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Streit um Lehrerbesoldung an Saar-Gemeinschaftsschulen
300 Lehrer bleiben in zweiter Klasse

Hauptschullehrer an Gemeinschaftsschulen verdienen trotz Zulage weniger als ihre Kollegen.
Hauptschullehrer an Gemeinschaftsschulen verdienen trotz Zulage weniger als ihre Kollegen. FOTO: dpa / Franziska Kraufmann
Saarbrücken. SPD-Bildungsminister Commerçon lehnt Forderung der ehemaligen Hauptschullehrer auf Gleichberechtigung ab. Von Dietmar Klostermann

300 ehemalige Hauptschullehrer fühlen sich von der CDU/SPD-Landesregierung ungerecht behandelt und im Stich gelassen. Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) teilte gestern mit, dass wegen der Schuldenbremse die 300 Lehrer, die nach der Auflösung der Hauptschulen Mitte der 1990er Jahre zunächst an den Erweiterten Realschulen und seit 2011 an den Gemeinschaftsschulen unterrichten, nicht mit einer Angleichung ihrer Besoldung rechnen könnten. Die 300 Hauptschullehrer haben sich in einer Interessengemeinschaft (IGHL) zusammengetan, um eine gerechte Besoldung zu erstreiten (die SZ berichtete). Dabei geht es darum, dass die ehemaligen Hauptschullehrer die gleiche Arbeit leisten wie ihre Kollegen an den Gemeinschaftsschulen. Nur werden diese Kollegen, da sie vorher als Realschul- oder Gymnasiallehrer ausgebildet wurden, viel besser bezahlt.


„Eine generelle Anhebung der Besoldung von A 12 plus auf A 13 würde bedeuten, dass das Saarland aufgrund der Schuldenbremse die Kosten dafür über die Streichung von Lehrerinnen- und Lehrerstellen kompensieren müsste“, erklärte Commerçon. Das würde etwa 18 Stellen entsprechen. „Kürzungen beim Lehrpersonal kommen für das Ministerium für Bildung und Kultur aber nicht in Frage“, betonte der Minister. Die Besoldung von Lehrkräften im Saarland bewege sich im Rahmen der Regelungen der meisten anderen Bundesländer, so Commerçon.

Dies wird allerdings von Gewerkschaften und Lehrerverbänden ganz anders gesehen. Durch die abgesenkte Eingangsbesoldung im Saarland geht den Junglehrern demnach so viel Gehalt im Vergleich zu anderen Bundesländern verloren, dass bereits nach zwei Jahren davon ein Auto gekauft werden könnte. Zudem führe die unattraktive Gehaltslage im Saarland dazu, dass viele junge Lehrer dem Saarland den Rücken kehrten. Für die Grundschullehrer musste Commerçon die Absenkung bereits wieder aufheben, da er sonst die vielen offenen Stellen nicht hätte besetzen können.



Die Haupttschullehrer hatten bereits seit Längerem über die ungerechte Gehaltslage geklagt. Die CDU-Landesregierung gewährte den Hauptschullehrern dann 2008 eine Zulage von 200 Euro monatlich, womit sie jedoch immer noch 200 Euro unter dem Monatsgehalt ihrer Kollegen liegen. Hochgerechnet würde eine Angleichung der Gehälter für die 300 Hauptschullehrer das Land 720 000 Euro jährlich kosten.

Dabei wird sich die ungerechte Lage in ein paar Jahren durch das altersbedingte Ausscheiden der ehemaligen Hauptschullehrer aus den Gemeinschaftsschulen in den Ruhestand fortsetzen. Seit 2011 werden die neuen Lehrkräfte an den Gemeinschaftsschulen alle einheitlich bezahlt. Commerçon betonte, dass seit 2013 zahlreiche Funktionsstellen an den Gemeinschaftsschulen geschaffen worden seien, die noch besser bezahlt würden.

Dass Grundschullehrerinnen und Kita-Erzieherinnen ebenso unter den Gehältern ihrer Kolleginnen und Kollegen an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen liegen, ruft weiterhin den Protest der Betroffenen hervor.