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Ärger bei der Püttlinger WehrAtemschutzgerät auf kurioser Reise

Püttlingen. Dicke Luft herrscht in einem Teil der Püttlinger Feuerwehr. Nach internen Differenzen über den Führungsstil im Löschbezirk Püttlingen kam es am 1 Von SZ-Redakteur Marco Reuther

Püttlingen. Dicke Luft herrscht in einem Teil der Püttlinger Feuerwehr. Nach internen Differenzen über den Führungsstil im Löschbezirk Püttlingen kam es am 1. März 2008 zu einem Zwischenfall mit Folgen: Nach der Einweihung des neuen Drehleiterfahrzeugs wurde im Gerätehaus gefeiert, und ein Feuerwehrmann machte offenbar eine laute und derbe Bemerkung, die sich gegen die Löschbezirksführung richtete und weitergetragen wurde. Noch in der gleichen Nacht hatte die Drehleiter bei einem Kaminbrand ihren ersten Einsatz, und jener Feuerwehrmann fuhr in einem weiteren Wagen als Beifahrer mit, obwohl er, so spätere Aussagen, mit anderen Feiernden etwas zu tief ins Glas geguckt habe. Nun ist es jedoch Feuerwehrleuten verboten, sich unter Alkoholeinfluss an Einsätzen zu beteiligen. Der Wehrmann - auch im Hauptberuf Feuerwehrmann - wandte dagegen ein, dass er nur beratend und vorsorglich dabei gewesen sei, weil er für das teure Gerät ausgebildet war, die Ausbildung der am Einsatz Beteiligten dagegen gerade erst im Abschluss gewesen sei.Schließlich wurde der Feuerwehrmann - nach unendlichen Schriftwechseln und Befragungen über jene Nacht - vom Dienst suspendiert. Aus Verärgerung darüber stellte der bis dahin stellvertretende Püttlinger Wehrführer Hans Jörg Mathis sein Amt zur Verfügung, und zwölf aktive Wehrleute legten zusammen, um dem Suspendierten die derzeit laufende letzte Instanz vor dem Verwaltungsgericht zu ermöglichen. Alle zwölf seien Funktionsträger, etwa Ausbilder für die Drehleiter und Atemschutzgeräte, Atemschutzgeräte-Träger oder Drehleitermaschinisten, betonen zwei der Beteiligten. Sie kritisieren auch, dass mit zweierlei Maß gemessen werde (bei einer Leistungsprüfung habe ein Feuerwehrmitglied, ohne überhaupt anwesend zu sein, eine Gefälligkeits-Bescheinigung bekommen, was ohne entsprechende Folgen geblieben sei). Auch sei ein Atemschutz-Gerätewart und Experte auf diesem Gebiet, der sich für den suspendierten Wehrmann eingesetzt hatte, vor wenigen Wochen vom Püttlinger Wehrführer Raimund Folz ohne schriftliche Begründung von seinem Amt entbunden worden.Bürgermeister Martin Speicher, von Amts wegen Chef der Wehr, stellte sich auf SZ-Nachfrage klar hinter die Wehrführung, wertet die Angelegenheit als reine Personalie und kritisiert: "Es wäre eine unglaubliche Sache, wenn eine reine Personalentscheidung in die Öffentlichkeit getragen wird." Speicher: "Die Feuerwehr arbeitet intakt, mehr gibt es dazu nicht zu sagen", zumal das Gerichtsverfahren noch laufe. Grundsätzlich könnten sich aber Verwaltung und Wehrführung ein bestimmtes Verhalten nicht bieten lassen, das sei so auch von den bisherigen Instanzen bestätigt worden. Und: "Wenn einer gegen die Feuerwehrordnung verstößt, muss die Verwaltung darauf reagieren." Die Gegenseite sieht in der Angelegenheit nicht nur eine Personalfrage und kritisiert den Führungsstil im Löschbezirk: Was "seit Jahrzehnten" in den Sitzungen der Brandmeister besprochen worden sei, das sei später nun im stillen Kämmerlein beschlossen worden, auch der Informationsfluss habe nicht mehr gestimmt. Löschbezirksführer Thomas Albert wiederum hatte sich Ende 2007 in einem Schreiben an die Wehrmitglieder mehr Ruhe in der Wehr gewünscht und dass man doch offener gegenüber der Führung sei und Gespräche "hinten herum" unterlassen solle. Aktuell verwies Albert in einem kurzen Telefonat auf die Aussagen des Bürgermeisters und erklärte, dass die Anzahl der kritischen Stimmen im Löschbezirk nicht groß sei. Die Einsatzfähigkeit der Wehr sei zudem jederzeit gewährleistet. Bürgermeister Speicher betonte, der "demokratisch gewählten" Wehrführung gelte "unser absolutes Vertrauen - es liegt kein Fehlverhalten der Wehrführung vor". Eine kuriose Geschichte schilderte ein Feuerwehrmitglied: Ein Atemschutz-Gerätewart in Püttlingen, durch seinen Hauptberuf als Feuerwehrmann einer großen Werks-Feuerwehr Experte auf diesem Gebiet, wurde ohne schriftliche Begründung ab 31. März durch den Wehrführer von seinem Amt entbunden. Eine Folge davon: Ein Atemschutzgerät, das einer speziellen Wartung bedurfte, wurde nun von Püttlingen an die Feuerwehr Völklingen weitergereicht. Die gab es an die Großrosseler Wehr weiter. Die reichte es wiederum an eine Werksfeuerwehr weiter, und so landete das Gerät schließlich genau auf dem Tisch jenes Mannes, der es in Püttlingen nicht mehr warten durfte. mr "Die Feuerwehr arbeitet intakt, mehr gibt es dazu nicht zu sagen." Martin Speicher