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Vorbeugung gegen Afrikanische Schweinepest
20 Euro für jedes erlegte Wildschwein

Ab dem 1. April will das Umweltministerium Jägern 20 Euro für jeden abgeschossenen Schwarzkittel zahlen. Die Behörde will so die Zahl der Wildschweine drastisch vermindern, da diese die für die Tiere tödliche Afrikanische Schweinepest auch auf Hausschweine übertragen.
Ab dem 1. April will das Umweltministerium Jägern 20 Euro für jeden abgeschossenen Schwarzkittel zahlen. Die Behörde will so die Zahl der Wildschweine drastisch vermindern, da diese die für die Tiere tödliche Afrikanische Schweinepest auch auf Hausschweine übertragen. FOTO: dpa / Philipp Schulze
Saarbrücken. Umweltminister Jost will Jägern eine Abschuss-Prämie zahlen, um der Afrikanischen Schweinepest vorzubeugen. Von Dietmar Klostermann

Die drohende Ankunft der Afrikanischen Schweinepest auch im Saarland hat Umweltminister Reinhold Jost (SPD) veranlasst, die Staatskasse zu öffnen, um die saarländischen Jäger anzukirren. „Die Zahlung von Abschuss-Prämien wird derzeit vorbereitet. Wahrscheinlich wird ab dem 1. April je geschossenes Stück Schwarzwild eine Prämie von 20 Euro gezahlt“, sagt Josts Sprecher Damian Müller der SZ auf Anfrage.


Die Afrikanische Schweinepest ist für die Wildschweine absolut tödlich, es gibt kein Gegenmittel. Besonders die Halter von Hausschweinen sind alarmiert, da die Schweinepest von den Wildschweinen oder durch den Menschen über Schuhe oder Kleidung in die Stallungen übertragen werden kann. Im Saarland werden etwa 4000 Hausschweine gehalten. Wie viele Wildschweine es im Saarland gibt, weiß kein Mensch. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben der Vereinigung der Jäger des Saarlandes 5728 Wildschweine erlegt. Für den Menschen ist die Schweinepest ungefährlich.

Antragsberechtigt für die Abschuss-Prämien sollen die Jäger (im Amtsdeutsch: Jagdausübungsberechtigten) sein, erklärt Müller. Der genaue Auszahlungs-Modus der Prämiensummen solle noch festgelegt werden. In Bayern werden bereits jetzt etwa 20 bis 25 Euro für jeden erlegten Frischling, für Überläuferbachen und Bachen, die für die Aufzucht von Jungtieren nicht notwendig sind gezahlt, erklärt Rafael Greif, Vorsitzender des Vereins Ökologisch Jagen im Saarland (ÖJiS), der SZ. In Rheinland-Pfalz haben jetzt zwei Landkreise die Abschuss-Prämie von zehn Euro pro geschossenem Frischling bis 30 Kilogramm ausgelobt. Greif setzt sich dafür ein, dass Jäger auch mit Nacht- und Wärmebildzielgeräten auf die Jagd gehen können. „Das ist waid- und tiierschutzgerecht“, sagt Greifs Stellvertreter Dieter Bonaventura. Laut Bundeswaffengesetz ist aber der Jagdeinsatz solcher Nachtsichtgeräte verboten und wird auch von der 3400 Mitglieder starken VJS abgelehnt (die SZ berichtete). Im Saarland ist der Einsatz von Taschenlampen bei der nächtlichen Jagd zugelassen.

Der Sprecher des Umweltministeriums, Müller, erklärt, dass Jäger ab 1. April zusätzlich eine Aufwandsentschädigung von 200 Euro erhielten, wenn sie revierübergreifende Drückjagden ausüben. Mit diesen Geldanreizen will Umweltminister Reinhold Jost erreichen, dass die Wildschweinzahl im Saarland gesenkt wird und damit auch die Gefahr einer Ansteckung mit der Afrikanischen Schweinepest. Letzte Meldungen aus Polen besagten, dass die Schweinepest nahe Warschau angekommen sei.

Müller betont, dass Leitbachen, also Wildsauen mit jungen Frischlingen, erst dann geschossen werden dürften, wenn die Frischlinge keine Streifen mehr im Fell hätten. Bis dahin würden die Bestimmungen des Muttertierschutzes aus dem Bundesjagdgesetz gelten, sagt Müller. Darüber hinaus führten Beamte der Obersten Jagdbehörde im Umweltministerium „intensive Gespräche“ mit der organisierten Jägerschaft mit dem Ziel, die Jäger zu motivieren, noch stärker Wildschweine zu jagen als bisher.



Zudem habe Minister Jost jetzt ein neues Merkblatt zur Schweinepest auflegen lassen, dass den Jägern Hinweise zur Beprobung von Wildschweinen gibt, um die Afrikanische Schweinepest frühzeitig zu erkennen. „Auch bei uns im Saarland besteht mittlerweile ein erhöhtes Risiko für den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest“, sagt Jost. Diese Infektionskrankheit, die enormes Leid für die befallenen Tiere mit sich bringe, dringe aus Osteuropa in Richtung Westen vor. „Nicht zuletzt über den Transitweg in Form infizierter Lebensmittel oder kontaminierter Fahrzeuge“, erklärt Jost den Jägern in dem Merkblatt. Damit meint Jost offenbar die Lkw-Fahrer aus Osteuropa, die mit ihren Brummis aus den Infektionsgebieten kommend auch im Saarland Station machen. Hierzulande sind einige große Speditionen im Osteuropa-Transit aktiv, haben auch viele Fahrer aus Osteuropa angestellt.

Dabei ist die verstärkte Bejagung der Wildschweine auch aus Sicht des hundert Mitglieder zählenden Vereins ÖJiS zwingend geboten. „Nach spätestens sechs Monaten sind die Frischlinge bereits geschlechtsreif“, sagt ÖJis-Chef Greif. Viele Gründe führten zur massenweisen Vermehrung der Wildschweine. Ein Grund sei die Umstellung der Landwirtschaft auf den Maisanbau für Biogasanlagen. Wo diese nicht so stark zum Tragen käme, hätten Jäger mit Lockfütterungen (Kirrungen) „die Population angeheizt“ und über den Winter gebracht. „Die Wildschweine leben aktuell im Schlaraffenland“, sagt Bonaventura. „Auch aus diesem Grund fordern wir analog zur Gesetzeslage in Rheinland-Pfalz, die Kirrungen komplett zu verbieten“, sagt Greif. Zudem müsse man auch verstärkt nicht Frischlinge führende Bachen erlegen, um Erfolge in der Reduzierung der Fortpflanzung der Tiere zu erzielen, betont der ÖJiS-Chef.

ÖJiS-Vize Dieter Bonaventura (l.) und Rafael Greif, Chef des Vereins Ökologisch Jagen im Saarland (ÖJiS) .
ÖJiS-Vize Dieter Bonaventura (l.) und Rafael Greif, Chef des Vereins Ökologisch Jagen im Saarland (ÖJiS) . FOTO: Dietmar Klostermann