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Unangemeldete Kundgebung
600 Menschen bei Demo in Saarbrücken

Kurdische Demonstranten besetzen am Mittwoch (14.3.2018) in Saarbrücken den Hauptbahnhof.
Kurdische Demonstranten besetzen am Mittwoch (14.3.2018) in Saarbrücken den Hauptbahnhof. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Bis zu 600 Demonstranten haben am Mittwochabend am Hauptbahnhof und in der Bahnhofstraße in Saarbrücken gegen den Einsatz der türkischen Armee in Nordsyrien protestiert. Von Ute Kirch und dpa
Ute Kirch

Die fast dreistündige unangemeldete Kundgebung, an der hauptsächlich Kurden teilnahmen, verlief nach Polizeiangaben zunächst friedlich. Anfangs hätten sich 80 bis 90 Personen vor der Europagalerie versammelt, sagte der Sprecher der Bundespolizei, Dieter Schwan, auf SZ-Anfrage. Diese Gruppe sei sehr schnell auf etwa 400 Leute angestiegen. „Im Laufschritt“ seien sie gegen 21 Uhr in die Vorhalle des Eurobahnhofs gestürmt. Dort hätten sie eine Kundgebung mit Sitzblockade abgehalten. Auswirkungen auf den Bahnverkehr habe es nicht gegeben. Zwischen 25 und 30 Beamte der Bundespolizei seien wegen des Fußballspiels zwischen Saarbrücken und Homburg ohnehin im Einsatz gewesen, auch 60 Landespolizisten waren im Verlauf der dreistündigen Demo im Einsatz. „Es gab keine Sachbeschädigung. Die Gruppe hat den Bahnhof anschließend freiwillig verlassen“, sagte Schwan weiter.


Anschließend hätten sich die Demonstranten erneut vor der Europagalerie versammelt. Nach Angaben der Polizei St. Johann wuchs die Gruppe bis gegen 21.30 Uhr auf etwa 600 Personen an. Beim Verlassen des Bahnhofs sei aus Protest eine türkische Fahne verbrannt worden. Dies sei jedoch kein Grund für ein Strafverfahren, da die Flagge Eigentum des Anzünders gewesen sei. „Die Situation war sehr angespannt und die Kurden hoch emotionalisiert“, sagte Dienststellenleiter Udo Schneider. Aus Sicherheitsgründen, da in der Bahnhofsstraße Baustellen sind, habe man die Auflage erlassen, dass der Protestzug auf Höhe der Buchhandlung Thalia wenden müsse. Ein Teil der Demonstranten, vorwiegend junge Erwachsene, hätten dennoch versucht, weiter zu gehen. Die Polizei formierte daraufhin eine Absperrkette, auf die einige Demonstranten Druck ausübten, während wiederum andere Kurden mäßigend auf die Aggressoren eingewirkt hätten. Der Demonstrationszug kam gegen 22.30 Uhr wieder vor der Europagalerie an, wo sich die Menge gegen 23 Uhr auflöste. Es habe keine Verletzten und keine Festnahmen gegeben, sagte Schneider. Die Polizei werte nun das Bild- und Tonmaterial aus, um zu prüfen, ob gegen Vorgaben des Versammlungsrechts verstoßen wurden.

In mehreren deutschen Städten gab es am Abend und in der Nacht zu Donnerstag solche Demos, unter anderem in Stuttgart, Köln und Hamburg, vor allem in und in der Nähe von Hauptbahnhöfen.