| 20:19 Uhr

Abgrundtief faul zu Erfolgen

Matthias Deininger vom 1. BC Bischmisheim (vorne) durfte schon Zweitliga-Luft schnuppern. Im Jugendbereich hat er noch ein Ziel: Der 18-Jährige will deutscher Meister werden. Foto: Jenal
Matthias Deininger vom 1. BC Bischmisheim (vorne) durfte schon Zweitliga-Luft schnuppern. Im Jugendbereich hat er noch ein Ziel: Der 18-Jährige will deutscher Meister werden. Foto: Jenal
Saarbrücken. Obwohl halb drei abgemacht war, betritt Badminton-Spieler Matthias Deininger vom 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim schon um fünf vor halb die Mensa in Saarbrücken mit den Worten: "Bin ich zu spät?" Diese Szenerie beschreibt das 18 Jahre alte Talent sehr gut. Auch wenn er es dieses Mal nicht geschafft hat, möchte er immer Erster sein Von SZ-Mitarbeiter Christian Thonet

Saarbrücken. Obwohl halb drei abgemacht war, betritt Badminton-Spieler Matthias Deininger vom 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim schon um fünf vor halb die Mensa in Saarbrücken mit den Worten: "Bin ich zu spät?" Diese Szenerie beschreibt das 18 Jahre alte Talent sehr gut. Auch wenn er es dieses Mal nicht geschafft hat, möchte er immer Erster sein. "Im Training bin ich auch fast immer 45 Minuten früher da. Ich kann mir das gar nicht vorstellen, auf den letzten Drücker in die Halle zu kommen - und alle anderen sind schon da."Kürzlich schaffte es Deininger bei den saarländischen Meisterschaften, sechs Mal Erster zu werden. Bei den südwestdeutschen Meisterschaften in Neustadt an der Weinstraße ließ er am Wochenende in der Altersklasse U19 drei weitere Titel folgen - im Einzel, Mixed und im Doppel. Aber Deininger wirkt trotz der vielen Erfolge und seiner Einstellung nicht verbissen oder fanatisch. Man merkt ihm schnell an, dass ihm der Sport einfach Spaß macht. Und eben dieser Spaß ist es, der ihn so antreibt. Nicht Druck, Disziplin oder Erfolg. "Wenn ich mal merken würde, es macht mir keinen Spaß mehr, würde ich auch direkt aufhören", gesteht er.


Das große Ziel: Profi werden



Doch im Moment ist er davon weit entfernt. Sein großes Ziel ist es, Profi zu werden. Schon jetzt durfte er mit seinem 18 Jahren in der Zweiten Bundesliga ran und erste Erfahrungen sammeln. Bevor Deininger jedoch ganz den Jugendbereich verlässt, möchte er in seinem letzten Jahr deutscher Jugend-Meister werden. Die Titelkämpfe werden im kommenden Februar in Saarbrücken ausgespielt. Es wäre ein gelungener Abschluss seiner grandiosen Jugendzeit, die er, als er in der vierten Schulklasse war, beim TV Bischmisheim begonnen hatte. Im Alter von elf Jahren wechselte er zum "großen Bruder", dem 1. BC Bischmisheim, der ihm mehr Trainingszeiten ermöglichte. Passend dazu war dann der Wechsel zum Sport-Gymnasium am Rotenbühl, welcher es dem heutigen Zwölftklässer erlaubt, acht Mal in der Woche zu trainieren, ohne Einbußen bei seiner schulischen Laufbahn hinzunehmen. Auf die Frage, ob da noch Zeit für die Freundin bleibt, sagt Deininger: "Das geht super, auch wenn ich mal einige Wochenenden weg bin. Aber wenn man sich dann sieht, ist so ein Tag sehr wichtig, auch als Pause, um Abstand zum Sport zu gewinnen. Gerade wenn ich Dienstagsabends und Mittwochsmorgens Training habe, ist das gut zur Entspannung."

Sicheres Auftreten

Deininger wirkt sehr ausgeglichen. Seine Antworten klingen durchdacht, unaufgeregt. Dass er mit einer solchen Sicherheit auftreten kann, hat er nicht zuletzt seinen Eltern zu verdanken: "Meine Eltern unterstützen mich bei allem. Früher wurde ich von ihnen zum Training gefahren, heute holt mich hin und wieder mein Bruder mit zum Olympia-Stützpunkt. Das ist nicht bei jedem so." Es ist sicherlich auch nicht bei jedem so, dass er trotz verordneter Ruhepause von sechs Wochen nach zwei Wochen schon Deutsche Rangliste spielt und gewinnt. Aber genau das macht einen guten Sportler aus. Folglich auch Matthias Deininger.

Gegen Ende des Gesprächs kann das Badminton-Talent dann doch nochmal überraschen, als es zugibt: "Ich bin abgrundtief faul. Sobald es nicht um Badminton geht oder ich keine Lust habe, kann ich mich nicht motivieren. Wenn ich so diszipliniert wäre wie mein Bruder, wäre ich bestimmt weiter als jetzt. Ich habe auch keinen Bock auf Krafttraining. Das macht mir keinen Spaß, deswegen mache ich das auch kaum." Es ist zu hören, dass bei aller Professionalität noch genug "Jedermann" in Matthias Deininger steckt.