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Adoptionen im Saarland gehen zurück

Saarbrücken. Für manche Mütter ist es die schwerste Entscheidung ihres Lebens, für kinderlose Paare oft die letzte Hoffnung: Adoption. Doch die Zahl der Adoptionen in Deutschland ist seit Jahren rückläufig. 1992 wurden noch rund 8400 Kinder adoptiert, 2011 waren es weniger als die Hälfte. Nur langsam verzeichnet das Statistische Bundesamt einen leichten Anstieg Von SZ-Redaktionsmitglied Nora Ernst

Saarbrücken. Für manche Mütter ist es die schwerste Entscheidung ihres Lebens, für kinderlose Paare oft die letzte Hoffnung: Adoption. Doch die Zahl der Adoptionen in Deutschland ist seit Jahren rückläufig. 1992 wurden noch rund 8400 Kinder adoptiert, 2011 waren es weniger als die Hälfte. Nur langsam verzeichnet das Statistische Bundesamt einen leichten Anstieg.Im Saarland ist die Lage ähnlich: Wurden hier 1991 noch 128 Kinder vermittelt, waren es 2011 nur noch 53. Mehr als die Hälfte davon wurden durch Stiefeltern adoptiert, also einen neuen Partner eines leiblichen Elternteils. 18 Kinder stammten aus dem Ausland.



Rüdiger Hilpert arbeitet für die zentrale Adoptionsstelle des Saarlandes, die für Auslandsvermittlungen zuständig ist, und erklärt sich den Rückgang so: "Die Zahl der Geburten in Deutschland geht seit Jahren zurück. Es gibt einfach weniger Kinder." Zudem versuchten andere Nationen oftmals, die Kinder in ihrem eigenen Land zu vermitteln. Auch die Zahl der Bewerber hat abgenommen. Die Gründe dafür vermutet Hilpert in höheren Scheidungsraten sowie in wachsender Unsicherheit im Berufsleben.

Der Sozialdienst katholischer Frauen in Saarbrücken - einziger privater Träger im Saarland und auf Säuglinge spezialisiert - vermittelt im Schnitt zwei bis drei Babys pro Jahr, zumeist an kinderlose Paare.

Alleinstehende haben Hilpert zufolge oft schlechtere Karten: "Wenn derjenige stirbt, steht das Kind schließlich alleine da." Das gilt auch für gleichgeschlechtliche Paare. Eine gemeinschaftliche Adoption durch beide Partner ist bislang nicht möglich, nur einer kann das Kind als sein leibliches annehmen. Wie lange die Bewerber warten müssen, bis das passende Kind gefunden ist, ist unterschiedlich. "Im Schnitt vergehen drei bis vier Jahre", sagt Petra Thielen-Jäckel vom Sozialdienst katholischer Frauen. Dabei kommt nicht jeder als Bewerber in Frage. "Wenn wir den Eindruck haben, in der Beziehung kriselt es oder das Paar ist sich nicht wirklich einig über die Adoption, lehnen wir die Bewerbung ab", erklärt Thielen-Jäckel. Das Gleiche gilt für Paare, die sich wegen der ungewollten Kinderlosigkeit noch im Trauerprozess befinden, oder bei denen eine schwere Krankheit vorliegt. "Das Einkommen spielt hingegen keine überragende Rolle, solange es einen angemessenen Lebensstandard sicherstellt", betont sie.

Es sind die unterschiedlichsten Frauen, die sich an den Verein wenden, um ihr Kind nach der Geburt in fremde Hände zu geben. "Das geht querbeet durch alle Alters- und Einkommensschichten", sagt Thielen-Jäckel. Auslöser ist in der Regel das Gefühl, überfordert zu sein. Das kann Hilpert zufolge unterschiedliche Ursachen haben: Armut, fehlende familiäre Unterstützung, psychische Krankheiten, Drogen- oder Alkoholprobleme.

Die Vermittlung ist kostenlos, anders sieht es bei Auslandsadoptionen aus: Hier müssen die Bewerber 1200 Euro für einen Eignungsbericht bezahlen, den die zentrale Adoptionsstelle ausstellt. Die Behörde selbst vermittelt derzeit keine Kinder, es gibt schlichtweg keine Kooperationen mit dem Ausland. 15 zugelassene private Auslands-Vermittlungsstellen gibt es in Deutschland, im Saarland keine einzige. Einige dieser Stellen schließen Exklusivverträge mit den Ländern ab. "Fast jedes Land ist von einem freien Träger abgedeckt", erklärt Hilpert. "Im Saarland werden vor allem Kinder aus osteuropäischen Nationen adoptiert", sagt Hilpert. Das liegt zum einen daran, dass der auf diese Länder spezialisierte Träger im nahen Baden-Württemberg liegt, doch es gibt noch einen weiteren Grund: "Den Kindern sieht man nicht auf den ersten Blick an, dass sie adoptiert sind, weil sie hellhäutig sind", so Hilpert.

Wer ein Kind adoptieren oder zur Adoption freigeben will, kann sich an eine örtliche Adoptionsstelle wenden oder an den Sozialdienst katholischer Frauen in Saarbrücken (Tel.: 0681/93 62 59-17 oder -18; p.thielen-jaeckel@skf-saarbruecken.de).