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Gesundheit
Ärzte raten zur Impfung gegen Grippe

Schon einmaliges Husten oder Niesen kann Grippeviren meterweit verbreiten. Ärzte raten zu einer Impfung.
Schon einmaliges Husten oder Niesen kann Grippeviren meterweit verbreiten. Ärzte raten zu einer Impfung. FOTO: Axel Heimken / dpa
Saarbrücken. Die Grippewelle ist im Saarland in vollem Gange. In vielen Arztpraxen sind laut Kinderärzteverband derzeit noch Impfstoffe vorhanden. Von Jana Bohlmann

Zwei Kinder sind innerhalb der vergangenen sechs Wochen im Großraum Saarbrücken an einer Grippeerkrankung gestorben. Im Dezember vergangenen Jahres verstarb ein fünfjähriges Mädchen aus Burbach und erst letzte Woche eine Vierjährige aus Altenkessel.



Die Grippewelle 2016/2017 forderte in Deutschland 448 Todesopfer, berichtet das Robert Koch-Institut, welches als zentrale Einrichtung für Krankheitsüberwachung und -prävention auf Bundesebene agiert. „Die Grippe wird definitiv unterschätzt. Die wirklichen Zahlen der Todesopfer kann man eigentlich nur schätzen, denn dabei spielen viele verschiedene Faktoren eine Rolle“, erklärt Susanne Glasmacher vom Institut. Die Grippe, auch als Influenza bezeichnet, wird bei vielen Todesfällen nicht als Grund aufgeführt, da sie Auslöser für weitere Krankheiten ist. Der Organismus eines erkankten Menschens wird von der Grippe so sehr geschwächt, dass Bakterien leichter in den Körper eindringen und weitere Krankheiten auslösen können. Dadurch werden viele Todesfälle, die durch eine Influenza verursacht werden, nicht statistisch erfasst.

Laut Dr. Josef Mischo, Präsident der saarländischen Ärztekammer, sind vor allem ältere Menschen, chronisch Kranke und Personen, die aufgrund ihres Berufes mit vielen Menschen in Kontakt kommen, gefährdet. „Die Ständige Impfkommission der Bundesärztekammer empfiehlt die Impfung zudem Schwangeren sowie medizinischem Personal und Personen in Einrichtungen mit Publikumsverkehr“, so der Ärztekammer-Präsident weiter.

Viele Menschen seien sich der Gefahr einer Grippe nicht bewusst, berichtet Glasmacher vom Robert Koch-Institut weiter. „Die Impfquoten bei den Risikogruppen sind in Deutschland definitiv nicht befriedigend.“ Rund drei bis fünf Monate im Jahr, normalerweise zwischen Dezember und März, bestehe die Gefahr, an einer Grippe zu erkranken, erklärt Glasmacher.

Die beiden Mädchen aus Saarbrücken hatten nach Aussage des Gesundheitsamtes des Regionalverbandes keine Grippeschutzimpfung. „Diese beiden Fälle sind eine Ausnahme. Wir hatten hier im Saarland schon lange keinen Fall mehr wie diese“, sagt Dr. Karl Stiller vom Kinderärzteverband. „Wir empfehlen, Kinder gegen die Grippe impfen zu lassen, allerdings gibt es keine Pflicht“, berichtet der Vorsitzende des Verbandes weiter. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten einer Impfung für Menschen ab 60 Jahren. Bei Kindern ist dies von Kasse zu Kasse unterschiedlich. „Ich empfehle, alle Kinder, die eine Gemeinschaftseinrichtung besuchen, impfen zu lassen. Ein Kind verbreitet zum Beispiel nur durch einmaliges Husten oder Niesen  Viren in einem Umkreis bis zu anderthalb Metern und diese überleben bis zu 24 Stunden. Die Ansteckungsgefahr ist in diesen Einrichtungen also extrem hoch“, erklärt Stiller.

Lässt man sich impfen, ist man rund zwei Wochen später gegen die Grippe geschützt. Obwohl die Grippe bereits im Umlauf ist, macht eine Schutzimpfung zum jetzigen Zeitpunkt dennoch Sinn, sagt Stiller. „Wenn man geimpft ist, kann man bedenkenlos alle Einrichtungen und Veranstaltungen besuchen und muss sich keine Sorgen um etwaige Erreger machen.“ Der Mediziner weist darauf hin, dass noch Impfstoff in den saarländischen Arztpraxen zur Verfügung steht: „Der Impfstoff ist im Großhandel schon vergriffen, aber es gibt noch genügend Kollegen, die Reste haben und gegen Grippe impfen.“ Laut Stiller sind die Nebenwirkungen einer Impfung im Vergleich zur Krankheit extrem gering. Dennoch ist die Impfquote nicht befriedigend. „Es kommt natürlich auch immer darauf an, wie die Ärzte die Schutzimpfung bewerben. Ein Arzt verdient an einer Impfung gerade mal sieben Euro. Es lohnt sich aus wirtschaftlicher Sicht also kaum, aber es gibt genügend Kollegen, die aus moralischen Gründen eine solche Impfung vorschlagen.“

Auch der Vorsitzende des Vorstandes der Kassenärztlichen Vereinigung im Saarland, Dr. Gunter Hauptmann, spricht sich für eine nachträgliche Impfung aus: „Trotz des zeitlichen Fortschritts der Grippesaison lohnt sich die Grippeschutzimpfung.“

Die IKK Südwest in Saarbrücken schließt sich dieser Empfehlung an: „Wir wollen Eltern ermuntern, auch zusätzlich angebotene Impfungen, die über die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission hinausgehen und von ihren Krankenkassen angeboten werden, wahrzunehmen.“