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Das Saarland und die Royals
Der Besuch hatte nicht nur Schauwert

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Nur Schühchen, Hütchen und Palastgeflüster? Wären die Reisen königlicher Staatsvertreter tatsächlich nur ein putziger Überhang vordemokratischer Zeiten, wären sie längst abgeschafft. Von Cathrin Elss-Seringhaus
Cathrin Elss-Seringhaus

Die Königshäuser haben sich längst umdefiniert, insbesondere Máxima und Willem-Alexander verstehen sich längst als gesellschaftliche Impulsgeber. Als Meinungsmacher prägen sie das Bild europäischer Partner. Denn die Bürger vertrauen ihren „Royals“, sie gelten als letzte seriöse Gewissheit in einer Welt, die durch gewählte Volksvertreter gerade in höchste Unkalkulierbarkeit gestürzt wird. Und deshalb ist es ganz und gar nicht unerheblich, wenn der niederländische König dieser Tage das Saarland öffentlich als eine Region mit Ideen für eine Gesellschaft 4.0 lobt und sich hier Impulse für das eigene Land erhofft. Außerdem hörte man aus Unternehmerkreisen, dass die Kontaktbörse auf vollen Touren lief. Will man wirklich mehr?


Man sollte mit den Royals nicht strenger umgehen als mit anderen „hohen Gästen“. Zumal Máxima und Willem hellwach und extrovertiert auftraten. Ihre Nahbarkeit ist sicher auch inszenatorisches Konzept. Dass sie so gut ankommt, zeigt, wie verlassen sich „das Volk“ fühlt. So gesehen müsste der Besuch Ansporn für die Politik sein und für niemanden ein Grund zur Häme.