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Alte Grubenhäuser sollen ab 2009 fallen

Ludweiler. Die Tage der Neuen Ansiedlung in Ludweiler mit der Ringstraße, der Mittelstraße und der Grubenstraße sind gezählt. Das berichteten Joachim Schuch und Paul Scheid von der Deutschen Steinkohle AG (DSK) am Montag vor dem Ludweiler Ortrat und zahlreichen betroffenen Bürgern Von SZ-Mitarbeiter Horst Lange

Ludweiler. Die Tage der Neuen Ansiedlung in Ludweiler mit der Ringstraße, der Mittelstraße und der Grubenstraße sind gezählt. Das berichteten Joachim Schuch und Paul Scheid von der Deutschen Steinkohle AG (DSK) am Montag vor dem Ludweiler Ortrat und zahlreichen betroffenen Bürgern. Schuch rief in Erinnerung, dass diese ehemaligen Grubenhäuser in den 1920er Jahren gebaut wurden. Mit der Zeit sei dort ein großer Sanierungsstau entstanden. Durch veralteten Wohnraumzuschnitt - mit steilen Treppen und unzureichenden Sanitäranlagen - und erhebliche Grubenschäden sei das ganze Wohngebiet nach heutigem Maßstab nicht erhaltenswert. 53 Wohnungen sind leer83 Häuser mit 176 Wohneinheiten zählt die Neue Ansiedlung, die fast ganz im Eigentum der RAG steht. Wegzüge werden nicht mehr durch neue Mieter ausgeglichen; 53 Wohneinheiten stehen nach Schuchs Auskunft leer. Mit weiteren 17 Mietern wurden Gespräche geführt; 13 Mieter hätten ihre Bereitschaft erklärten, in modernere, teurere Ersatzwohnungen umzuziehen. "Die Zukunft der Siedlung ist endlich", sagte Schuch. Da an den leeren Häusern oft Vandalismus und wilde Müllablagerungen festzustellen seien, werde die DSK 2009 zunächst zehn Doppelhäuser abreißen. Sie will diesen Rückbau Zug um Zug nach Freiwerden weiterer Häuser fortsetzen. Die freien Grundstücke würden naturnah hergerichtet. Bereits in diesem Jahr würden in der Rosseler Straße die Anwesen Nummer 67 und 69, eine ehemalige Bäckerei, wegen starker Grubenschäden abgerissen. Die DSK-Vertreter betonten, dass bei Mietern der Neuen Ansiedlung prinzipiell nicht gekündigt werde. Ziel sei stets ein einvernehmlicher Wegzug. Ersatzwohnungen stünden in Fürstenhausen, Dorf im Warndt und auch in Ludweiler zur Verfügung. Behutsam will die DSK vor allem mit älteren Menschen umgehen, die zum Teil in zweiter und dritter Generation auf der "Kolonie" wohnen. Eine Galgenfrist haben vor allem die Bewohner der oberen Grubenstraße, die, so Schuch, zum Teil sicher bis weit nach dem Ende des Kohleabbaus an der Saar, also 2012, in zum Teil liebevoll hergerichteten Häuser wohnen bleiben werden. Die DSK werde auch nach Abbauende ihren Verpflichtungen in vollem Umfang nachkommen. Dabei werde sich aber zum Beispiel die Sanierung von Bürgersteigen auf ein Mindestmaß - Stichwort: Verkehrssicherungspflicht - beschränken. Sonderfall MoscheeDie fast abbruchreife Moschee an der Ecke Gruben-/Mittelstraße befindet sich - ein Sonderfall - in Privateigentum. Seit März, berichtete Yalcinkaya Beytullah, Vorsitzender des Türkischen Kulturvereins, seien wegen der ungewissen Zukunft die Bauarbeiten an der Moschee eingestellt. Eine Verlegung werde angestrebt, zumal nur noch ein kleiner Teil der türkischen Gemeinde in der Kolonie lebe. Auf Nachfrage von Ortsvorsteher Harald Willems teilte Barbara Traving-Ney (DSK) mit, dass RAG-Häuser schon wegen der starken Grubenschäden nicht an interessierte Privatleute verkauft würden. >Weiterer Bericht folgt.




Auf einen BlickDer Bergbau unter Ludweiler wurde 1999 eingestellt. Wie Axel Schäfer und Barbara Traving-Ney von der Deutschen Steinkohle AG (DSK) am Montag vor dem Ludweiler Ortsrat berichteten, herrsche jetzt Senkungsruhe; es seien keine Bergbau-Nachwirkungen mehr feststellbar. In den ersten fünf Monaten des Jahres seien noch 63 Meldungen zu Altschäden eingegangen, die nun abgearbeitet würden. Von 1283 Gebäuden im Bergbau-Gebiet erlitten 1100 Schäden. 245 davon waren Schieflagen. Bei 142 Häusern wurde Totalschaden registriert; 131 davon wurden bislang abgerissen. 152 Bauten wurden nachträglich gesichert. Jetzt könne man in Ludweiler wieder bauen. Nur wo es Grubenspalten gab, müsse man Bauanträge genau prüfen. hla