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Protest gegen die Aufgabe von 852 Kirchengemeinden
Protest gegen Ackermann wächst

Jakobspilger werben plakativ vor der Kirche St. Josef  in Quierschied-Fischbach für die Teilnahme an der Protest-Demonstration in Trier.
Jakobspilger werben plakativ vor der Kirche St. Josef in Quierschied-Fischbach für die Teilnahme an der Protest-Demonstration in Trier. FOTO: Harald Cronauer
Quierschied/Trier. 230 Kirchengemeinden wollen ihrem Ärger über die Politik des Bischofs in Trier vor dem Dom Luft machen. Von Dietmar Klostermann
Dietmar Klostermann

Wenn aus guten Katholiken plötzlich Protestanten werden, die vor dem Trierer Dom gegen die Politik des Bischofs Stephan Ackermann demonstrieren wollen, dann muss der Ärger gewaltig sein. „Die Zahl der Kirchengemeinden, die uns unterstützen, ist auf 230 angewachsen“, sagt Harald Cronauer, Vorsitzender des Pfarreienrats Quierschied, der Sprecher der Protest-Initiative „Kirchengemeinde vor Ort“ ist. Die Initiative wendet sich gegen die Pläne Ackermanns, ab Anfang 2020 887 katholische Kirchengemeinden im Bistum Trier, zu dem die meisten Katholiken im Saarland zählen, auf 35 Großpfarreien einzudampfen. „Der Bischof hat den Bezug zur Landbevölkerung verloren“, sagt Rechtsanwalt Cronauer, der von 1991-94 Saar-FDP-Chef war. Die Laien in den katholischen Gemeinden sähen sich durch Ackermanns Politik ihrer Mitwirkungsmöglichkeiten beraubt. Pfarrgemeinde- und Pfarrverwaltungsräte würden mit einem Federstrich Ackermanns ebenfalls von der Bildfläche verschwinden, wie der über Jahrhunderte erwirtschaftete Besitz der Gemeinden, der im großen Topf der 35 Großgemeinden verschwinde. „Das ist ein Affront gegen die vielen, vielen ehrenamtlich in den Gemeinden engagierten Gläubigen“, erklärt Cronauer. Die Initiative erfahre täglich Zuspruch von Katholiken, die ab 2020 keine Basis mehr für ihren Einsatz sähen.


Die Initiative wirbt derzeit mit Plakaten für die Teilnahme an der Kundgebung in zwei Wochen, am Samstag, 20. Oktober, 11.55 Uhr, auf dem Trierer Domfreihof. „5 vor 12“ ist die Kundgebung betitelt, auf dem Plakat und den Flugblättern ist ein Abrissbagger zu sehen, der von einem schwarz gekleideten Mann mit Bischofs-Hut gesteuert wird. Die Abrissbirne mit dem Wappen des Bistums Trier in der Mitte schwingt in Richtung eines Dorfkirchleins.

Dabei suche die Initiative gar nicht die Konfrontation. „Wir sind alle Christen. Es kann nicht sein, dass wir keine Lösung finden“, betont Cronauer. Doch als Affront sähe es die Initiative an, dass der Bischof am 19. Oktober, einen Tag vor der Demo, den Deckel auf seine Reform machen wolle. Das Bistum spricht von „Entscheidungen zu den Rahmenbedingungen für die Pfarrei der Zukunft, die am 19. Oktober anstehen.“ Wie die SZ aus zuverlässiger Quelle erfuhr, sind auch katholische Politiker des Saarlandes nicht einverstanden mit Ackermanns Plänen. Der SZ liegt das Schreiben von St. Wendels Landrat Udo Recktenwald (CDU) vor, der an Ackermann persönlich schreibt, dass die Reform ihm „Anlass zur Sorge“ gebe. Der Landrat, der selbst Mitglied in einem Pfarrverwaltungsrat ist, sagt, er habe mit vielen in der Kirche ehrenamtlich Engagierten gesprochen. „Dabei ist mir viel Enttäuschung und Verbitterung entgegengeschlagen.“ Er schreibt, dass „gewachsene Strukturen einen Wert an sich haben“. Dieser Meinung soll nach SZ-Informationen auch Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) sein.