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Unfälle im im Saarland
Mit Vollgas und Tempo 180 in den Tod

 Der Tacho eines Unfallfahrzeugs, an dessen Steuer ein 25-Jähriger im Mai 2018 bei Kleinblittersdorf starb: Die Nadel blieb bei 180 km/h stehen, 70km/h waren auf der Strecke erlaubt.
Der Tacho eines Unfallfahrzeugs, an dessen Steuer ein 25-Jähriger im Mai 2018 bei Kleinblittersdorf starb: Die Nadel blieb bei 180 km/h stehen, 70km/h waren auf der Strecke erlaubt. FOTO: Landes-Polizeipräsidium / LPP
Saarbrücken. Unfallstatistik der Polizei für 2018: Deutlicher Anstieg bei Zahl der Schwerverletzten, aber weniger Unfälle mit Todesfolge. Von Michael Jungmann
Michael Jungmann

„Hinter diesen Zahlen stehen viele heftige Schicksale!“ Darauf wies Landespolizeipräsident Norbert Rupp gestern bei der Vorstellung der aktuellen Verkehrsunfallstatistik der saarländischen Polizei hin. Im Durchschnitt rückten die Einsatzkommandos 2018 alle 15 Minuten aus, um einen Unfall aufzunehmen. Alle zwei Stunden wurde ein Mensch verletzt, jeden Tag verunglückte im Durchschnitt  ein Kind, alle zehn Tag starb ein beteiligter Verkehrsteilnehmer.


Gleich zwei Todesopfer forderte beispielsweise eine folgenschwere Karambolage im Mai des vergangenen Jahres auf der Bundesstraße 51 bei Kleinblittersdorf in Fahrtrichtung Frankreich. Rupp: „Die Höchstgeschwindigkeit war mit 70 km/h ausgeschildert.“ Der Wagen kam nach links von der Fahrbahn ab, streifte ein entgegenkommendes Auto, schleuderte weiter und prallte frontal gegen einen Baum. „Im Wrack des VW Golf wurde später der Tacho sichergestellt. Die Anzeige blieb bei 180 km/h stehen.“ Der 25 Jahre junge Fahrer und ein Mitfahrer (26) starben, der Beifahrer wurde schwer verletzt. Der Motorblock wurde in einem angrenzenden Feld gefunden. Unfallursache war wohl überhöhtes Tempo. Dies war 2018 die dritthäufigste Ursache (11,6 Prozent) aller Verkehrsunfälle mit Personenschaden im Saarland. Auf Rang eins (13,9 Prozent aller Unfälle) steht nicht ausreichender Sicherheitsabstand, auf Platz zwei (13,5 Prozent) Missachtung der Vorfahrt.

Rupp, der mit seinem Polizeidirektor Ralf Geisert, Chef der Verkehrspolizei, das Zahlenwerk erläuterte, verwies bei der Gesamtzahl der Unfälle (34 521) auf einen leichten Rückgang um ein Prozent im Vergleich zum Vorjahr (34 862). Während die Zahl der getöteten Verkehrsteilnehmer von 44 auf 35 zurückging, weist die Statistik einen deutlichen Anstieg bei den Schwerverletzten um 4,3 Prozent von 716 (2017) auf 747 (davon 47 Kinder) aus. Bundesweit wird hier ein leichter Anstieg um 0,4 Prozent erwartet. Die Gesamtzahl der Leichtverletzten stieg um 2,2 Prozent auf 747 (2017: 716).



Von den 35 Menschen, die im letzten Jahr auf den Straßen des Landes starben, saßen 15 (davon drei Insassen) in einem Pkw, fünf auf einem Motorrad. Zwölf waren Fußgänger. Drei, davon ein Kind, waren auf einem Fahrrad unterwegs. In vier Fällen konnte bei einem Unfallbeteiligten eine alkoholische Beeinflussung festgestellt werden. 16 Unfalltote waren auf angeblich nicht angepasste Geschwindigkeit zurückzuführen.

Die Risikogruppe „Junge Fahrer“ im Alter von 18 bis 24 Jahre verursachte 10,7 Prozent (insgesamt 727) der Unfälle mit Personenschäden. 70 mehr als im Vorjahr. Aus dieser Altersgruppe wurden zwei Personen getötet, 108 schwer und 737 leicht verletzt. In 984 Fällen waren junge Fahrer die Unfallverursacher.

Aus der Generation „65 plus“ starben 17 Menschen auf den Straßen. Sechs mehr als im Vorjahr, was für 2018 den höchsten Wert seit 2003 bedeutet. 144 Senioren wurden bei Unfällen schwer verletzt, 442 leicht. In 490 Fällen waren Senioren die Unfallverursacher.

Trotz deutlich reduzierter Personalstärke bei der Verkehrspolizei will der zuständige Direktionschef Peter Fuchs die Aktivitäten bei der Verkehrsüberwachung intensivieren. Bei Geschwindigkeitskontrollen werden verstärkt auch Mitarbeiter des polizeilichen Ordnungsdienstes eingesetzt. Mit den jeweiligen Inspektionen, den Operativen Einheiten und der Bereitschaftspolizei sollen verstärkt Aktionskontrollen durchgeführt werden. Besonderes Augenmerk gilt unter anderem der sogenannten Tuning-Szene.