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Zentrum für digitale Kompetenz
100 000 Euro für die Spielerei

Staatssekretär Jürgen Lennartz und Uwe Conradt, Direktor des Landesmedienanstalt Saarland, im neuen LMS-Betaraum.
Staatssekretär Jürgen Lennartz und Uwe Conradt, Direktor des Landesmedienanstalt Saarland, im neuen LMS-Betaraum. FOTO: Landesmedienanstalt Saarland (LMS)
Saarbrücken. Die Landesmedienanstalt hat einen neuen Raum zum Thema Digitalisierung eröffnet. Von Lisa Kutteruf

Jürgen Lennartz sitzt an einem Tisch. Mit seinen Fingern tippt er auf Gurken- und Karottenscheiben und auf ein Stück Paprika. Der Laptop vor ihm spielt verschiedene Töne ab, je nachdem, welches Gemüsestück der CDU-Staatssekretär berührt. „Zweiklang geht auch!“, ruft Lennartz begeistert.


Was verrückt klingt, ist eine smarte Erfindung des Massachusetts Institute of Technology, besser bekannt als MIT, und heißt MaKey MaKey – ein Erfinderbausatz, mit dem alltägliche Gegenstände in eine Tastatur umgewandelt werden können; vorausgesetzt, sie sind leitfähig. Der Bausatz ist nur eine von mehreren neuen digitalen Stationen, die in der saarländischen Landesmedienanstalt (LMS) ausprobiert werden können. Im Zentrum für digitale Kompetenz gibt es ab sofort einen zweiten sogenannten LMS-Betaraum. Die Schwerpunkte liegen dort auf Coding, Robotik, Künstlicher Intelligenz und Gaming. Staatskanzleichef Lennartz hat ihn gestern zusammen mit dem Direktor der Landesmedienanstalt, Uwe Conradt (CDU), eröffnet. „Die Digitalisierung stellt die Gesellschaft vor eine große Herausforderung; im privaten wie im beruflichen Bereich. Coding, Robotik, Künstliche Intelligenz und Gaming sind wichtige Schlagworte, die bereits unsere alltägliche Mediennutzung berühren“, sagt Lennartz. „Dabei haben wir oft kaum eine Vorstellung davon, was konkret dahinter steht.“ Diese Lücke soll der LMS-Betaraum II schließen. Auch der neue Showroom steht allen Menschen offen und soll ihnen die Digitalisierung verständlich machen. Lennartz vergleicht die Digitalisierung mit der Globalisierung. „Die geht nicht mehr weg.“

Für den Bereich Gaming (Spiele) hat der Landtag 100 000 Euro zugeschossen. Während Lennartz vor den Gemüsescheiben sitzt, probiert Conradt das saarländische Lernprogramm „VerstehMal das Wasser“ auf einem Tablet aus. An der Wand hinter ihm hängen drei große Bildschirme, die „Gaming Wand“. Dort können unter anderem die Spiele League of Legends und Fifa 18 gezockt werden. Neben der Xbox One und der Playstation 4 liegt auch eine Nintendo Switch bereit.

„Momentan findet eine Gamification statt“, sagt Conradt. Dinge aus verschiedenen Kontexten würden ins Spielerische übertragen. Deshalb sei Hintergrundwissen zu Spielen wichtig. Die LMS-Beta-Räume seien als Selbermach-Räume gedacht, in denen jeder alles ausprobieren und sich mit Neuem vertraut machen kann. Dann bedient Conradt den Ozobot ebo, einen Roboter, dem man über Farb-Codes Anweisungen übermitteln kann. Conradt zeichnet Linien auf ein Blatt Papier und setzt den Roboter darauf. Anschließend fährt der Ozobot ebo die Linien nach. „Der Ozobot kann an jeder aufgezeichneten Kreuzung selbst entscheiden, in welche Richtung er fährt“, erklärt Conradt. Eine weitere Station ist der Calliope mini, ein Mikrocontroller, mit dessen Hilfe sich schon Grundschüler mit den Grundlagen der Informatik vertraut machen können.

Den ersten LMS-Betaraum eröffnete die Landesmedienanstalt im Rahmen des zehnten Nationalen IT-Gipfels im November 2016 in Saarbrücken. Seitdem hat die LMS 787 Besucher registriert, davon allein 680 im laufenden Jahr. Der Fokus des ersten Raumes liegt auf 3D, Virtual Reality und Augmented Reality, digitalen Assistenten und Social Media. Die Besucher können sich mit speziellen Brillen unter anderem virtuell in das Erlebnisbergwerk Velsen oder auf eine virtuelle Zeitreise auf der Kölner Domplatte begeben. Die Erweiterung um einen Raum war nötig aufgrund der großen Nachfrage und weil sich das Angebot weiterentwickelt hat. Aber auch, weil es durch die verschiedenen Geräuschquellen in einem Zimmer schnell sehr laut wird.



Neben Spiel und Spaß regen die Showrooms des Zentrums für digitale Kompetenz auch zum Nachdenken an. „Die digitale Ökonomie ist geprägt von wenigen Global Players wie Google, Apple und Amazon“, sagt Conradt. Zudem hörten die Lautsprecher der Sprachassistenten ständig mit. Das belegt Alexa, die Sprachassistentin von Amazon, dann auch prompt, als ihr Name fällt: „Ich kann keine Verbindung zu deinem Netzwerk herstellen“, sagt sie zu Conradt.

Der LMS Betaraum ist im neuen Jahr wieder immer mittwochs von 15 bis 19 Uhr geöffnet. Gruppen ab fünf Personen können einen gesonderten Termin vereinbaren. Der Eintritt ist frei.

Gemüsestücke im neuen LMS-Betaraum. Mit Hilfe eines Erfinderbausatzes können sie als Tastatur genutzt werden.
Gemüsestücke im neuen LMS-Betaraum. Mit Hilfe eines Erfinderbausatzes können sie als Tastatur genutzt werden. FOTO: Lisa Kutteruf