| 17:40 Uhr

Saarbrücken
Schiedsrichter bewerten Terrorübung

Der Amokläufer ist in der Terrorübung zur Strecke gebracht. Davor haben Spezialkräfte die Schule gestürmt, den Täter überwältigt, die Schüler aus dem Gebäude gebracht und Erste Hilfe geleistet.
Der Amokläufer ist in der Terrorübung zur Strecke gebracht. Davor haben Spezialkräfte die Schule gestürmt, den Täter überwältigt, die Schüler aus dem Gebäude gebracht und Erste Hilfe geleistet. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Im Schulzentrum Illingen haben Polizei-Spezialkräfte einen Amoklauf durchgespielt: eine bislang in dieser Form einmalige Übung. Von Becker & Bredel

„Spätestens nach Erfurt hatten wir erkannt, dass es bei unseren Spezialeinheiten Fähigkeitslücken gibt, vor allem im Bereich der Notfallmedizin“, sagt Polizeirat Dieter Debrandt, Leiter der Spezialeinheiten bei der saarländischen Polizei. Und die übte am Samstag in Illingen einen Amoklauf mit realistisch vielen Teilnehmern, Opfern und Toten in einer Schule. „Wenn wir da reingehen, wo ein Täter um sich geschossen hat, dann haben wir eine rote Zone. Wir haben Schwerverletzte vor uns und den oder die Täter noch dazu. Deswegen bilden wir die Beamten seit Jahren auch als Sanitäter aus. Alle Mitarbeiter werden geschult“, so Debrandt, dessen Leute am Samstag eine Schule stürmten, Täter überwältigten, Schüler aus dem Gebäude brachten und gleichzeitig Erste Hilfe leisteten.


Terrorübung in Illingen FOTO: BeckerBredel

Innenminister Klaus Bouillon, Sozialministerin Monika Bachmann (beide CDU) und Experten beobachteten die Übung, die nicht nur dem Training der Polizei galt. Auch der saarländische Rettungsdienst und die Kliniken waren eingebunden und das in dieser Weise erstmals. 84 Rettungsdienstkräfte waren dabei, 50 vom Roten Kreuz vorher unterwiesene und geschminkte Darsteller spielten die Opfer. „Die Verletzten-Darsteller lassen die Kräfte fast vergessen, dass es nur eine Übung ist“, lobte Debrandt deren Engagement.



Minister Bouillon gab als Übungszweck an, die Kommunikation zwischen den Organisationen zu trainieren: „Die Koordination ist die größte Schwierigkeit.“ In der Übung zeigte sich das schnell. Schiedsrichter notierten Fehler. „Die Nachbearbeitung wird Wochen dauern, wir lernen daraus“, so Bouillon. Professor Tim Pohlemann von der Uniklinik in Homburg beobachtete die Arbeit der Kliniken: „Bei Amokläufen entstehen Kriegsverletzungen. Die erfordern höchsten Einsatz nicht nur vor Ort, sondern bis in die Operationssäle hinein. Das trainieren wir in der Übung. Wir haben im letzten Jahr landesweit 30 Chirurgen dafür geschult. Diese Bereitschaft soll erhalten bleiben.“

Amokläufe kommen in Deutschland nicht oft vor, aber regelmäßig: 2016 tötet in München ein 18-Jähriger neun Menschen und verletzt 27. 2009 tötet ein 17-Jähriger in Winnenden 16 Menschen, 2002 tötet ein 19-Jähriger in Erfurt ebenfalls 16 Menschen.