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Ladenschlussgesetz
Eine Allianz wirbt für den freien Sonntag im Saarland

Der Intendant des Saarländischen Staatstheaters, Bodo Busse
Der Intendant des Saarländischen Staatstheaters, Bodo Busse FOTO: Foto © Rich Serra - www.rich-se / Rich Serra
Saarbrücken/Zweibrücken. Angeführt von Ministerpräsident Tobias Hans (CDU), DGB-Landeschef Eugen Roth und den christlichen Kirchen hat die „Allianz für den freien Sonntag im Saarland“ die Bevölkerung aufgerufen, die bevorstehenden Adventssonntage nicht zu reinem Einkaufsstress und Konsum verkommen zu lassen. Von Udo Lorenz

Bei einem Pressegespräch im Saarländischen Staatstheater in Saarbrücken wandte sich die Allianz am Mittwoch gegen jegliche Bestrebungen, das bestehende Ladenschlussgesetz im Saarland aufzuweichen, und attackierte scharf die Regelung im Nachbarland Rheinland-Pfalz, das dem Outlet-Center in Zweibrücken zwölf verkaufsoffene Sonntage im Jahr beschere. Besinnung in oder außerhalb der Kirche, Familie und Freunde, Kultur oder Sport seien sonntags die bessere Alternative als zum Einkaufen zu fahren, hieß es.


„Als ursprünglich kirchliche und gewerkschaftliche Initiative bestehen wir schon seit Juli 2009, also fast zehn Jahre, und unser größter Erfolg ist, dass wir das saarländische Ladenschlussgesetz, das maximal vier verkaufsoffene Sonntag im ganzen Jahr erlaubt, verteidigt haben“, betonte Alex Sauer von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Saar. Beteiligt sind neben evangelischer und katholischer Kirche unter anderem auch die Synagogengemeinde Saar, die den Sabbat heilig hält, sowie andere gesellschaftliche Gruppen – teils auch aus Rheinland-Pfalz.

Ministerpräsident Tobias Hans (CDU), der wegen eines Termins in Berlin kurzfristig verhindert war, ließ seine Botschaft verlesen: „Der freie Sonntag ist ein Teil des christlichen Kulturerbes, der zu Ruhe und Besinnung dient. Ich lehne deshalb eine weitere Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen ab.“ Gewerkschafter Eugen Roth verwies auf die Schöpfungsgeschichte der Bibel („Am siebten Tage sollst Du ruhen“) und betonte: „Es ist ein Irrglaube, man könne sich am Sonntag beim Einkaufen erholen. Das belastet nur Beschäftigte und unter dem Strich wird am Ende kein Cent mehr verkauft“. Der Beauftragte der Evangelischen Kirchen für das Saarland, Frank-Matthias Hofmann, verteilte bunte Auto-Aufkleber „Sonntags nie einkaufen!“ und Flugblätter mit dem Titel: „...endlich Sonntag. Leben ist mehr als Arbeit, Produktion und Geld verdienen“.



Der Generalintendant des Saarländischen Staatstheaters, Bodo Busse sagte, am Theater sei zwar „der Sonntag einer der wichtigsten Spieltage“, aber dafür hätten die Beschäftigten einen tarifrechtlich zusätzlichen kunstfreien Montag – und auch Busse unterstützte den arbeitsfreien Tag als „Insel der Ruhe und Reflexion“.

Der saarländische Extremsportler Martin Schedler, der einen 126-Kilometer-Ultratrail in 13 Stunden läuft, trainiert nach eigenem Bekunden nur wochentags.

Der saarländische Extremsportler Martin Schedler
Der saarländische Extremsportler Martin Schedler FOTO: Andreas Schlichter