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Neues Lager des Versandriesen
Amazon eröffnet neues Lager in der Pfalz

Der Onlinehändler Amazon expandiert weiter. Im pfälzischen Frankenthal eröffnete im August ein neues Riesenlager wie hier in Leipzig.
Der Onlinehändler Amazon expandiert weiter. Im pfälzischen Frankenthal eröffnete im August ein neues Riesenlager wie hier in Leipzig. FOTO: dpa / Amazon
Frankenthal. In Frankenthal hat sich der Versandriese angesiedelt. Das US-Unternehmen bringt viele Arbeitsplätze in die Pfalz – aber auch umstrittene Methoden. Von Christof Paulus

An der Decke surren Leuchtröhren, weißes, kaltes Licht strahlt von der Decke zwischen die Regale, vollgepackt mit allem, was man kaufen kann: Bücher, DVDs oder Vibratoren. Die Räder an den schwefelgelben und matt-silbernen Wagen klappern durch die Reihen, die Menschen dahinter schieben sie vor sich hin. Sie alle gehen einkaufen. Aber für Leute, die sie nicht kennen und nie kennen lernen werden. Auch in Frankenthal in der Vorderpfalz hat das moderne Shoppen begonnen. Anfang August eröffnete Amazon dort ein Lager mit über 1000 Mitarbeitern.


Stadt und Region freuen sich über das neue Logistikzentrum und die vielen Arbeitsplätze. „Das sichert Frankenthal als Wirtschaftsstandort und stärkt die Wirtschaftskraft unserer Region“, ist Xenia Schandin, Sprecherin der Stadt, überzeugt. Gerade in Frankenthal und im benachbarten Ludwigshafen werden neue Stellen händeringend gesucht.

Häufig siedelt sich Amazon in ländlichen Gegenden an, denn das Unternehmen profitiert von der Region. Dort ist Platz für ein Lager von der Größe eines 300-Einwohner-Dorfes. In einem Umfeld mit vergleichsweise hoher Arbeitslosigkeit und niedrigem Lohnniveau stellt Amazon einen attraktiven Arbeitgeber dar. Frankenthal selbst kann außerdem mit den nahe am Lager gelegenen Autobahnen A 6 und A 61 aufwarten. Das Lager wird, wie alle anderen in Deutschland, nach dem nächstgelegenen internationalen Flughafen Frankfurt benannt: FRA7.



Amazon wirbt mit einem Stundenlohn von 11,25 Euro brutto zum Einstieg um Versandmitarbeiter in Frankenthal. Außerdem gebe es Zusatzleistungen wie Boni und Rabatte sowie eine kostenlose Berufsunfähigkeits- und Lebensversicherung. Auf einer Amazon-Seite wird ein Arbeitsvermittler der Agentur für Arbeit mit den Worten zitiert: „Amazon bietet ein sehr gutes Paket und einen guten Verdienst. Wenn man motiviert ist, hat man sehr gute Aufstiegs- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten.“

Allerdings wird immer wieder Kritik an Amazon wegen der Arbeitsbedingungen laut. Auch die Gewerkschaft Verdi kritisiert Amazon, etwa für die eingesetzte Videotechnik, die laut Amazon-Sprecher Thorsten Schwindhammer „in Übereinstimmung mit allen in der EU und in Deutschland geltenden Datenschutzgesetzen“ sei und dem Diebstahlschutz diene. Im Lager in Graben bei Augsburg findet sich aber dennoch mindestens eine Kamera, die augenscheinlich in die beiden Umkleidekabinen im Spind­raum filmen kann. Solche Kameras hält die Gewerkschaft Verdi für „nicht zu rechtfertigen“, wie Lena Widmann von der Gewerkschaft sagt. Verdi werde mit Amazon auch in Frankenthal diverse Kämpfe auszutragen haben. Die Gewerkschaft beklagt, dass Amazon die Zusammenarbeit meide. Schwindhammer bestreitet dies auch gar nicht. Er verweist auf die Betriebsräte, mit denen Amazon „konstruktiv zusammenarbeitet“, und: „Eine weitere Partei mit Verdi brauchen wir nicht.“

Amazon nutzt jede Neuansiedlung für technische Innovationen. In Frankenthal werden Roboterfahrzeuge unter den Regalen diese nun zu den Arbeitern an den Platz bringen. Die Mitarbeiter seien so geschult, dass sie in allen Abteilungen arbeiten können, wie Schwindhammer sagt. Arbeitsplatzwechsel kennt auch Johannes Weingärtner: Der Saarländer leitet den neuen Standort in Frankenthal. Zuvor hatte er die gleiche Position am bayerischen Standort Graben inne.