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Vereinigung der Jäger im Saarland
Jäger sehen sich als „Anwalt der Natur“

Mit dem Jagdgesetz im Saarland „können heute alle Seiten leben“, sagte Ministerpräsident Tobias Hans beim Festakt in Saarbrücken.
Mit dem Jagdgesetz im Saarland „können heute alle Seiten leben“, sagte Ministerpräsident Tobias Hans beim Festakt in Saarbrücken. FOTO: dpa / Frank Molter
Saarbrücken. Bei der Feier zum 70-jährigen Bestehen der Vereinigung der Jäger im Saarland wurde nicht nur gelobt, sondern auch kritisiert – eine Tierschutzorganisation. Von Dieter Ackermann

Jagdhörner schmettern, Hunde bellen, und während ein Wildschwein am Grillspieß rolliert, lassen sich Jägerinnen und Jäger genüsslich ihre Gläser füllen. Mitten im Herzen von Saarbrücken, auf dem Tbilisser Platz, feiert die „grüne Zunft“ stolz das 70-jährige Bestehen ihrer Vereinigung der Jäger (VJS). Dass sie sich auch als Naturschützer von der nichtjagenden Öffentlichkeit an der Saar weitgehend akzeptiert fühlen, wurde bereits beim Festempfang am Freitagabend schnell deutlich.


Die Begrüßung der vielen Ehrengäste durch Landesjägermeister Josef Schneider ließ ihn kaum zu Atem kommen. Über besonders viel Applaus durften sich Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) und der Präsident des Deutschen Jagdverbandes (DJV), Hartwig Fischer, freuen. Dabei sprachen sie durchaus auch Themen an, die der festlichen Runde kaum „schmecken“ konnten.

Selbstzufrieden nahm die große Jägerrunde noch die Feststellung von Schneider zur Kenntnis, dass die Zahl der Jagdscheininhaber an der Saar innerhalb der vergangenen fünf Jahre von 3800 auf mehr als 4500 angewachsen sei. Dabei hätten auch die Jägerinnen mit einem von 350 auf über 400 gewachsenen Anteil die positive Bilanz deutlich unterstrichen. Vor genau 70 Jahren sei die VJS mit etwa 400 Gründungsmitgliedern an den Start gegangen und habe sich als Körperschaft des öffentlichen Rechts – bis heute ein Alleinstellungsmerkmal im DJV – als „Anwalt der heimischen Natur“ etabliert.



Diesen Faden griff anschließend Ministerpräsident Tobias Hans auf: „Seit ich auf der Welt bin – seit 40 Jahren – hat sich bei uns im Zuge des Klimawechsels die Vegetationsphase um rund drei Wochen verlängert. Bei diesen neuen Herausforderungen sind wir in der Landesregierung froh, die Jäger an unserer Seite zu wissen.“ Er sei stolz und dankbar, „dass wir heute im Saarland ein Jagdgesetz haben, mit dem alle Seiten schon deshalb leben können, weil nachhaltige Jagd für mich angewandter Tier- und Naturschutz ist.“

DJV-Präsident Fischer sprach dann nach seiner „Gratulation zum 70-Jährigen“ ein aktuelles Problem an, bei dem nur die Politik für eine positive Lösung sorgen könne. So hätten die deutschen Jäger ein fortschrittliches System zur Aufarbeitung von Fellen und Bälgen von waidgerecht erlegten Beutegreifern wie zum Beispiel den Füchsen geplant. „Weil vom Staat keine Hilfe in Aussicht gestellt wurde, wollten wir die erforderlichen 500 000 Euro in eigener Regie aufbringen, hätten damit aber die Gemeinnützigkeit des DJV gefährdet. In der Folge machten die Sparkassen, mit denen wir schon fast handelseinig waren, aus Angst vor der Organisation PETA einen Rückzieher.“ Fischer polterte weiter: „Allein im Jahr 2017 hat uns PETA mit einer Vielzahl von Anzeigen in Misskredit gebracht, die aber ausnahmslos eingestellt wurden. Schon dafür müsste PETA die Gemeinnützigkeit entzogen werden. Die dürfen uns als Naturschützer doch nicht auf Kosten der Allgemeinheit bekämpfen!“ Kaum überraschend, dass ihm seine Waidgefährten im großen Festzelt donnernden Beifall spendeten.

Fortan widmeten sich die Waidgefährten nur noch den schönen Seiten des Festempfangs mit vielen Ehrungen und Auszeichnungen. Und auch die VJS-Einladung zu einem abschließenden Festschmaus, natürlich mit Wildschweingulasch und Semmelknödeln, kam bei der „grünen Zunft“ bestens an.

Viele ließen sich schließlich noch am Samstag und Sonntag von der VJS auf den Tbilisser Platz und in die Saarwiesen einladen, wo neben der Jägerschaft noch Naturschutzverbände etwa der Fischer, der Hundeführer und der Imker mit Infoständen und Aktionen aufwarteten. So beeindruckte die Justizvollzugsanstalt Saarbrücken mit selbstgebauten Ansitzeinrichtungen, während ein auf Wildbret spezialisierter Metzger aus Weiskirchen mit seinen schmackhaften Kostproben nachhaltigen Eindruck machte.

Landesjägermeister Josef Schneider bei seiner Rede.
Landesjägermeister Josef Schneider bei seiner Rede. FOTO: Dieter Ackermann