abwässer? Darüber gibt eine Europa-Studie keine Auskunft. (Symbolbild) FOTO: dpa / Oliver Berg
Saarbrücken . Die saarländische Hauptstadt hat im Vorjahresvergleich die unrühmliche Spitzenposition noch gefestigt. Das Gesundheitsministerium ist alarmiert. Stadtvertreter hingegen halten das Studienergebnis für fragwürdig. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Nach der jüngsten Wasserstudie der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht hat sich die Zahl derer, die in Saarbrücken Amphetamine (Aufputschmittel) nehmen, binnen eines Jahres erhöht. Dabei kontrollierten die Experten, wie stark die Abwässer mit entsprechenden Rückständen belastet sind. Dann zogen sie im Vergleich zur Einwohnerzahl Rückschlüsse auf den Konsum.


Mit Abstand auf dem ersten Platz

Bereits 2018 nahm die saarländische Landeshauptstadt im Europavergleich auf dem damals dritten Rang eine Spitzenposition ein. Innerhalb eines Jahres rückte die Stadt sogar auf den unrühmlichen ersten Platz vor. Dahinter folgen mit Abstand die isländische Hauptstadt Reykjavik und Oslo (Norwegen). Die nächsten deutschen Städte folgen im Europavergleich auf dem zehnten Platz (Dortmund) sowie Berlin direkt dahinter.



Neue Gespräche zur Ursache angekündigt

Bereits im Vorjahr hatte Stephan Kolling (CDU) als Drogenbeauftragter der saarländischen Landesregierung das Ergebnis als „erschreckend“ gewertet und angekündigt, die Suchthilfe neu zu organisieren. Nach der neuerlichen Studie, die Saarbrücken ein noch schlechteres Ergebnis attestiert, kündigt der Staatssekretär im Gesundheitsministerium „Werkstattgespräche mit allen Akteuren“ an, um die Ursachen des Amphetamin-Konsums zu ergründen.

Abwässer aus der Region?

Kritik an der Europa-Expertise kommt aus dem Rathaus der Landeshauptstadt. Hier zweifelt Sicherheitsdezernent Harald Schindel (Linke) an den Ergebnissen. Er nennt sie in einer Pressemitteilung „fragwürdig“. So sei unter anderem nicht berücksichtigt, dass in die beiden Saarbrücker Kläranlagen nicht nur Abwässer „aus Saarbrücker Haushalten, sondern auch aus anderen saarländischen und einigen lothringischen Gemeinden gespeist“ würden. Die Fremdabwässer machten anteilsmäßig 30 Prozent aus.

Kritik an zugrunde gelegter Einwohnerzahl

Unberücksichtigt bliebe zudem, ob Amphetamine in Saarbrücken überdurchschnittlich oft zu medizinischen Zwecken verabreicht werden. Ungeklärt bliebe die Reinheit der Amphetamin-Dosen und damit die Konzentration, die das Wasser belastet. Abweichungen entdeckt Schindel zudem bei der Angabe der Einwohner. So legten die Macher der Studie 203 983 Saarbrücker zugrunde. Diese liege indes aktuell bei unter 200 000. Berücksichtigten sie aber die aller eingeleiteten Abwässer aus der Region, müssten „etwas über 250 000 Menschen gezählt werden.

Nur wenige deutsche Großstädte einbezogen

Was den städtischen Sicherheitsexperten besonders aufstößt: Viele deutsche Großstädte seien gar nicht von der Studie erfasst. Insgesamt beteiligten sich 16 deutsche Städte an der Wasserstudie. Darunter tauchen auf hinteren Plätzen unter anderem Berlin, Erfurt und Dülmen auf.