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Altes Pfarrhaus wird Musikantenhaus

Konfeld. Am 19. März wurde der Übernahme-Vertrag unterzeichnet - 122 Jahre nach der Gründung des Vereins. Und nach 122 Jahren ohne feste Bleibe. Geprobt wurde zeitweilig in Gasthaus-Sälen, in der Grundschule, sogar im damaligen Rohbau des Weiskircher Hallenbads Von SZ-Mitarbeiterin Trraudl Brenner

Konfeld. Am 19. März wurde der Übernahme-Vertrag unterzeichnet - 122 Jahre nach der Gründung des Vereins. Und nach 122 Jahren ohne feste Bleibe. Geprobt wurde zeitweilig in Gasthaus-Sälen, in der Grundschule, sogar im damaligen Rohbau des Weiskircher Hallenbads. Schließlich konnten die Musiker vor 20 Jahren das alte Pfarrhaus pachten, nachdem Konfeld keine eigenständige Pfarrei mehr war und die ersten Mieter - Sozialstation und Jugendzentrum - ausgezogen waren. Historisches Gebäude Viel Geld und Kraft hat der Verein seither in die Renovierung des historischen Baus gesteckt. Aber nun lief der Pachtvertrag aus, und die Pfarreiengemeinschaft Weiskirchen wollte das Haus verkaufen. Damit drohte den Hochwald Musikanten erneut Heimatlosigkeit. So wurde, nach zähen Verhandlungen, die Last gestemmt, das Gebäude gekauft und über einen Kredit finanziert. DRK ist Untermieter Im März wurde der Vertrag mit Pfarrer Joachim Haupenthal unterzeichnet. Als Untermieter haben die Hochwald Musikanten mit dem DRK-Ortsverband einen langjährigen Mietvertrag abgeschlossen und geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Außerdem wurde der Kirchengemeinde das Recht zur weiteren Nutzung verschiedener Räume vertraglich zugesichert. Das 1705 erbaute Pfarrhaus - ein echter Hingucker - liegt mitten im 1100 Seelen zählenden Ort Konfeld. Äußerlich hat sich das Haus in diesen 300 Jahren doch wesentlich verändert. Die große Linde, die man auf alten Fotos noch sieht, gibt es zwar nicht mehr, sie musste 1967 der Garageneinfahrt weichen. Aber der Mammut-Baum hinterm Pfarrhaus ist noch da, den der damalige Pfarrer Joseph Uthoff nach Überlieferung 1910 aus dem "Gelobten Land" mitbrachte. 18 Pfarrer haben bis 1977 das Haus bewohnt - erster war, von 1705 bis 1746, Daniel Heverling, letzter von 1965 bis 1977 Johannes Müller. Und nun gehört es den "Original Schwarzwälder Hochwald Musikanten". Bei der Gründung 1887 hatte der Verein sieben Mitglieder - und das Hochwald-Dorf schrieb sich noch mit "C" - Confeld. Die Entwicklung war, bedingt durch die Kriege, wechselhaft, die Namensgebung auch - vom "Jünglings-Musikverein Lyra" bis "Harmonie Konfeld". 1953 dann die Neugründung nach dem Zweiten Weltkrieg - und 1977 das erste ganz große Jubiläum: "90 Jahre Blasmusik". Seither erkennt man an der Chronik lebhafte Tätigkeit: Seit 1979 gibt es regelmäßige Kurkonzerte in Weiskirchen, Jahreskonzerte in der Weiskircher Hochwaldhalle. Im Dezember 2008 fand das 250. Kurkonzert statt, und die Hochwald-Touristik Weiskirchen bedankte sich mit einer Ehren- und Dankesurkunde beim Verein. Viele Gastspielreisen sind verzeichnet - nach Oberbayern, Österreich, Luxemburg, Frankreich, Auftritte auf der Insel Mainau. Zahllose Sendungen übertrug der Saarländische Rundfunk, mehrere CDs wurden aufgenommen. Riesig 1987 das Fest zum hundertjährigen Bestehen mit der Übergabe der "Pro Musica Plakette" durch Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Erfolgreiche Jugendarbeit Toller Erfolg 1999: Der 2. Preis bei Wettbewerb des Bundes Saarländischer Musikvereine für besonders erfolgreiche Jugendarbeit, die in Zusammenarbeit mit der Kreismusikschule Merzig geschieht. Aber der Verein spielt auch bei allen kirchlichen Anlässen in der Gegend - bei den Prozessionen zum Beispiel - und wirkt auch mit bei Jubiläen von Nachbar-Musikvereinen. Dass aber die Hochwald Musikanten in Teilen Brasiliens wohl fast so bekannt sind wie die Berliner Philharmoniker hängt mit ihrem allerersten Dirigenten zusammen: dem Trompeter Johann-Wilhelm Sauer. Der wanderte 1901, wie viele Deutsche, nach Brasilien aus. Damals war das für den Verein traurig, später sollte es sich als Glücksfall erweisen: Die Erinnerung an den Dirigenten war nämlich 1991 Anlass zur ersten Brasilien-Reise der Hochwald-Musikanten, bei der natürlich auch Sauers Grab besucht wurde. Zwischen Rio de Janeiro und Porto Alegre im Süden waren die Musiker unterwegs und feierten riesige Erfolge. Die zweite Brasilien-Tournee folgte 1994, diesmal war auch Sao Paolo im Programm. In der Folge kamen Chöre und Orchester aus Brasilien in den Hochwald, immer wieder zum Beispiel der "Coro Masculino" aus Porto Alegre, der auch im Herbst wieder gastiert.



Auf einen BlickHeute hat der Verein 160 Mitglieder. Davon sind 40 Musiker. Klar, dass längst auch Mädchen und Frauen mit von der Partie sind. Vorstandsvorsitzender ist Helmut Luy, sein Stellvertreter Bernhard Koch, der früher lange Jahre selbst Vorsitzender war. Geschäftsführer ist Jürgen Schuler, Stellvertreter Andreas Koch, Schatzmeister Harald Becker, Sachverwalter Erik Scholl, Jugendleiterin Silke Spaniol, Jugendleiter David Hassler, Notenwart Marc Hassler, Beisitzer der Inaktiven Josef Spaniol. Ehrenmitglied Hans Koch, ehemaliger, langjähriger Geschäftsführer und Musikant des Orchesters, hat zu dem aktuellen Anlass eine Dokumentation "Altes Pfarrhaus wird Musikanten-Haus" verfasst. tbHintergrundAm 15. Mai ist nun ein Festabend im Proberaum des alten Pfarrhauses, mit viel Musik und festlichen Reden. Dabei wird Pastor Joachim Haupenthal dem Vorsitzenden Helmut Luy den Hausschlüssel überreichen. Und Ende des Jahres 2009, am 21. November, gibt es ein Jubiläumskonzert "30 Jahre Konzerte in der Hochwaldhalle" in Weiskirchen. Da feiert dann Berthold Koch sein 30-jähriges Jubiläum als Dirigent der "Original Schwarzwälder Hochwald Musikanten" aus Konfeld. Seit 1980 hat er ohne Unterbrechung bis heute alle Jahreskonzerte in der Hochwaldhalle in Weiskirchen dirigiert. tb