| 20:16 Uhr

32 000 Fahrzeuge an einem Tag

Tünsdorf. "Die untragbaren Verkehrsverhältnisse an der Umleitung L170 können nicht mehr hingenommen werden", finden die Initiatoren des Bürgerprotestes im Raum Tünsdorf/Borg Von SZ-Mitarbeiter Norbert Wagner

Tünsdorf. "Die untragbaren Verkehrsverhältnisse an der Umleitung L170 können nicht mehr hingenommen werden", finden die Initiatoren des Bürgerprotestes im Raum Tünsdorf/Borg. Und so trafen sich am Freitagabend im Gasthaus Martinsklause in Tünsdorf Anwohner der Orte Tünsdorf, Wehingen, Büschdorf, Eft-Hellendorf, Borg, Weiler und Schwemlingen zu einer Versammlung, an deren Ende die Gründung der Bürgerinitiative "Pellinger Tunnel - Sicherheit an der L170" stand. Zuvor hatte Gründungsmitglied und Initiator Kurt Robinius alle Teilnehmer und Gäste eindringlich gebeten, aus der Diskussion keine Wahlkampf-Veranstaltung zu machen. "Nur gemeinsam mit den Bürgern und Politikern können wir unsere Ziele erreichen", sagte Robinius. Seit der Pellinger Tunnel der A8 wegen Renovierungsarbeiten in Richtung Luxemburg ist, sei der Verkehr in den betroffenen Ortschaften hauptsächlich an Werktagen unerträglich. In der Spitze wurden bisher an einem Tag 32 000 Fahrzeuge registriert, und mit Beginn der Erntezeit werden nach Einschätzung der BI-Protagonisten die Staus infolge landwirtschaftlicher Fahrzeuge auf der L170 unter Umständen weiter zunehmen.Die Betroffenen schilderten, mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen haben: Eine 81-jährige Anwohnerin von Tünsdorf beklagte, dass sie auf dem Weg zur Sparkasse fast 25 Minuten warten musste, bis es möglich war, die Straße zu überqueren. Ein Großvater aus Hellendorf berichtete, dass sein Enkel, nachmittags aus der Schule kommend, sich nicht mehr alleine von der Bushaltestelle zum gegenüberliegenden Heimweg traut, und er deshalb täglich am Bus abgeholt und über die Straße begleitet werden muss. Tanktouristen, welche die Restreichweite ihrer Tankfüllung überschätzen, bleiben liegen und bilden Hindernisse mit extremem Staupotential. Radfahrer schilderten die Fahrt auf der L170 als zeitweise "lebensbedrohlich".Die Bürger fragen: Warum wurde die Sperrung des Tunnels vom LfS ohne jegliche Vorankündigung vorgenommen, warum wurden die Anlieger der Umgehung nicht ausreichend informiert? "Man hat eine Hauptverkehrsader A8 einfach gekappt und auf die L170 umgeleitet, ohne sich Gedanken über Sicherheit und Gesundheit der Anwohner zu machen", sagte Robinius. Jetzt, wo die Karre verfahren sei, gelte es an die Zukunft zu denken. Wie sich fortan eventuell Sperrungen einer Tunnelröhre ohne nennenswerte Belastung der Landstraße auswirken könnten, erläuterte Gründungsmitglied Edmund Kütten, CDU-Fraktionssprecher im Kreistag. "Die provisorische Nutzung einer Tunnelröhre für beide Fahrtrichtungen ist aus brandschutztechnischen Gründen kaum zu realisieren", erklärte Kütten. Dem widersprach Ingenieur Heinz Temmes, vormals Tunnelexperte und Brandschutz-Sachverständiger der Deutschen Bahn. Es sei lediglich eine Frage des Geldes. Einstimmig wurde Kurt Robinius zum Sprecher der BI gewählt. "Wir werden das Wasser am Kochen halten", so der Tenor am Ende der Versammlung. Bereits am Dienstag wird der Gemeinderat Mettlach das Thema behandeln. Für Donnerstag, 4. Juni, plant die BI eine öffentliche Informations-und Diskussionsveranstaltung. Dazu sollen die Repräsentanten aller im Landtag vertretenen Parteien, des Landesbetriebs für Straßenbau, des ADAC sowie Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich eingeladen werden. "Nur gemeinsam mit den Bürgern und Politikern können wir unsere Ziele erreichen."Kurt Robinius, BI-Sprecher



StichwortDie Bürgerinitiative "Pellinger Tunnel - Sicherheit an der L170" erhebt folgende Forderungen: schnellstmöglicher Aus- und Umbau des Pellinger Tunnels, so dass künftig gegenläufiger Verkehr in einer Röhre möglich ist, beziehungsweise jeweils eine Spur pro Röhre befahren werden kann; transparente Informationspolitik und Einbeziehung der Bürger in verkehrspolitische Entscheidungen; Umleitung des A8-Verkehrs auf die L170 nur in absoluten Notfällen; Forcierung der Baumaßnahmen durch Arbeitseinsatz auch an Wochenenden und Feiertagen; erhöhte Polizei-Präsenz und Kontrollen der Geschwindigkeit; Installation von Geschwindigkeitsanzeigen; Einrichtung provisorischer Ampelanlagen und Fußübergängen an relevanten Punkten. owaAuf einen blickGroße Sorge über die anstehenden Verkehrsprobleme in ihrem Ort macht sich Maria Bänsch-Schnur, Ortsvorsteherin von Schwemlingen: Wenn die geplante Erneuerung der Fahrbahndecke A8 in Angriff genommen wird, wird es in den Ortschaften im weiteren Verlauf der L170, insbesondere Schwemlingen, ähnlich problematisch: Die ohnehin enge Ortspassage, an der fast alle Geschäfte liegen, werde dann dem aufkommenden Verkehr nicht gewachsen sein. owa