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168 Bäume müssen fallen

Dorf im Warndt. Baumfällungen in Wohngebieten sind heikel, denn Menschen schätzen und schützen ihre grünen Freunde Von SZ-Redakteurin Doris Döpke

Dorf im Warndt. Baumfällungen in Wohngebieten sind heikel, denn Menschen schätzen und schützen ihre grünen Freunde. Keno Zimmer, Wohnungsverwalter der StWB Wohnen (siehe "Auf einen Blick"), erläutert deshalb vorab, warum von der nächsten Woche an mehrere hundert Bäume in der Barbarasiedlung in Dorf im Warndt gefällt oder beschnitten werden - am Montag steckte er eigenhändig ausführliche Info-Blätter in die 268 Mieter-Briefkästen.


In der Siedlung werden Straßen und Kanäle erneuert. Diese zwei Millionen Euro teure Sanierung soll nur der Anfang sein: Die Eigentümerin, die Stiftung Wohnungsbau der Bergarbeiter, will die Siedlung nach Zimmers Worten "fit für die Zukunft" machen. Dazu, sagt Zimmer, gehöre auch das Umfeld. Das ist in der Siedlung durchweg grün, zum großen Teil mit Bäumen bestanden - und die wurden jetzt nach längerer Pause genau unter die Lupe genommen. Ergebnis der Überprüfung: Einige Bäume greifen mit ihren Wurzeln die Fernwärmeleitungen und die Mauerwerks-Abdichtungen der Wohnhäuser an. Andere Bäume, vorwiegend Eichen, sind nicht mehr standfest; in den vergangenen Monaten, so kann man im Infoblatt nachlesen, seien mehrere Autos von herabfallenden Ästen beschädigt worden. Außerdem sollen die Fällungen die Verbreitung der Eichenprozessionsspinner bremsen - die Raupen dieser Insekten schaden nicht nur Eichen (durch Kahlfraß), sondern auch Menschen (durch Allergien auslösende Härchen). Und sie sollen die Verschattung der Wohnungen mindern. Für jede einzelne Fällung, berichtet Zimmer, habe man beim Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz eine Genehmigung eingeholt, wie es die Baumschutzsatzung verlangt. Und jeder einzelne Baum sei von einem Diplomforstwirt und Baumsachverständigen begutachtet und in einem Baumkataster erfasst worden.

448 Bäume umfasse dieses Kataster, präzisiert Gutachter Peter Meyer, der es erstellt hat. Hinzuzählen müsse man den Baumbestand in den Forstflächen rund um die Siedlung, in denen die Baumschutzverordnung nicht gilt. Und die 168 zu fällenden Bäume, "Eichen, etwa 130 Jahre alt - aber einfach nicht mehr vital", zum Teil mit armdickem Totholz in den Kronen. "Wir hatten mehrere Frostspanner-Jahre", erinnert Meyer: Wiederholter Kahlfraß habe viele Bäume stark geschädigt. Und in der Folge gebe es rasch weitere Schäden durch den Eichenprachtkäfer, der sich immer weiter ausbreite.



168 Fällungen, viel Holz - nein, sagt Zimmer, "das kann man nicht bei uns kaufen": Um die Holz-Vermarktung kümmere sich die beauftragte Firma in eigener Regie.

Hintergrund

Die Barbarasiedlung in Dorf im Warndt wurde in den 1960er Jahren als Saarberg-Werkssiedlung errichtet. Heute ist sie Eigentum der Stiftung für Wohnungsbau der Bergarbeiter (StWB), die saarlandweit mehr als 2000 Wohnungen besitzt. Um deren Verwaltung kümmert sich die Stiftungs-Tochtergesellschaft StWB Wohnen. dd

 Blätterfresser mit großem Appetit: Raupe des Kleinen Frostspanners. Foto: VHS VK
Blätterfresser mit großem Appetit: Raupe des Kleinen Frostspanners. Foto: VHS VK
 Hübsch, aber schädlich: der Zweipunktige Eichenprachtkäfer. Foto: Niehuis
Hübsch, aber schädlich: der Zweipunktige Eichenprachtkäfer. Foto: Niehuis
 Ungesund für Menschen: die behaarten Raupen des Eichenprozessionsspinners. Foto: dpa
Ungesund für Menschen: die behaarten Raupen des Eichenprozessionsspinners. Foto: dpa