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Narrenschau
AKK oder: Die närrische Putzfrau ist wieder da

„Putzfrau Gretel“ fegt über die Bühne der Narrenschau in St. Ingbert FOTO: BeckerBredel
St.Ingbert. Während in den mächtigen Trutzburgen des deutschen Karnevals am Rhein noch an Annegret Kramp Karrenbauer aus Pappmaschee für die Rosenmontagsumzüge gebastelt wird, mischt die CDU-Bundeschefin im saarländischen Narrengeschehen leibhaftig mit. Von Iris Neu-Michalik
Iris Neu-Michalik

In Köln - oder „im Reich“, wie die Saarländer sagen – soll sie in diesem Jahr als Pappkamerad auf einem Motivwagen neben den im Sparring um den CDU-Parteivorsitz unterlegenen Kandidaten Jens Spahn und Friedrich Merz auf dem Siegertreppchen eine Flasche „Merkel Brut“ öffnen. Bei der Narrenschau der Saarländischen Karnevalsvereine (VSK) in der St. Ingberter Industriekathedrale Alte Schmelz, wo Kramp-Karrenbauer gestern nach einem Jahr Pause wieder mit Kittelschürze und Kopftuch die erprobte „Putzfrau Gretel“ gab, kam die Kanzlerin weitgehend ungeschoren davon. Auch wenn sie ansonsten das politische Personal in Bundestag und Konrad-Adenauer-Haus in Berlin schlagkräftig polierte – und dabei auch die saarländischen Minister Peter Altmaier (CDU) und Heiko Maas (SPD) nicht verschonte. „Hemmweh“ hat sie gelegentlich schon, räumt sie ein, und beklagt sich, dass die Berliner so komisch seien und „ennfach kenn Saarlännisch kenne“. Dafür habe die Regierung im letzten Jahr aber „viel geschwätzt und nix beschlossen“. Gewollt hätte sie ja schon, aber gedurft habe sie nicht. Die Deutsche Umwelthilfe habe es verboten und gesagt, wenn die Regierung jetzt anfange zu schaffen, würde das zu viel Staub aufwirbeln. Beim Blick ins Land stellt Putzfrau Gretel fest, dass die Saarländer inzwischen wohl wieder viel Geld haben müssten. Dort könnten sie sich jetzt sogar einen großen Ministerpräsidenten leisten, meint sie in Anspielung auf ihren hochgewachsenen Nachfolger Tobias Hans – „nach Oskar Lafontaine, Peter Müller und Annegret Kamp-Karrenbauer“.


Am Ende ihrer Berliner Putztour wird AKK von den rund 1100 Narren und etwa 300 weiteren Mitwirkenden im Saal enthusiastisch bejubelt. Vielen gilt sie auch nach ihrem politischen Umzug nach Berlin als Politikerin ohne Allüren, die hier immer noch ganz „dahemm“ ist. VSK-Vizepräsident Stefan Regert darf sie „Annegret“ nennen, und bei den Auftritten der saarländischen Garden, Sänger und Musiker klatscht und schunkelt sie ungehemmt mit. Mit ihren Spitzen gegen die Deutsche Umwelthilfe ist sie an diesem Abend indes nicht allein. Letztere ist neben Dieselkrise, AfD und Donald Trump ein großes Thema auch für andere politische Büttenredner.

FOTO: BeckerBredel
Narrenschau in St. Ingbert lockt zahlreiche Gäste an FOTO: BeckerBredel